Sie sind stolz auf ihre Festschrift (v. l.) Werner Schmitt, Herbert Dietz, Horst O. Halefeldt und Harald Ruhl. Die Feiertage zum 100-jährigen Bestehen des Vereinsfußballs in Groß-Karben müssen auf 2021 verschoben werden. FOTOS/REPRO: JÜRGEN SCHENK
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Sie sind stolz auf ihre Festschrift (v. l.) Werner Schmitt, Herbert Dietz, Horst O. Halefeldt und Harald Ruhl. Die Feiertage zum 100-jährigen Bestehen des Vereinsfußballs in Groß-Karben müssen auf 2021 verschoben werden. FOTOS/REPRO: JÜRGEN SCHENK

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Von Aufstiegen und Meisterschaften

  • vonJürgen Schenk
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Vor zwei Wochen mussten die Fußballer der KSG Groß-Karben eine Entscheidung treffen. Dabei war das Ergebnis eigentlich schon vorher klar gewesen: Aus dem Sportwochenende Mitte September im Stadion an der Waldhohl wird in diesem Jahr nichts. Die Feiertage zum 100-jährigen Bestehen des Vereinsfußballs wurden auf 2021 verschoben.

Fast hätte es auch die Festschrift "100 Jahre Fußball in Groß-Karben" erwischt. Die ersten Wochen der Corona-Pandemie und die letzten Schritte vor der Fertigstellung hatten sich überschnitten. Doch es funktionierte: Vor einigen Wochen lag in jedem Groß-Karbener Briefkasten ein Exemplar des 88 Seiten umfassenden Heftchens. 2500 Stück wurden insgesamt ausgetragen.

Viele Freunde des lokalen Fußballsports werden sich über die Aktion gefreut haben. Bilder, Namen und ein umfangreicher Chronikteil illustrieren die Geschichte des Sportvereins (SV) 1920 und der Kultur- und Sportgemeinschaft (KSG) Groß-Karben vor und nach ihrer Fusion. Anekdotenreich wird über Lokalderbys berichtet, die am Ende doch unerwartet glimpflich ausgingen. Oder über die großen Erfolge in den 50er und 60er Jahren, als den Zwanziger-Senioren mehrere Meisterschaften und Aufstiege glückten.

Um das alles ansehnlich zu gestalten, arbeiteten Werner Schmitt, Herbert Dietz, Harald Ruhl und Horst O. Halefeldt Hand in Hand zusammen. Man traf sich oft auch nur zu zweit und füllte Seite um Seite mit Inhalten. "Das hat alles reibungslos geklappt", resümiert der KSG-Vorsitzende Werner Schmitt. "Im April ist die Festschrift in den Druck gegangen. Die Zusammenarbeit funktionierte quasi auf Zuruf." Chronologisch etwas schwierig sei es gewesen, die Zeit von 1952 bis zur Fusion 1991 darzustellen. Den Werdegang der zwei Fußballvereine SV und KSG habe man parallel betrachten wollen.

Viel Lob, aber auch Ärger mit der Post

Harald Ruhl besorgte die Anzeigen für die Festschrift. Jedes Geschäft in Karben steuerte er dafür persönlich an. Die Resonanz, nicht zuletzt im Industriegebiet, sei sehr gut gewesen. Weitere Werbeannoncen kamen aus Wöllstadt. "Die Einnahmen durch Werbeanzeigen haben sich auf jeden Fall gerechnet", sagt Ruhl. "Wir hätten eher noch mehr Interessenten holen können. Aber es sollte ja keine Werbebroschüre werden. Im fertigen Heft befinden sich insgesamt 60 Anzeigen."

Layout und Inhalt machen eine solche Lektüre aus. Darüber waren sich die Verantwortlichen im Vorfeld einig. Nachfragen nach Rest-Exemplaren aus Wöllstadt, Rosbach und Okarben scheinen die Beliebtheit des Heftchens zu belegen. "Bisher waren alle Rückmeldungen sehr positiv", berichtet Herbert Dietz, der wie immer viele Bilder aus seinem historischen Fotoschatz beisteuern konnte.

Die grafische Gestaltung hatten Horst und Elke Halefeldt übernommen. Werner Schmitt freut sich aktuell über einige Anfragen wegen Jugend- und Damenfußball in Groß-Karben. Das könne unter Umständen auch auf die gelungene Festschrift zurückzuführen sein, meint er. Als nicht ganz so gelungen bezeichnet er dagegen die Anlieferung der Drucksachen. Elf Pakete seien von der DHL hin- und her geschickt worden, ehe sie endlich kleckerweise bei seiner Privatadresse eintrudelten. Termindruck habe es deswegen aber nicht gegeben.

In der Rubrik "Unser Verein" wird ein Punkt angerissen, auf den man näher eingehen könnte: Von der Nachkriegszeit bis heute spielt das Thema Integration eine wichtige Rolle im Groß-Karbener Vereinsfußball. Zuerst waren es Flüchtlingssöhne nach dem Zweiten Weltkrieg, dann spanische und türkische Gastarbeiter und jetzt deren Nachkommen - Fußballverrückte im positiven Sinne mit ihrer ganz eigenen Mentalität. "Wir haben nie ein Problem daraus gemacht", merken Dietz und Schmitt an. Die Bayrams, Sahins und Bakahans seien alle Groß-Karbener Jungs. "Aus der KSG 1920 sind sie nicht mehr wegzudenken", heißt es in der Festschrift.

Fest eingeplante Programmpunkte wie das Freundschaftsspiel gegen eine Traditionsmannschaft von Eintracht Frankfurt sollen übrigens auf jeden Fall nachgeholt werden.

Gekickt wurde in Groß-Karben über viele Jahrzehnte auf dem Sportplatz am Park. Dort befand sich die traditionsreiche Spielstätte des SV 1920. Von 1920 bis 1991 spielten die Zwanziger dort als eigenständiger Verein und dann, bis 2016, im Zusammenschluss mit der KSG. Bei Heimspielen sollen manchmal bis zu 2000 Zuschauer das Sportgelände bevölkert haben. Heute ist das Grün verschwunden. Der ganze Platz ist mit Wohnhäusern zubetoniert. 2014 hatte die Stadt entschieden, das Gelände am Park zu verkaufen und aus dem Erlös die Sportstätten in Karben zu sanieren. Davon profitierte auch die KSG 1920 Groß-Karben. An der Waldhohl entstanden ein Kunstrasenplatz und ein Vereinsheim. Mit einem Spiel gegen Nieder-Weisel auf dem alten Sportfeld am Park ging eine Ära zu Ende, an die viele Fußballfreunde wehmütig zurückdenken. jsl

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