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Aufregung um Klingelwiesenweg

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Keine richtige Straße und dennoch viel befahren ist der Klingelwiesenweg in Okarben. Der Autoverkehr belastet die Anwohner im alten Ortskern.
Keine richtige Straße und dennoch viel befahren ist der Klingelwiesenweg in Okarben. Der Autoverkehr belastet die Anwohner im alten Ortskern. © Holger Pegelow

Karben (pe). Seit Jahren leiden Anwohner des Okarbener Ortskerns unter dem zunehmenden Verkehr. Jetzt erhoffen sie sich durch die Nordumgehung eine Entlastung. Damit die auch tatsächlich kommt, müsste der beliebte Klingelwiesenweg gesperrt werden. Diese Forderung der SPD ließ die Wogen in der Ortsbeiratssitzung hochschlagen.

Eine richtige Straße ist es nicht: Es fehlen sowohl Leitpfosten als auch Linien. Dennoch ist der Klingelwiesenweg eine beliebte Verbindung zwischen Burg-Gräfenrode und Okarben. Berufspendler, die aus Roggau oder Ilbenstadt, Kaichen und anderen Orten zu den beiden Karbener Bahnhöfen wollen, nutzen ihn gerne. Das wissen die Anwohner in der Großgasse, der Tränkgasse und der Untergasse nur zu genau. Denn wer durch den Klingelwiesenweg fährt, muss bei ihnen vorbei. Einer sagt in der Sitzung des Ortsbeirats Okarben: »Seit wir da wohnen, ist es ständig mehr Verkehr geworden.« Die anderen nicken zustimmend. Seit dem Bau der Nordumgehung und den damit verbundenen monatelangen Umleitungen ist der Verkehrsstrom noch einmal angeschwollen. Unerträglich finden viele das, wollen endlich weniger Autos.

Zuhörer winken ab

SPD-Beirat Matthias Flor, der selbst viele Jahre Ortsvorsteher gewesen ist, kennt die Belastungen für die Anwohner und deren Stimmung. Zur Sitzung bringt er den Antrag ein, den Klingelwiesenweg nach Eröffnung der Nordumgehung für den Durchgangsverkehr zu sperren. Ausnahmen sollen sein: Fahrräder, landwirtschaftliche Maschinen und die Anfahrt zur Sportanlage und zur Anlage des Obst- und Gartenbauvereins. Flor hatte seinen Antrag bereits vor drei Wochen eingereicht. Ortsvorsteher Karlheinz Gangel (CDU) hatte den zuständigen Fachdienst eingeschaltet. Der schrieb, der Ortsbeirat möge die Diskussion um eine Schließung des Weges zurückstellen, bis die Auswirkungen der Nordumgehung konkret bekannt seien. Stadtrat Sebastian Wollny ergänzt in der Sitzung, zwar gebe es eine Prognose für eine deutliche Minderung des Verkehrsaufkommens nach Eröffnung der Umgehung. »Aber wie stark die sein wird, weiß niemand.« Daran mögen die leidgeprüften Anwohner ohnehin nicht recht glauben. Eine Zuhörerin rief: »Auch wenn die Nordumgehung eröffnet sein wird, werden wir noch viel Verkehr hier haben.« So gebe es in Okarben keinen Fußballverein mehr. Die Kinder kicken in Kloppenheim und Ilbenstadt. »Da müssen sie hingefahren werden, und das geht am besten über den Klingelwiesenweg. Es wird niemand die Umfahrung außen herum nehmen.«

Ein anderer Zuhörer gibt zu bedenken, dass Bauarbeiten auf der Kreisstraße zwischen Groß-Karben und Heldenbergen anstehen. Die Sperrung dieser Straße werde alle wieder über den Klingelwiesenweg führen. »Das wird ein Schleichweg bleiben.« Die Bürger wollen sich nur mit einer Sperrung der im Volksmund auch Promilleweg genannten Verbindung zufriedengeben.

Doch im Ortsbeirat findet der Antrag keine Mehrheit. Gangel spricht sich wie der Magistrat und CDU-Beirat Raif Toma dafür aus, zunächst die Auswirkungen der Umgehung abzuwarten. »Dann dauert es noch Jahre, bis der Weg gesperrt wird«, ruft jemand erregt dazwischen. Mit zwei zu drei Stimmen wird der SPD-Antrag abgelehnt. Stattdessen wird ein Prüfantrag von Toma mit zwei Jastimmen bei drei Enthaltungen beschlossen. Darin soll die Stadt das Verkehrsaufkommen auf dem Klingelwiesenweg »überprüfen« und dem Ortsbeirat Maßnahmen vorschlagen, wie der Weg vom Verkehr entlastet werden könne. Die Reaktion der über 20 Zuhörer: Sie winken ab.

Kommentar: Mutlos
Der Ortsbeirat ist das gewählte Gremium eines Stadtteils und vertritt die Interessen der Bürger vor Ort. Daran muss mit Blick auf den Beschluss der Okarbener Stadtteilvertreter erinnert werden. Allzu leicht ist die CDU-Mehrheit nämlich der Magistratsmeinung gefolgt, man müsse erst einmal die Auswirkungen der Nordumgehung auf die Verkehrsströme in Okarben abwarten. So ist nach fast anderthalb Stunden hitziger Debatte nur eine zaghafte Anfrage an die Stadt herausgekommen, anstatt dass der Beirat klar sagen würde, was er will. Den leidgeprüften Bürgern hilft dieser mutlose Beschluss überhaupt nicht. (pe)

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