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ASB-Wohnbereichsleiterin Larissa Koch und Azubi Sabine Fey kümmern sich um Bewohnerin Lisa Gäckle.

ASB-Seniorenheim Karben

ASB: “Unsere Azubis sind unsere Zukunft„

  • vonChristine Fauerbach
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Die Corona-Pandemie hat den Pflegenotstand in Deutschland verschärft. Nach aktuellen Schätzungen fehlen 45 000 Arbeitskräfte in der Kranken- und Altenpflege. Das Team von Wohnen und Pflege Karben setzt beim Wettbewerb um Nachwuchs und Mitarbeiter vor allem auf qualifizierte Ausbildung..

D ie Personaldecke bei Pflegefachkräften in der Kranken- und Altenpflege ist seit Jahren angespannt. Ursachen für den Pflegenotstand, sprich den Versorgungsengpass, der vor allem durch einen Pflegekräftemangel gekennzeichnet ist, sind neben dem demografischen Wandel wechselnde Arbeitszeiten im Schichtdienst, physische und psychische Belastungen, die geringe Bezahlung, der Einsatz von Leasingkräften sowie fehlende gesellschaftliche Anerkennung. Experten befürchten, dass die Corona-Krise eine Kündigungswelle auslöst. Sie fordern von der Politik die längst überfällige Reform des Pflegesystems.

Vorteil: Sicherer Arbeitsplatz

Dazu sagt Violetta Kettemann, verantwortliche Pflegefachkraft in der ASB-Seniorenresidenz Karben: “Der Pflegekräftemangel ist da. Auch wir sind davon betroffen.„ Kollegin Manuel Lachnit, zuständige Praxisanleiterin für Auszubildende, die wöchentlich zwei Schulungen durchführt, fügt hinzu: “Unser Haus wurde im September 2004 eröffnet. Seither ist die Fluktuation bei den 70 Pflegefachkräften hoch, liegt bei circa 30 Prozent. Uns ist es trotzdem gelungen, immer einen hohen Qualitätsstandard bei der Pflege zu halten. Dies belegen unsere bei nahezu 100 Prozent liegende Auslastung und eine lange Warteliste.„

Der Mangel an Pflegefachkräften bietet Mitarbeitern aber auch einen sicheren Arbeitsplatz und Chancen, schnell Karriere zu machen, wie Larissa Koch, stellvertretende Wohnbereichsleiterin, berichtet. Sie wollte ursprünglich Erzieherin werden. Durch Zufall fand sie einen Ausbildungsplatz in der Altenpflege beim ASB Ludwigshafen. Die gebürtige Petterweilerin wechselte im dritten Ausbildungsjahr nach Karben. Am 1. April 2020 bestand sie ihre Prüfung als examinierte Altenpflegerin. Bereits ein halbes Jahr später wurde ihr die Leitung des Wohnbereiches 2 mit 40 Bewohnern, 14 Mitarbeitern und zwei Azubis angeboten.

Im ersten Halbjahr wird sie von einer erfahrenen Kollegin gecoacht. “Es gibt einen wöchentlich festen Gesprächstermin. Hier werden alle Fragen erörtert„, informiert Kettemann. Die Wahl sei auf die 20-Jährige gefallen, da sie neben ihrer fachlichen Qualifikation “immer freundlich ist, nie die Contenance verliert und auf Menschen eingehen kann„.

Und Larissa Koch sagt: “Heute möchte ich nicht mehr Erzieherin werden. Mein Beruf ist abwechslungsreich, hat viele Facetten, ist lebensnah, und jeder Tag hat einen anderen Ablauf. Mir bereitet der Umgang mit Senioren, denen ich bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben helfe, große Freunde.„

Gute Chancen für Quereinsteiger

Aber auch für Quereinsteiger und Hauptschüler mit und ohne Berufsausbildung ist die Kranken- und Altenpflege interessant. Zu ihnen gehört Sabine Fey, die gerade eine einjährige Pflegehelferausbildung absolviert. Die Norddeutsche zog mit ihren beiden acht und neuen Jahre alten Kindern in die Nähe ihres beim ASB im ambulanten Dienst tätigen Vaters. Und nutzte im August 2020 die Chance, eine Ausbildung zu machen. “Unsere Azubis sind unsere Zukunft. Wir haben viele Quereinsteiger, geben allen eine Chance, ermutigen jeden in die Pflege hineinzuschnuppern. Wir kümmern uns, helfen bei Bedarf eine Förderung zu bekommen.„ Ausbilderin Lachnit begleitet und schult die derzeit sechs Azubis, zu denen im kommenden Halbjahr zwei weitere hinzukommen. Fey betont: “Die Pflege ist trotz 40-Stunden-Woche das Richtige für mich. Ich begleite die Bewohner in ihrem Zuhause, unterstütze sie bei der Körperpflege, Nahrungsaufnahme, Einnahme von Medikamenten, motiviere sie zu sinnvollen und fördernden Aktivitäten, helfe ihnen bei Angelegenheiten wie der Vereinbarung von Arztterminen. Alle meine Tätigkeiten zuvor haben mich nicht erfüllt. Auch kommt der ASB mir bei den Arbeitszeiten mit Blick auf meine Kinder mit Frühschichten entgegen.„

Ihre einjährige Pflegehelferausbildung ist Voraussetzung für die dreijährige zur Pflegefachfrau. Koch: “In der Altenpflege hat man eine Beziehung zu den Bewohnern im Gegensatz zum schnellen Durchgang im Krankenhaus.„ In den Wohnbereichen leben Gruppen mit körperlich mobilen und eingeschränkten, wenig dementen und dementen Bewohnern. Durch die neue generalistische Ausbildung müsse die Einrichtung bei den Azubis einen guten Eindruck hinterlassen, die Arbeitsatmosphäre zähle. “Künftig wechseln die Azubis während ihrer Ausbildung zwischen den Betrieben. Sie haben Pflichteinsätze in der Altenpflege, der (Kinder-)Krankenpflege, der Heilerziehungspflege sowie der Dokumentation der Maßnahmen und verwaltende Tätigkeiten„, informiert Lachnit.

In den Sommerferien biete der ASB Karben Realschülern ab 16 Jahren Ferienjobs zum Hineinschnuppern in die Pflege an.

Der Pflegefachmann/die Pflegefachfrau ist ein neuer Ausbildungsberuf, der seit Januar 2020 die Ausbildungen zum/zur Gesundheits- und Krankenpfleger/in, zum/zur Altenpfleger/in und zum/zur Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in bündelt. Die neue Ausbildung ist generalistisch, was bedeutet, dass die Auszubildenden alle Pflegebereiche kennenlernen. Nach der universellen Ausbildung können die Absolventen in verschiedenen medizinischen und sozialen Einrichtungen tätig werden. Sie haben die Wahl zwischen unterschiedlichen Pflegeberufen in Seniorenheimen, in Kliniken, Krankenhäusern und Pflegeheimen. Empfohlener Schulabschluss für die Ausbildung ist die Mittlere Reife. Die Ausbildung dauert drei Jahre. cf

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