Arbeiten zur Nidda-Renaturierung machen Fortschritte

Karben (cf). Noch in dieser Woche wird ein Teilstück des Niddaradweges zwischen Klein-Karben und Gronau gesperrt. »Die Nutzung wird für Radfahrer und Spaziergänger zu gefährlich«, sagte Gottfried Lehr. Der neue, über 200 Meter weiter westlich liegende und drei Meter breite Asphaltweg, der einen Schlenker macht, wird – vorausgesetzt, das Wetter spielt mit – ab März 2015 gebaut.

Er läuft dort entlang, wo heute Erdhaufen liegen und wird vor dem Dortelweiler Pappelweg wieder auf den bereits bestehenden Weg führen.

»Viele Bürger nutzen den Niddaradweg als Teil des Mobilitätskonzeptes zur Fahrt mit dem Rad auf die Arbeit«, sagte Ekkehart Böing, Stabsstellenleiter Wirtschaft und Verkehr der Stadt. Ein erhöhter Aussichtsturm wird einen ungestörten Blick auf die Auenlandschaft und die Beweidung der Auen durch Galloway-Rinder ermöglichen.

Der Vilbeler Diplom-Ingenieur und Gewässerökologe Lehr informierte gemeinsam mit Böing 20 Bürger und Kommunalpolitiker bei einer Baustellenbegehung über den Stand der Nidda-Renaturierung und zum Ausbau des Radweges in Klein-Karben. Ziel aller Maßnahmen der von der Gerti-Strohm-Stiftung, der das Gelände auf der westlichen Niddaseite von Klein-Karben bis Gronau gehört, und dem Zweckverbandes Regionalpark Niddaradweg ist es, die Natur und die Nutzung dieses 900 Meter langen und 200 Meter breiten Bereiches durch den Menschen wieder in Einklang zu bringen. »Die Nidda erhält ein neues altes Bett und wird wieder ein natürlicher Fluss. Das erreichen wir durch Schaffung von Retentionsräumen, einer zusätzlichen 20 bis 30 Hektar großen Überflutungsfläche, von Rückzugsgebieten für Tiere und Pflanzen und naturbelassener Erlebnispunkte«, betonte Lehr.

Der »Kanal Nidda«, sprich der Fluss ohne Raum, bleibt auf der Ostseite aus Hochwasserschutzgründen erhalten. Die kanalisierte Nidda ist auf ein 100-jähriges Hochwasser ausgebaut. Dieser gesicherte Rechtsanspruch hat auch Auswirkungen auf die Renaturierung der westlichen Niddauferseite, wie Lehr informierte.

»Wo sehen Sie den Fluss, wenn die Büsche grün sind?«, wollte ein Bürger wissen. »Auf der Ostseite werden Bänke aufgestellt. Wer dort spazieren geht oder sich auf einer Bank ausruht, kann den Blick auf die Nidda genießen«, antwortete Lehr. »Wir haben diese Grundsatzdiskussion bereits mehrfach im Ortsbeirat Klein-Karben geführt«, sagte Ortsvorsteher Reinhard Wortmann. Einmal erläuterte Dr. Hansgeorg Jehner, alleinvertretungsberechtigtes Vorstandsmitglied der 2000 von ihm gegründeten millionenschweren Stiftung, den Ortsbeiratsmitgliedern und Bürgern die Pläne. »Die Nidda-Renaturierungspläne wurden ausführlich auch mehrfach in der Presse vorgestellt und erläutert«, sagte Ulrike Loos vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Sie widersprach damit der Aussage eines anderen Bürgers, der behauptete, die Pläne seien gegenüber der Veröffentlichung geändert worden.

Lehr erinnerte daran, dass dieses Gebiet nicht nur Natur- und Fluss, Aufenthalts- und Erholungsraum sei, sondern auch ein europäisches Vogelschutzgebiet. »Man muss die an ein altes Konzept anschließenden Maßnahmen im großen Kontext sehen.« Auf der westlichen Seite werde es Zugangsbereiche zum Fluss geben und ein Deich entstehen. Begrenzt im Westen wird der neue Niddalauf künftig durch eine Gasleitung. Trinkwasserleitungen von Hassia Mineralquellen und des Trinkwasserverbandes werden oder wurden verlegt.

Deichdurchstich im Januar

Das neue Niddabett ist zwischen drei und 4,20 Meter tief. Dort hat sich bereits Grundwasser nach oben durchgedrückt. »Wir haben hier Vulkangestein, Tuff, gefunden. Die ›Dellen» in den Wiesen zeigen frühere Eiszeit-Mäander der Nidda an«, sagte Lehr. Die Tuffe seien Überbleibsel des Eifelvulkans aus verschiedenen Eiszeiten, wie ein Bodenkundler der Frankfurter Goethe-Universität feststellte. Diese Sedimente seien sonst nur im Hintertaunus zu finden.

Da die neuen trapezförmig angelegten, hinter den Strommasten laufenden Dämme nicht bepflanzt werden dürfen, werde es Vorschüttungen für Baumbepflanzungen wie am »Krähennest« geben. »Der neue Querschnitt hat Flutmulden, dort müssen Bäume gefällt werden. Geflutet wird das neu gestaltete Gebiet ganz zum Schluss durch Durchstiche zum heutigen Kanal. Falls das Wetter mitspielt und es länger trocken bleibt, im Januar 2015.«

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