Sie ist ein Genussmensch: Anke Behrens genießt ihren selbst gemachten Apfelsaft auch im Schneeregen und bei frostigen 

Temperaturen.	FOTO: JÜRGEN SCHENK
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Sie ist ein Genussmensch: Anke Behrens genießt ihren selbst gemachten Apfelsaft auch im Schneeregen und bei frostigen Temperaturen. FOTO: JÜRGEN SCHENK

Interessengemeinschaft Streuobst

Anke Behrens: Echte Liebe zum Obst

  • vonJürgen Schenk
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»Eigentlich bin ich ja gar kein Vereinstyp«, sagt Anke Behrens über sich selbst. Aber für ihre Leidenschaft hat sie 2013 eine Ausnahme gemacht. Damals gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der Interessengemeinschaft (IG) Streuobst in Karben. Seitdem kümmert sich die studierte Betriebswirtin um die Vereinskasse und um organisatorische Angelegenheiten. »Die Männer beisammen halten« zählt sie auch zu ihren Tätigkeiten.

A lles fing mit ihrer Liebe und Verbundenheit zur Natur an. Anke Behrens hatte Lust, draußen unterwegs zu sein, eigenes Obst zu ernten, Bäume zu pflanzen und zu retten - das sind die Dinge, von denen sie bis heute angetrieben wird. Und die Wiesen rund um Karben bieten dafür nahezu ideale Gelegenheiten. »Ich hatte damals die Idee, etwas Sinnvolles für die Allgemeinheit machen zu wollen«, erklärt die gebürtige Niedersächsin. »Im sozialen Bereich konnte ich mir das nicht so recht vorstellen. Themen wie Nachhaltigkeit und Biodiversität erschienen mir schon immer sehr wichtig. Jetzt sind sie es noch mehr.«

Die Dimension des Projektes nahm schnell größere Formen an. Das war auch ein Lernprozess. Erste Erfahrungen mit Pflanzen und Obstanbau habe sie im eigenen Garten gesammelt. Doch das, was dann kam, sei wie ein Sprung ins kalte Wasser gewesen. »Ich brauchte Beratung beim Werkzeugkauf ebenso wie verschiedene Kurse in der Baumpflege. Gut, dass es hier genug Leute gibt, die sich damit auskennen.«

Auf diese Weise konnte sich die Klein-Karbenerin nach und nach notwendiges Fachwissen aneignen und ihren Horizont erweitern. Ganz nebenbei schuf sie für sich außerdem einen Gegenpol zum Berufsleben. Gerade in der Anfangszeit sei es spannend gewesen, einen Verein von Grund auf zu formen, sagt Behrens. Wie in einem kleinen Unternehmen hätten zunächst alle Strukturen geschaffen werden müssen.

Die Entwicklungen gingen indes rasch voran. Ein Jahr nach der Vereinsgründung bewirtschaftete die IG Streuobst bereits vier Nutzflächen in der Karbener Gemarkung. Dort wachsen Äpfel, Birnen, Kirschen, Mirabellen, Mispel, Speierling und Zwetschgen. Auf einer Wiese stehen bis zu 100 Obstbäume. Viele Vereinsmitglieder betreuen darüber hinaus noch private Wiesen. Anke Behrens und ihr Mann Volker haben eine in Petterweil, wo sie im vergangenen Jahr eine gute Apfelernte einbringen konnten. Verheiratet sind die beiden seit zwölf Jahren. Sie stammt aus der Gegend um Hannover und kam im Jahr 1992 aus beruflichen Gründen in den Frankfurter Raum. Volker Behrens ist der Erste Vorsitzende der IG Streuobst.

»Das Credo unseres Vereins lautet Genuss und Verantwortung«, unterstreicht Anke Behrens. »Oder man könnte auch anders sagen: Ohne Nutz kein Schutz. Das, was wir anbauen und ernten, soll bestmöglichst verwertet werden. Mit diesem Hintergrund kümmern wir uns noch intensiver um alles. Aber dafür müssen wir auch viel tun.«

Als selbst ernannter Genussmensch liebt Anke Behrens es, aus den Früchten leckere Dinge zu machen. Gegenwärtig lagern im Keller der Familie Behrens fünf verschiedene Apfelweine, die abgefüllt und getrunken werden wollen. »Wegen der unterschiedlichen Sortenzusammensetzungen und Erntezeitpunkte wird die Verkostung spannend«, freut sie sich.

Abstriche mussten allerdings auch bei der IG Streuobst im vergangenen Jahr in Kauf genommen werden. Das Kelterfest am JuKuZ wurde abgesagt, Mitgliedertreffen sind derzeit nur noch in virtueller Form möglich.

Dennoch geht der Blick positiv nach vorn. Ausdrücklich lobt Behrens an dieser Stelle die Zusammenarbeit mit der städtischen Sachbearbeiterin für Umwelt- und Naturschutz, Melanie Jakob. Für die Zukunft mache das Hoffnung.

Streuobstlehrpfad geplant

Mit der Groß-Karbener Pestalozzischule ist im Frühjahr eine gemeinsame Baumpflanzaktion geplant, von der alle Beteiligten hoffen, dass sie stattfinden kann. So oder so soll die erste Handlung nach dem Lockdown auf jeden Fall dem Baumbestand gelten. »Dann werden erst mal Bäume gekauft«, lautet ihre hoffnungsvolle Ansage.

Etwas weiter in die Ferne geschaut, berichtet Behrens von einem ambitionierten Projekt der IG Streuobst in Klein-Karben: »Wir planen einen Streuobstlehrpfad im Bereich unserer Wiesen und der Gemeinschaftsobstanlage. Ein möglicher Ausgangspunkt könnte der Parkplatz am Rosenhang sein.«

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