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Erdverbunden: Horst Preißer an der Gedenkstätte, wo die alte Lutherlinde von 1675 stand.

Als Luther durch Petterweil kam

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Karben (jsl). Auf seinem Weg von Wittenberg zum Reichstag in Worms zog Martin Luther im April 1521 auch durch die Wetterau. Von Friedberg kommend benutzte er die alte Heerstraße in Richtung Frankfurt. Diese antike Handelsstraße aus römischer Zeit führte in ihrem weiteren Verlauf direkt durch Petterweil. Noch heute trägt die Hauptstraße im Ort den Namen Alte Heerstraße.

Luthers Wagen mit seinen Eisen beschlagenen Rädern wird auf der Steinstraße wohl mächtig Lärm gemacht haben. Laufen musste der Theologe selten. Und allein war er auch nicht unterwegs. Zu seiner Reisegesellschaft gehörten Luthers Mitbruder Johann Petzensteiner, der Theologe Nikolaus von Amsdorff, Peter von Suaven, ein pommerscher Adliger, und Justus Jonas. Eine illustre Gruppe, die nicht ohne Aufmerksamkeit geblieben sein dürfte.

Ob die Petterweiler wussten, wer da durch ihren Ort ratterte? Der damalige Geistliche wusste es auf jeden Fall. Vorausschauend hinterließ er nämlich eine Notiz von dem Ereignis. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass Petterweil heute als offizieller Teil des Pilgerweges Beachtung findet. Und noch dazu kennt man dadurch sogar das ganz genaue Datum der Durchreise: Es war der 14. April 1521, ein Sonntag.

Außer dem Kirchenbucheintrag ist jedoch nichts Greifbares aus dieser Zeit in Petterweil übrig geblieben. An der Kirche gibt es einen Schaukasten mit Informationen über Martin Luther und seinen Weg. Ein imposantes Naturmonument, die Lutherlinde von 1675 an der Alten Heerstraße, musste vor wenigen Jahren wegen Sicherheitsbedenken beseitigt werden. Man hatte ihre mangelnde Standfestigkeit als Gefahrenlage eingeschätzt.

An diesem Platz in der Nähe der Kreuzung Sauerbornstraße/Alte Heerstraße/Die Mauergärten befindet sich jetzt eine eiserne Stele zur Erinnerung. »Dieser Baum war aber nicht die erste Lutherlinde in Petterweil«, berichtet Ortskenner Horst Preißer. Nach dem Durchzug Luthers im April 1521 soll nahe der Martinskirche eine Vorgängerlinde gepflanzt worden sein. Diese hat den Dreißigjährigen Krieg aber nicht überlebt.

Ob dieser Baum den Brandschatzungen schwedischer und kaiserlicher Truppen zum Opfer fiel oder beim großen Dorfbrand 1635 vernichtet wurde, lässt sich nicht mehr rekonstruieren.« Die zweite Lutherlinde sei dann einige Jahre nach dem Krieg an der bekannten Stelle, damals noch außerhalb des Dorfes gelegen, gepflanzt worden.

Pilger auf dem Lutherweg kommen öfters durch Petterweil. Im Kirchengebäude gibt es einen Ort, wo sie Zeugnis darüber ablegen können. Dort liegt ein Buch für kurze Memoiren bereit. Zudem können sie sich selbst einen Lutherstempel in ihren Pilgerausweis drücken. Ein solcher Stempel ist nicht nur zum Sammeln gedacht, sondern er dient auch als Nachweis, mit dem man unterwegs um eine Übernachtungsmöglichkeit bitten kann. »Unsere Station wird oft genutzt«, weiß Horst Preißer.

Nebenwege einbezogen

Nicht so glücklich zeigt er sich allerdings über den Pilgerweg, wie man ihn »offiziell« darstellt. Er meint, das rieche nach Produktvermarktung. Tatsächlich bezieht der im Internet beschriebene Verlauf Nebenwege mit ein, die vor 500 Jahren unpassierbar gewesen wären. Beispiel: Der Lutherweg soll von Okarben hinauf zum Rodheimer Wald geführt haben und von dort, am sogenannten Alte Berg entlang, nach Petterweil. »Das macht überhaupt keinen Sinn und hat mit den alten Straßenverläufen nichts zu tun«, widerspricht Preißer.

Dazu sei gesagt worden, dass das Projekt »Lutherweg 1521« von Kirchen, Kommunen und Tourismusverbänden umgesetzt wurde. In Hessen beträgt die Gesamtstrecke 355 Kilometer. Sie lehnt sich in einem Korridor an die tatsächliche Wegführung an, verliert dadurch aber ihre Authentizität. Abseits solcher Themen freut sich die evangelische Kirchengemeinde Petterweil jederzeit über Menschen von nah und fern. Man hoffe, im 500. Jahr nach Luthers Durchreise noch viele Pilger begrüßen zu dürfen, so Preißer.

Die Alte Heerstraße am Petterweiler Friedhof. Im Hintergrund (rechts) sieht man den Lilienwald, links liegt der Sportplatz.

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