In Karben sind kürzlich alle vier Kläranlagenpumpen ausgefallen (Symbolbild).
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In Karben (Wetterau) sind kürzlich alle vier Kläranlagenpumpen ausgefallen (Symbolbild).

Wer haftet?

Keller geflutet: Als in Karben alle vier Kläranlagenpumpen ausfielen

  • Holger Pegelow
    VonHolger Pegelow
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Die Stadt Karben (Wetterau) lädt zu einer Anwohnerversammlung am Montag (27.09.21). Anlass sind die ausgefallenen Regenpumpen der Kläranlage – und die dadruch vollgelaufenen Keller.

Karben – Großer Unmut herrscht derzeit bei Anwohnerinnen und Anwohnern des Hessenrings und der Erich-Kästner-Straße sowie weiterer Straßen in Groß- und Klein-Karben. Weil am vorvergangenen Mittwoch alle vier Regenwasserpumpen der Kläranlage auf einmal ausgefallen waren, liefen aufgrund von Regenfällen viele Keller voll Wasser. Offenbar ist der Unmut bei den Betroffenen so groß, dass die Stadt schon für kommenden Montag, 27. September, um 18 Uhr zu einer Anwohnerversammlung ins Bürgerzentrum eingeladen hat.

Alle Pumpen der Kläranlage ausgefallen: 84 Einsätze wegen vollgelaufener Keller in Karben

Offiziell wurden die Medien bis Donnerstag weder von der Stadt noch von der Feuerwehr informiert. Dabei waren die Karbener Feuerwehren am 15. September im Dauereinsatz und mussten sich noch Verstärkung aus Niddatal und Bad Vilbel holen. Stadtbrandinspektor Christian Becker spricht von 84 Einsatzstellen in Straßen von Groß- und Klein-Karben. Der Stadtbrandinspektor hatte am folgenden Tag gemeldet, dass die Feuerwehr um 18.40 Uhr zu einem mit Wasser vollgelaufenen Keller alarmiert worden sei. Wegen der Vielzahl an Einsatzstellen sei Vollalarm für die gesamten Wehren der Stadt ausgelöst worden sowie die Wehren aus Dortelweil, Gronau sowie Ilbenstadt und Kaichen nachalarmiert worden. Bis 23.30 Uhr seien alle Einsatzstellen abgearbeitet gewesen. Sprich: Es wurden viele Keller leer gepumpt.

Leser Gerhard Oehne teilt mit, »nach einem starken, aber im Vergleich überschaubaren Regen, sind wohl Dutzende Keller (auch meiner) durch Rückstau in der Kanalisation geflutet worden, neben der Karbener Feuerwehr waren auch Kräfte aus umliegenden Gemeinden im Einsatz. Bei uns war die Feuerwehr fast zweieinhalb Stunden, und das Wasser lief teilweise schneller nach, als es abgepumpt werden konnte.« Es gebe Gerüchte über eine technische Störung bei den Stadtwerken; Pumpen sollen nicht funktioniert haben. »Das würde zum Bild passen, denn gegen 21 Uhr sank der Pegel im Kanal (laut Aussage von Feuerwehrleuten) binnen weniger Minuten um mehr als einen Meter«, schrieb uns der Leser weiter.

Ein Wetterauer Bürgermeister rät die Schäden durch den Ausfall der Kläranlagenpumpen zu dokumentieren

Bürgermeister Guido Rahn (CDU) bestätigte gegenüber dieser Zeitung, dass »durch einen Kurzschluss« in der Automatik der Kläranlage alle vier Pumpen gleichzeitig ausgefallen seien. So etwas sei noch nie vorgekommen. Normal sei es so, dass zwei Pumpen zum Umpumpen des Regenwassers dienten, zwei weitere seien Ersatz, wenn die ersten beiden ausfallen. Aktuell finden laut Rahn Umbauarbeiten in der Kläranlage statt.

Die Schäden scheinen beträchtlich zu sein. Leser Oehne berichtet davon, dass in den Tagen danach am Wertstoffhof in Karben großer Andrang von Menschen geherrscht habe, die ihre nassen Habseligkeiten entsorgt hätten. Die Mitarbeiter dort hätten von mehr als 100 Betroffenen gesprochen. Der Bürgermeister hat nun namens von Stadt und Stadtwerken für kommenden Montag, 18 Uhr, zu einer Anwohnerversammlung ins Bürgerzentrum eingeladen. In der Einladung heißt es, verständlicherweise stellten sich Fragen nach der Haftung. Man habe den Vorfall umgehend der Versicherung gemeldet, Haftungsfragen würden aktuell geklärt. Den Anwohnern empfiehlt Rahn, ihre in den Räumen entstandenen Schäden zu dokumentieren und auch deren Versicherung zu informieren.

Leser Oehne ist schon aktiv geworden. Er müsse, sagt er, den zum Wohnraum für seinen Sohn ausgebauten Keller komplett sanieren. »Die Trockner laufen schon.«

Das erinnert an die Einsätze, die im Juli durch ein Unwetter ausgelöst wurden. Auch dort waren in Karben einige Keller vollgelaufen.

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