Die 23-jährige Eyleen Schenk hat zwei Wochen Corona-Quarantäne ohne Symptome der Krankheit hinter sich. Sie habe zu keinem Zeitpunkt Angst um sich gehabt, nur die Sorge war da, dass sie Menschen aus ihrem Umfeld unbemerkt angesteckt haben könnte.
+
Die 23-jährige Eyleen Schenk hat zwei Wochen Corona-Quarantäne ohne Symptome der Krankheit hinter sich. Sie habe zu keinem Zeitpunkt Angst um sich gehabt, nur die Sorge war da, dass sie Menschen aus ihrem Umfeld unbemerkt angesteckt haben könnte.

Corona-Quarantäne

Abwarten und hoffen: Zwei Wochen ohne Corona-Symptome, aber in Quarantäne

  • vonJana Kötter
    schließen

Nach dem Kontakt mit einer Covid-19-Patientin musste die Karbenerin Eyleen Schenk in Quarantäne. In häuslicher Isolation hat die 23-Jährige einen neuen Blick auf ihren Alltag gewonnen.

Das erste, was Eyleen Schenk an diesem Morgen gemacht hat? Die 23-Jährige hat ihre Laufklamotten angezogen, die Turnschuhe geschnürt und sich auf den Weg gemacht. »Einfach mal raus«, sagt sie. Auf ihrer Route in Richtung Okarben hat sie - auch wenn sie gerade einmal wenige Hundert Meter Luftlinie von ihrem Wohnhaus in Groß-Karben entfernt ist - die zurückgewonnene Freiheit gespürt.

Denn es ist Eyleens erster Tag nach der Quarantäne. Nach dem Kontakt mit einer Covid-19-Patientin musste die Karbenerin sich in häusliche Isolation begeben: In den vergangenen zwei Wochen hat sie dafür das Grundstück nicht verlassen.

Corona-Quarantäne: Gesundheitsamt hat angerufen

Von ihrer potenziellen Ansteckung mit dem Coronavirus erfahren hat die junge Friseurin, als ihr Chef einen Anruf des Gesundheitsamts erhalten hat: Eine Kundin, die sie nur wenige Tage zuvor bedient hatte, sei an Covid-19 erkrankt. Eyleen musste auf Anweisung des Amts sofort die Arbeit beenden, durfte nicht einmal die gerade vor ihr sitzende Kundin fertig bedienen, musste sofort nach Hause.

»Ich war nach Erhalt der Nachricht erst einmal ziemlich überfordert«, gesteht Eyleen, auch seien ihr die Tränen gekommen - vor allem aufgrund der Befürchtung, in der Zeit zwischen dem Kontakt zur infizierten Kundin und dem Anruf des Gesundheitsamts selbst Trägerin des Virus gewesen zu sein. Sie habe in diesen vier Tagen etwa in beiden Frankfurter Niederlassungen des Friseursalons gearbeitet, eine Geburtstagsfeier mit Freundinnen gefeiert, ihre Oma frisiert.

»Ich habe sofort aufgeschrieben, wann ich mit wem Kontakt hatte, um meine Gedanken zu sortieren und die anderen im schlimmsten Fall informieren zu können«, erzählt sie. Bis heute hat sie ihre Liste - glücklicherweise - aber nicht gebraucht: Zu keinem Zeitpunkt hat Eyleen Symptome entwickelt, damit gilt sie nicht als Verdachtsfall, dessen Kontakte in Quarantäne müssen.

Corona-Quarantäne: Sport als tägliche Stütze

Nicht nur an diesem ersten Morgen nach dem Ende ihrer Quarantäne, auch in den vergangenen zwei Wochen war Eyleen der Sport eine wichtige Stütze - nicht zuletzt hat er den leeren Tagen Struktur gegeben. »Morgens habe ich mir stets einen Wecker gestellt und bin mit einer Einheit Yoga gestartet«, erzählt sie. Nachmittags habe sie eine Runde auf dem Heimtrainer geradelt. »Das hat mir das Gefühl gegeben, dass ich gesund war, dass mit meinem Körper alles gestimmt hat.«

Denn auch wenn Eyleen in einer vergleichsweise komfortablen Situation lebt - ihre Eltern wohnen in einer räumlich getrennten Wohnung im gleichen Haus und konnten etwa für sie mit einkaufen-, so hat sie doch gespürt, wie sich ein »Corona-Koller« anfühlen kann. Gerade an Tagen mit schlechtem Wetter, die sie nicht im Garten verbringen konnte, habe sie mitunter ein »Engegefühl« gespürt, sagt sie.

Darüber hinaus seien ihr wichtige Dinge weggefallen: Das gemeinsame Essen mit der Familie, aber auch Nähe: So sei etwa die erste feste Umarmung ihrer Mutter mindestens so schön gewesen wie die Laufrunde an diesem Morgen. »Körpernähe hat mir gefehlt.«

Auch die Ungewissheit, die ihre Situation mit sich gebracht hat, sei - auch heute noch - mitunter schwierig auszuhalten. So weiß Eyleen bis heute nicht, ob sie eine Corona-Infektion durchgemacht hat oder nicht. Immerhin sind milde oder gar unbemerkte Verläufe gerade bei jungen Menschen nicht selten. »Ich weiß aber, dass die Testkapazitäten gering sind«, erklärt die junge Frau, die sich daher bewusst dazu entschieden hat, die häusliche Isolierung auszuhalten anstatt auf einem Test zu bestehen. Auch mit Blick auf medizinische Empfehlungen hat sie damit den richtigen Weg gewählt. »Ich hatte zu keinem Zeitpunkt Angst um mich selber, dass ich mich anstecke«, betont sie. Allein der Gedanke, das Virus zu tragen und andere unbemerkt anzustecken, habe ihr große Sorge bereitet.

Genau aus diesem Grund findet Eyleen es gut, dass Friseursalons mittlerweile geschlossen sind. »Das Abstandhalten ist in unserem Beruf manchmal einfach nicht zu machen«, sagt sie. Spätestens beim Föhnen eines Ponys etwa komme sie unweigerlich in die Nähe des Gesichts einer Kundin. »Da hatte ich in den letzten Tagen des Arbeitens schon manchmal ein mulmiges Gefühl, vor allem bei älteren Kunden.«

Bis mindestens 19. April wird Eyleen nun daheim sein - so lange hat ihr Arbeitgeber die beiden Salons aufgrund der bestehenden Vorgaben geschlossen. Über Telefon und Videoanrufe halte sie in dieser Zeit engen Kontakt zu ihren Kolleginnen.

»Auch das hat viel Kraft gegeben, meine Kolleginnen und auch mein Arbeitgeber waren sehr um mich besorgt«, sagt sie. Diese neue »Nähe auf Distanz« wird sie sicher auch durch die nächsten Wochen tragen - ebenso wie die regelmäßige Laufrunde.

Corona: Quarantäne wird angeordnet

Eine Quarantäne wird - unter anderem für bestätigte Fälle sowie Menschen, die ansteckungsverdächtig sind, ohne selber krank zu sein - in der Regel vom Gesundheitsamt angeordnet. Im Fall eines Covid-19-Verdachts beträgt die Quarantänezeit in der Regel 14 Tage nach Kontakt mit der erkrankten Person bzw. Verdachtsfall. Kontakt zu anderen Personen ist in der häuslichen Isolation untersagt; lebt man nicht allein (beispielsweise Familien), so müssen unter anderem getrennte Schlaf- und Waschräume eingerichtet werden, um den Kontakt auf ein Minimum zu reduzieren. Sollten Sie befürchten, in Quarantäne zu müssen, steht der kassenärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 zur Verfügung. Das Gesundheitsamt des Wetteraukreises hat für Verdachtsfälle ein Meldeformular unter www.wetteraukreis.de hinterlegt. 

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare