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Hilfsbereit: Sozialarbeiter Horst Summerauer (links) und Bereichsleiter Kinder- und Jugendhilfe Uwe Hönecke vor der Villa Kosmos. Der Sozialarbeiter verabschiedet sich jetzt in den Ruhestand.

Abschied nehmen vom bbw

  • VonChristine Fauerbach
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»Für mich war das Berufsbildungswerk Südhessen stets eine große Familie«, sagt Horst Summerauer. Der bei Jugendlichen und Kollegen beliebte Sozialarbeiter geht nach 37 Jahren in der Jugendhilfe und Bildungsarbeit, davon 23 Jahre im Bbw Südhessen in Karben, in den Ruhestand.

Seit seiner Jugend hat Horst Summerauer davon geträumt, seinen Ruhestand auf der La Rambla im Zentrum von Barcelona zu verleben. Auf der 1,2 Kilometer langen Promenade, die den Plaça de Catalunya mit dem Alten Hafen verbindet, ist rund um die Uhr etwas los. In der Fußgängerzone sorgen Straßenkünstler für Unterhaltung jeglicher Art, sei es als Musiker, lebende menschliche Statuen, Maler oder Zeichner. Hier treffen Einheimische auf Touristen und Lebenskünstler aus aller Welt. Der perfekte Ort für Horst Summerauer, der von sich sagt: »Ich bin jemand, der Spannung und Veränderungen im Leben braucht«.

Ganz so wie geplant, wird der neue Lebensabschnitt nicht verlaufen. Horst Summerauer wird seinen Ruhestand vorwiegend in der Wetterau verleben und nicht in der kosmopolitischen Hauptstadt Kataloniens das Leben genießen. »Meine beiden Töchter Aileen und Chiara haben in Wölfersheim und Echzell zwei ältere Häuser mit großen Gärten. Da ist meine Hilfe bei den Renovierungs- und Gartenarbeiten willkommen.« Horst Summerauer will seine neu gewonnene Freizeit »ohne Termindruck und Krisengespräche« genießen.

Reisen nach Kambodscha und Laos sind geplant. Für tägliche Bewegung an der frischen Luft sorgen seine Hunde Sky und Tommy sowie Touren mit dem Rad. Wieder pflegen möchte er den Kontakt zu seinen ehemaligen Handballfreunden. Zudem freut er sich darauf, in aller Ruhe Perlen von Roger Chapman, Jethro Tull oder Jimi Hendrix aus seiner großen Schallplattensammlung zu hören.

Mehr lesen als bisher

Kochen ist ein weiteres Hobby des künftigen Ruheständlers. »Ich koche gern. Im Moment habe ich die türkische Küche für mich entdeckt.« Auch lesen will er wieder mehr als bisher. »Ich lese gern historische Romane.« Jedem Sozialarbeiter empfiehlt er, den Roman »Die Entdeckung der Langsamkeit« von Sten Nadolny zu lesen. Horst Summerauer hat fast sein ganzes Berufsleben in der Jugendhilfe verbracht. Geboren und aufgewachsen ist der 63-Jährige, der heute in Echzell lebt, in Nieder-Florstadt. Nach dem Abitur 1978 am Friedberger Burggymnasium und dem Wehrdienst jobbte er als Lkw-Fahrer im Straßenbau. An der Frankfurter Fachhochschule begann er 1981 Sozialarbeit zu studieren. Sein Anerkennungsjahr absolvierte er 1984 beim DRK Kreisverband Offenbach im ambulanten Dienst für Senioren. Zweieinhalb Jahre später wurde er Abteilungsleiter für haupt- und ehrenamtliche Sozialarbeit.

Ab 1990 kümmerte sich der Wetterauer im Sozialpädagogischen Zentrum Frankfurt um sozial schwache Familien mit behinderten Kindern. Gern geblieben wäre er in der Sozialpädagogischen Einrichtung für Mädchen und junge Frauen in der Wohngruppe Wölfersheim. »Das ging leider nicht.« Von einem Handballer hörte er, dass das Bbw Südhessen Sozialarbeiter suchte. Dort fing er 1998 als Betreuer der 120 Externen. also der Pendler unter den Jugendlichen an. Vom Externen-Betreuer wechselte er ins neu gegründete Chase Management, der sozialarbeiterischen Betreuung von Jugendlichen. »Danach habe ich mit einem Kollegen die Dienststelle in Marburg aufgebaut und sechs Jahre lang gleitet. Zu unseren Aufgaben gehörte es, Fähigkeiten festzustellen, um Leute, falls möglich, wieder ins Arbeitsleben zurückzuführen.«

Aus privaten Gründen kehrte er 2006 nach Karben zurück. Er baute die Jugendhilfe als neues Bbw-Standbein mit auf. 2015 wurde die Villa Kosmos in der Bahnhofstraße eröffnet, ein Jahr später kamen weitere Standorte wie die Villa Gemini in Bad Vilbel hinzu. Dort fing Horst Summerauer 2016 als Teamleiter einer der fünf Jugendhilfe-Wohngruppen an, wechselte 2020 in die Villa Kosmos.

Junge Flüchtlinge betreut

»In Dortelweil haben wir vor allem unbegleitete jugendliche Flüchtlinge betreut, was eine besondere Herausforderung war, weil wir alles erst lernen mussten. Unsere Jugendlichen sind sehr engagiert. Teils studieren sie, teils machen sie eine Ausbildung. Erfolgserlebnisse, die sich in Schulabschlüssen, Ausbildungen oder Studium dokumentieren, sind in der Jugendarbeit selten, da man oft nicht hört, was aus den Jugendlichen wurde.«

Ihre Zeit in den Bbw-Wohngruppen ist für die Jugendlichen eine große Hilfe. Oft liegt ihr Scheitern nicht an ihren Fähigkeiten, sondern am Fehlen fester Tagesstruktur, regelmäßigen Mahlzeiten, Einhalten von Terminen und Absprachen. »Immer mehr junge Menschen wachsen in herausfordernden familiären Verhältnissen auf. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit Entwicklungsauffälligkeiten steigt«, sagt Bbw-Bereichsleiter Uwe Hönecke. »Im Laufe meiner 23 Jahre in der Jugendhilfe haben sich Defizite, Störungen und Krankheiten verändert, sind komplexer geworden. Zugenommen haben Sozialstörungen. Integrationsmöglichkeiten sind da. Was fehlt, sind niederschwelligere Angebote für Jugendliche aus der Jugendhilfe«, sagt Hort Summerauer.

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