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Abrüsten - auch fürs Klima

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Monika Bootz, Sprecherin der Wetterauer Aktion Frieden, vor zwei Plakaten, die auf den Zusammenhang zwischen Militär und Klimaverschmutzung aufmerksam machen sollen. © PEGELOW

Die Karbenerin Monika Bootz ist Sprecherin der Wetterauer Aktion Frieden. Sie und ihre zehn Mitstreiter und -streiterinnen haben sich für 2022 viel vorgenommen - wenn die Pandemie es zulässt.

Monika Bootz erinnert sich noch gut an ihre Kindheit und Jugend. »Ich stamme aus dem Hunsrück. Da hat man jeden Tag mit tieffliegenden Militärflugzeugen zu tun gehabt.« Zu Hause seien Krieg und Frieden in ihrer Familie »immer ein Thema gewesen«, sagt sie. »Mein Vater war seinerzeit eindeutig gegen die Wiederbewaffnung gewesen.«

Kein Wunder also, dass Monika Bootz schon früh gegen Krieg war. Die 1958 geborene Frau ist nach eigenen Angaben seit den 70er-Jahren in sozialen Bewegungen aktiv. Beispielsweise auch in der Friedensbewegung.

Vor einiger Zeit haben sich nun ein knappes Dutzend Friedensfreunde aus verschiedenen Wetterauer Gemeinden zusammengefunden und die Wetterauer Aktion Frieden gegründet. Monika Bootz, die seit 15 Jahren in Karben lebt, ist deren Sprecherin. »Unsere Aktiven kommen aus Karben, Friedberg, Bad Nauheim und Florstadt. Allerdings haben wir noch kein einziges Mitglied aus dem Ostkreis.«

Das Ziel der Gruppe formuliert die Karbenerin so: »Wir wollen auf die aktuelle Militarisierung der deutschen Politik aufmerksam machen und aufzeigen, dass es auch anders geht.« Man plane konkrete Veranstaltungen. »Wann die genau stattfinden, kann ich wegen der Pandemie noch nicht sagen. Aber wir haben auf jeden Fall zu zwei Themen schon feste Referenten.« Diese Themen sind »Zivile Sicherheitspolitik« und »Strategische Pläne der NATO«. Zu aktuellen Anlässen und bundesweiten Aktionstagen der Friedensbewegung plane man Infostände und Aktionen auf Märkten und Festen.

Militärfahrzeuge als Umweltsünder

Sie könne sich auch einen Infostand auf dem Karbener Wochenmarkt vor der katholischen Kirche vorstellen. Zudem wolle man sich künftig auch an Veranstaltungen anderer beteiligen, »die Frieden, Soziales, Umwelt, Migration oder die alltägliche Erniedrigung von Frauen und nicht weißen Mitbürger*innen zum Thema haben«, formuliert Bootz in einer Presseinformation.

Diese Auflistung macht schon deutlich, dass die Wetterauer Aktion Frieden sich auch mit Themen befasst, die über den engen Begriff der Rüstung hinausgehen. Auch die Klimapolitik soll eine größere Rolle spielen. An der Wand bei Monika Bootz hängen Plakate, die auf diese Problematik verweisen. »Klimaziele sind mit Abrüstung leichter zu erreichen«, heißt es auf einem.

Das markiert einen aus Sicht des Aktionsbündnisses nicht unwichtigen Zusammenhang. Das Militär hinterlasse einen »sehr großen CO2-Abdruck«, sagt die Sprecherin. Es gebe keine Bemühungen der Regierungen, die Größe dieses CO2-Abdrucks zu erfassen oder gar zu reduzieren, kritisiert sie. So kämen im Klimaschutzbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2018 die Emissionen gar nicht vor. Bootz zitiert: »Die Emissionen der militärisch genutzten Fahrzeuge bleiben ... unberücksichtigt.« Aus Sicht des Aktionsbündnisses ist das eigentlich kaum zu fassen. Immerhin verbrauche ein Kampfpanzer Leopard 2 im Gelände 530 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Pro Flugstunde benötige der Eurofighter 3500 Liter Treibstoff. Das Aktionsbündnis habe ausgerechnet, dass die Eurofighter im Jahr 2018 exakt 10 480 Stunden in der Luft gewesen seien und damit etwa 115 280 Tonnen CO2 verursacht hätten. »Mehr als neun Millionen Bäume bräuchte es, um diese Mengen an CO2 zu speichern«, hat die Initiative ausgerechnet.

Neben dem Klima gehört auch die Atombewaffnung zu den Kernthemen des Aktionsbündnisses. Die Friedensaktivisten sind darüber empört, dass in den nächsten Jahren Milliarden dafür ausgegeben werden sollen, Jagdbomber amerikanischer Art zu kaufen, »um mit diesen die neuen Atombomben unter US-Oberbefehl von Deutschland aus ins Ziel zu tragen«, heißt es in dem Papier zu diesem Punkt. Das finde man »pervers«, und es widerspreche zudem Völkerrecht. Dabei sei im Januar 2021 der Atomwaffenverbotsvertrag in Kraft getreten.

Zudem wolle man zivile Konfliktlösungen aufzeigen. Denn gerade Afghanistan habe gezeigt, »dass Krieg zu keiner Lösung führt«.

Aus diesen und weiteren Punkten folgt die Forderung an die Politik nach Abrüstung. »Wir wollen in einer friedlichen Welt leben. Doch die Zeichen dafür stehen nicht gut.«

In den nächsten Monaten will man, je nach Verlauf der Pandemie, verstärkt auf sich aufmerksam machen. Man wolle sich vor allen Dingen »an die interessierte Öffentlichkeit in unserer Region« wenden. Inzwischen sei man dabei, ein Netzwerk zu knüpfen, so pflege man aktuell Kontakte nach Frankfurt und nach Hanau. »Wir hoffen, dass wir am 21. Januar die erste Veranstaltung machen können«. Denn dann, sagt Monika Bootz, wäre der Atomwaffenverbotsvertrag ein Jahr in Kraft. Und das sei, findet sie, ein passender Anlass.

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