Kaninchen leben in der Natur mit ihrer Familie in einem Bau, daher sollten sie nicht allein gehalten werden. FOTO: PM
+
Kaninchen leben in der Natur mit ihrer Familie in einem Bau, daher sollten sie nicht allein gehalten werden. FOTO: PM

Ein Kaninchen ist kein Kuscheltier

  • vonRedaktion
    schließen

Besonders in Zeiten, in denen man viel zu Hause ist, steigt der Wunsch nach einem felligen Gefährten. Neben Hund und Katze fällt die Wahl immer häufiger auf Kaninchen, Meerschweinchen oder Hamster. Sie sehen niedlich aus und sind kuschelig. Doch halt, Kuscheln erzeugt bei den meisten Kleintieren eher Angst und Stress. Cornelia Renczes gibt Tipps, was bei der Haltung der beliebten Kleintiere berücksichtigt werden sollte.

Seit Beginn der Corona-Pandemie werden nicht nur Hunde und Katzen, sondern auch andere Haustiere vermehrt nachgefragt. Darunter fallen beispielsweise sogenannte Kleinsäuger wie die Pflanzenfresser Kaninchen, Meerschweinchen, Chinchilla, Degus und die Getreide fressenden Nager Mäuse, Ratten, Hamster, Hörnchen, Wüstenrennmäuse und andere. Aber auch kleine Fleischfresser wie das Frettchen oder Insektenfresser wie der Weißbauchigel fallen in diese Kategorie.

Die Gründe für die Anschaffung sind teilweise ähnlich wie bei Mieze und Bello: Es wird mehr Zeit in den eigenen vier Wänden verbracht, und das Bedürfnis nach tierischer Gesellschaft zwecks Ablenkung und Trost ist gestiegen. So lohnt es sich, auf die beliebtesten Kleinsäuger in unseren Haushalten einen näheren Blick zu werfen.

Ein kuscheliger Babyhase ist in seiner Niedlichkeit kaum zu toppen, zumal er auch noch in den unterschiedlichsten Farben und Haartrachten daherkommt. Das Häslein ist in Wahrheit natürlich ein Kaninchen und wird als Heimtier meist in der verzwergten Form gehalten. So niedlich, wie ihre Optik verspricht, sind Kaninchen als Fluchttiere leider nicht. Sie sind oft schreckhaft und eher selten Kuscheltiere, manche beißen und kratzen sogar. So ungern sie alleine ohne einen Artgenossen sind, so unverträglich können sie untereinander sein, was mitunter zu sehr ernsthaften Bisswunden führt und ihre Vergesellschaftung nicht gerade vereinfacht. Ganz wichtig ist auch ausreichend Raum zum Hoppeln und Graben.

Etwas unproblematischer im Umgang und in der Haltung ist das ebenfalls sehr beliebte Meerschweinchen. Meerschweinchen müssen mit Artgenossen leben, mindestens zu zweit, noch lieber in einer Gruppe, auch sie sind bewegungsfreudig und brauchen Platz. Mit Ruhe und Geduld können die kleinen Quieker durchaus recht zutraulich werden und nehmen Leckerbissen gerne auch aus der Hand. Weder Kaninchen noch Meerschweinchen scheinen nach heutigem Wissensstand als Covid-19-Überträger infrage zu kommen.

Goldhamster für Kinder ungeeignet

Ein Sonderfall in mancherlei Hinsicht ist der Goldhamster. Die possierlichen Tiere stammen alle von wenigen Exemplaren ab, die 1931 in Syrien gefangen wurden, eine Inzuchtpopulation größten Ausmaßes. Der kleine Nager legt in der angestammten Steppe große Strecken zurück und lebt in selbst gegrabenen Röhrensystemen, beides ist für eine artgerechte Haltung in einer Wohnung hochproblematisch.

Kuscheln ist so gar nicht nach seinem Geschmack, im Gegenteil regt es beim Hamster die Ausschüttung von Stresshormonen an. Dazu ist der kleine Kerl auch noch nachtaktiv und kommt so dem Lebensrhythmus von Kindern sehr wenig entgegen. So wird er auch in der "Heimtierfibel für Kinder und ihre Familien", herausgegeben vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, mit dem Zusatz "nicht für Kinder geeignet" versehen. Junge Goldhamster können leider auch Viren für Gehirnhautentzündungen übertragen, sogenannte LCM-Viren (Lymphozytäre Choriomeningitis). Sie sind für das Tier meist harmlos, können beim Menschen (insbesondere Schwangeren) jedoch zu schwerwiegenden Erkrankungen führen. Durch einen Labortest kann der Erreger beim Hamster nachgewiesen werden, und so ist der Kauf eines Hamsters aus LCM- freien Beständen möglich und angeraten.

Experimentell konnten Hamster und auch Frettchen mit Covid-19-Viren infiziert werden, in privaten Haushalten wurde dies bisher nicht festgestellt. Trotzdem sollten coronainfizierte Menschen aus Sicherheitsgründen im Umgang mit diesen Heimtieren strikte Hygieneregeln einhalten.

Manchmal bleibt nach sorgfältigem Abwägen des Für und Wider der Tieranschaffung auch die Erkenntnis, dass ein schönes Stofftier nicht nur die einfachere, sondern auch die vernünftigere Lösung sein kann.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare