Carolin Ulrich und Mathäus Biniszewski bereiten ein Zimmer für einen weiteren Covid-Patienten vor. FOTOS: HEDWIG ROHDE
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Carolin Ulrich und Mathäus Biniszewski bereiten ein Zimmer für einen weiteren Covid-Patienten vor. FOTOS: HEDWIG ROHDE

Hochwaldkrankenhaus

Kampf gegen Corona: Leiterin einer Bad Nauheimer Intensivstation berichtet

  • vonred Redaktion
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Carolin Ulrich leitet die Intensivstation des Bad Nauheimer Hochwaldkrankenhauses. Sie schildert den ständigen und nicht immer erfolgreichen Kampf gegen das Coronaviru.

Manchmal bauen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nah am Wasser", sagt Carolin Ulrich. Die 32-Jährige arbeitet seit 2004 im Hochwaldkrankenhaus Bad Nauheim, erst in einem Freiwilligen Sozialen Jahr, dann während ihrer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin und seit 2008 auf der Intensivstation, die sie - mit einer kurzen Unterbrechung - seit 2014 leitet. Der Beruf ist ihre Leidenschaft, doch die Corona-Krise bringt auch sie und ihr Team immer wieder an Grenzen.

Über zwölf Betten verfügt die Intensivstation des Hochwaldkrankenhauses, 20 Mitarbeiter betreuen die Patienten in drei Schichten. Auf der Intensivstation werden Menschen überwacht und behandelt - beispielsweise bei schwerer Erkrankung oder schlechter Gesamtverfassung, nach einer größeren Operation oder einem schweren Unfall. "Zeiten, in denen wir gar keine Patienten betreuen, gibt es eigentlich nicht", erzählt die 32-Jährige aus ihrer mittlerweile zwölfjährigen Erfahrung.

Jüngster Patient: ein 14-Jähriger

Mit der zweiten Welle der Corona-Krise hat sich die Situation für Carolin Ulrich dennoch grundlegend geändert. "Seit Oktober sind wir durchgängig belegt, und zwar vor allem mit Covid-19-Patienten. Wir merken deutlich, dass jetzt - in der zweiten Welle - viel mehr Menschen erkranken als im März/April", sagt Ulrich. Der bisher jüngste Patient auf der Intensivstation war 14 Jahre alt, er konnte Mitte Dezember genesen entlassen werden. Der älteste Covid-Patient war 85 Jahre alt.

"Es ist vielleicht anders, als man das meint, aber die Covid-Patientinnen und -Patienten, die beatmet werden müssen, belasten uns vor allem körperlich, durch die täglichen Umlagerungen vom Rücken auf den Bauch und wieder zurück. Beatmungspflichtige Patientinnen und Patienten haben wir in der Intensivstation immer wieder, das sind wir gewohnt. Was uns wirklich zu schaffen macht, das sind die wachen Covid-Patienten. Die bekommen mit, wie es anderen Patienten geht, und sie wissen auch, dass der Verlauf einer Covid-19-Erkrankung unabhängig vom Alter unberechenbar ist. Die haben einfach Angst, und das nimmt uns psychisch mit", schildert Carolin Ulrich.

Der Versuch, das Erlebte gemeinsam zu verarbeiten

So sei es auch mit einer Patientin gewesen, die ihr über die Wochen besonders ans Herz gewachsen sei: "Die Frau stand lange auf der Kippe, selbst ins Koma gelegt und beatmet werden zu müssen. Sie hatte große Angst, und das hat uns alle arg getroffen. Letztlich hat sie es geschafft und ist wieder auf der Normalstation, aber viele Patienten sterben auch. Manchmal setzen wir Pflegekräfte uns zusammen und versuchen, das, was wir täglich erleben, gemeinsam zu verarbeiten. Glücklicherweise sind wir ein Super-Team mit einem tollen Zusammenhalt, dafür bin ich sehr, sehr dankbar", betont Ulrich.

Zu den psychischen Belastungen kommen die körperlichen Anforderungen der Arbeit. Hier wirken sich für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf der Intensivstation die erhöhten Hygienebedingungen und Schutzmaßnahmen spürbar aus: "Es ist einfach anstrengend, mit Masken und spezieller Schutzkleidung zu arbeiten, man schwitzt, man bekommt schlechter Luft, man ist schneller erschöpft."

Angehörige und Freunde schenken Kuchen und Schokolade

Viel Kraft gibt Carolin Ulrich und ihrem interdisziplinären Team aus Chirurgen, Anästhesisten, Internisten, Reinigungspersonal, Physiotherapeuten, Gesundheis- und Krankenpflegern die Unterstützung durch Angehörige und Freunde. "Viele backen uns Kuchen oder geben an der Pforte Schokolade und andere ›Nervennahrung‹ für uns ab, oder sie schreiben auf WhatsApp ›Wir denken an dich‹ oder ›Ihr macht einen Super-Job!‹ All das baut uns unglaublich auf, es macht uns Mut und hilft uns durchzuhalten. Wir können alle gar nicht sagen, wie dankbar wir für diese Signale der Unterstützung sind", sagt Ulrich.

Was sie sich zu Weihnachten wünscht? Die Antwort kommt klar und eindeutig: "Dass alle sich an die Regeln halten. Dass der Shutdown wirkt. Dass wir bald weniger Covid-Patientinnen und -Patienten auf der Intensivstation haben. Dass möglichst viele überleben." Dann ist das Gespräch auch schon zu Ende. Ein Alarm schlägt an, und Carolin Ulrich, Anästhesie- und Intensivfachkrankenschwester aus Leidenschaft, geht dorthin zurück, wo sie am liebsten ist: zu ihren Patienten.

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