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Mehrweg statt Plastik: Kaffeebecher sind nur ein Teil des Problems. Die Grünen fordern ein Pfandsystem für die Mitnahme von Essen. Derzeit bieten die Gastronomen nur »Verpackungmüll to go« an.

Kampf dem Verpackungsmüll

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Pro Jahr verursacht jeder Deutsche rund 230 Kilo Verpackungsmüll. Gerade in der Corona-Pandemie wird überall »Verpackungsmüll to go« angeboten, es nimmt kein Ende. Die Friedberger Grünen fordern nun ein Pfandsystem.

Jedes Wochenende das gleiche Bild auf der Seewiese: Die Mülleimer sind vollgestopft mit Plastikschalen, in denen Pommes oder Döner transportiert wurden. Ist der Mülleimer voll, liegt der Müll daneben, bis ihn die Stadtreinigung beseitigt. Muss das sein? Und global betrachtet: Müssen die Müllberge im Meer immer weiter wachsen? (Der größte schwimmt im Pazifik, ist so groß wie Mitteleuropa, führt geschätzte 1,8 Billionen Plastikteile mit sich und wiegt rund 80 000 Tonnen.)

Die Friedberger Grünen haben für die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag (20. Mai, 18.15 Uhr, in der Stadthalle) einen Antrag auf Einrichtung eines Fördertopfs für die Gastronomie gestellt. Die Stadt soll in den Fördertopf 5000 Euro einzahlen. Damit sollen gastronomische Betriebe unterstützt werden, damit diese bei Essenslieferungen und Straßenverkauf künftig ein einheitliches Pfandsystem verwenden. Wer Essen zum Abholen oder Liefern anbietet, kann die Teilnahmegebühr für ein solches Einwegsystem aus dem kommunalen Fördertopf entnehmen, so lange, bis der Topf geleert ist.

An den riesigen Mengen Müll, die wir täglich produzieren, hat das »to go-Geschäft« einen erheblichen Anteil, schreiben die Grünen in ihrem Antrag. 2017 waren es laut einer NABU-Studie 350 000 Tonnen Müll durch Einweggeschirr und To-Go-Verpackungen; die Corona-Pandemie dürfte für einen enormen Anstieg dieser Zahlen gesorgt haben. Pascal Miller und Markus Fenske weisen in dem Grünen-Antrag darauf hin, dass der Bundestag erst kürzlich eine Mehrwegpflicht für gastronomische Betriebe beschlossen hat; ab 2023 müssen Restaurants, Imbisse und Cafés ihren Kunden beim Straßenverkauf oder bei der Lieferung eine Mehrwegalternative anbieten.

»Dieser Verpflichtung könnte man schon heute Rechnung tragen und die Gastronomie bei dem vorgeschriebenen Wandel rechtzeitig unterstützen.« Und für die Kreisstadt, meinen die Grünen, hätte ein solches System einen positiven Imageeffekt: »Friedberg würde als innovative, nachhaltige Kommune angesehen werden. Das Stadtbild würde von der Reduzierung entsorgter Essensverpackungen sehr profitieren.«

Zwei bewährte Recycling-Systeme

Wie soll das umgesetzt werden? Es gibt bereits mehrere Dienstleister, die Pfandsysteme für die Gastronomie anbieten. Die Grünen nennen zwei in ihrem Antrag: Recup und Vytal. Das in Köln entwickelte System von Vytal wird derzeit von rund 900 Ausgabestellen genutzt. Gastronome zahlen eine einmalige Teilnahmegebühr von 50 bis 100 Euro (je nach Anzahl der teilnehmenden Betriebe), es sind keine Investitionen für Pfandschalen erforderlich, eine ganze Bandbreite an Mehrweg-Gefäßen wird angeboten. Das in München gegründete Recup-System wird aktuell von 6300 Ausgabestellen genutzt. Die Mehrwegschalen werden für 5 Euro Pfand abgegeben, die Kosten für die Betriebe liegen monatlich zwischen 28 und 45 Euro. Ein Becher-Pfandsystem ist hier inbegriffen.

Fenske und Miller: »Mit 5000 Euro könnten 50 gastronomische Betriebe unterstützt werden.« Auch müsse Werbung für das System gemacht werden. Das Geld sei in der Stadtkasse vorhanden, schreiben die Grünen: »Die Finanzierung kann aus den bereitstehenden Mitteln des in diesem Jahr leider ausgefallenenn Friedberger Faschingsumzugs erfolgen.« Hierfür waren 20 000 Euro vorgesehen.

Und was sagen die Kunden? »Wenn’s das gäbe, würde es auch genutzt«, meinte eine Friedbergerin am Samstagvormittag beim morgendlichen »Kaffee to go« vor einem der Cafés am Rande des Elvis-Presley-Platzes. »Die vielen Pappbecher, die wir hier morgens produzieren, das ist nicht gut«, gab sich ein Friedberger selbstzerknirscht. Einweg-Becher? »Vergessen.« Eine Dame hat jeden Morgen ihren Kaffeepot aus Metall dabei, andere bringen schon mal den Plastik-Mehrwegbecher von zu Hause mit. »Wenn die Cafés so ein System anbieten, wird’s hoffentlich auch angenommen«, meinte ein Rentner.

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