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Ein Journalist sieht rot

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Sie sind minderjährig, lassen sich von Escort-Agenturen an Stars vermitteln und wollen dadurch berühmt werden. Perfide, aber wahr. Das hat der Altenstädter Autor Gerd Fischer herausgefunden und das als Basis für seinen ersten Thriller genommen. Nach zehn Krimis um "seinen" Kommissar Rauscher musste etwas Neues aus seiner Feder kommen. "Rotlicht Frankfurt" heißt das Werk und spielt genau dort: Im Frankfurter Rotlichtviertel. "Es ist ein heftiger Thriller", sagt der Autor.

Er brauchte eine Pause: Eine Pause vom Krimi und "seinem" Kommissar Rauscher. Der Altenstädter Autor Gerd Fischer ist nach zehn Krimis mit Kommissar Rauscher müde geworden und wollte "die eingetretenen Pfade" verlassen. Spannend sollte es aber bleiben. Ein Thriller schwebte ihm vor. "Ich wollte frei von der Leber weg schreiben und keine abgeschlossenen Ermittlungen darstellen", sagt Fischer. Bei einem Krimi müsse es nämlich immer polizeiliche Ermittlungen in einem Kriminalfall geben - der Fall wird gelöst. In einem Thriller müsse das nicht so sein.

Weil Gerd Fischer selber acht Jahre lang im Frankfurter Bahnhofsviertel in einer Werbeagentur gearbeitet hat, war für ihn klar: Der Thriller muss in Frankfurt spielen - genauer gesagt im Rotlichtviertel. "Rotlicht Frankfurt" heißt der neue Thriller, der soeben erschienen ist. Er hat sich dafür an realen Ereignissen um den ehemaligen Bayern-Star Franck Ribéry orientiert. Dieser hatte sich eine Prostituierte in ein Pariser Hotel gebucht. Es kam heraus, dass diese minderjährig war. Großes Medienecho folgte.

Der Fall Franck Ribéry

"Es gibt Mädchen und die dazugehörigen Agenturen, die legen es bewusst darauf an, mit Stars erwischt zu werden. Ein abgekartetes System. Sie nennen sich selber ›Star Fuckerinnen‹ und wollen damit berühmt werden", erklärt Fischer nach seinen Recherchen.

Eine solche Agentur steht im Mittelpunkt des neuen Thrillers. Hauptfigur ist der Journalist Benjamin Brick von der "Frankfurter Presse", genannt "Big Ben". Er ist berühmt in Frankfurt, gilt als großer Schreiber, ist aber durch seine Alkoholsucht ein gebrochener Mann. Trotzdem hat er noch das Gespür für gute Storys. Er ist auf der Spur der Escort-Agentur Starlight, die minderjährige Prostituierte an Promis vermittelt. Eines Nachts wird Brick zu einem Date eines Promis mit einem Mädchen gerufen, doch Brick findet sie vor Ort tot auf. Für ihn bricht eine Welt zusammen, als er erfährt, dass es sich um seine uneheliche Tochter handelt.

Vor 20 Jahren hatte er eine Affäre mit einer Ukrainerin aus dem Rotlichtviertel. Am "Tatort" wird ihm klar, dass er die Augen der Toten wieder erkennt. Es ist seine Tochter. Er sieht buchstäblich rot, schwört Rache und macht sich auf die Jagd nach dem Mörder. Dabei gerät er selbst in den Fokus der Polizei. Über sein Handy bekommt er ein Bild geschickt: Es zeigt "Big Ben" direkt am Tatort. Er wird zum Hauptverdächtigen und muss untertauchen. "Es ist ein heftiger Thriller. Er zeigt die Schattenseiten Frankfurts", sagt Fischer.

Schattenseiten werden auch von der Zeitungslandschaft berichtet: Fischer greift die Aspekte schwindender Finanzen und die Konkurrenz durch das Internet auf. Journalist Benjamin Brick ist nach den Ereignissen völlig neben der Spur. Er hat gute Kontakte zur Polizei und fängt selbst an zu ermitteln. Schließlich schmiedet er einen Racheplan.

Die kreative Pause um Kommissar Rauscher hat Fischer gutgetan. "Jetzt habe ich wieder Lust auf einen Rauscher-Krimi rund um Sachsenhausen." Das kommt nicht von ungefähr: Denn bei seiner Premierenlesung zum Thriller "Rotlicht Frankfurt " in Altenstadt-Höchst wurde er genau darauf mehrfach angesprochen. "Rauscher wird wieder ermitteln", verspricht er.

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