Fast jeder kennt den "Süßen Heinrich". Heinrich Kurz, der Erfinder des Zuckerstreuers mit dem abgeschrägten Rohr, stammt aus Nidderau. Reich ist er damit aber nicht geworden. FOTOS: DPA/PV
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Fast jeder kennt den "Süßen Heinrich". Heinrich Kurz, der Erfinder des Zuckerstreuers mit dem abgeschrägten Rohr, stammt aus Nidderau. Reich ist er damit aber nicht geworden. FOTOS: DPA/PV

"Süßer Heinrich"

Jeder kennt die Erfindung eines Mannes aus Windecken

  • vonJürgen Schenk
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Im Zeitalter der Erfinder hätte der Windecker Heinrich Kurz reich werden können. Doch erst sein Enkel machte das Werk: Den "Süßen Heinrich" kennt heute fast jeder.

Als "Nidderauer Persönlichkeiten" haben es 19 Männer und Frauen auf die Homepage der Stadt geschafft. Der illustre Kreis verteilt sich quer über die Jahrhunderte. Unter den Kommunalpolitikern, Schokoladenproduzenten, Möbelunternehmern, Glockengießern etc. gibt es einen Mann, der sein Dasein quasi unter Wert fristete. Gemeint ist Heinrich Kurz aus Windecken.

Der Erfinder lebte in einer Welt zwischen Naivität und Genialität. Obwohl eine seiner Ideen weltbekannt wurde, gelangte er nie zu Wohlstand. Er hatte - wie so oft - kein Patent auf seinen Zuckerstreuer, den "Süßen Heinrich", angemeldet. Trotzdem bekam er in Windecken den Spitznamen "de Badente" (der Patente).

Heinrich Wilhelm Kurz kam am 1. Oktober 1862 als unehelicher Sohn der Margaretha Draudt in Windecken zur Welt. Bei der Taufe bekannte sich laut Kirchenbucheintrag der unverheiratete Johannes Kurz aus Hanau zur Vaterschaft. Eine Straße mit dem Namen des Tüftlers gibt es in Nidderau nicht. Recherchen haben aber ergeben, dass er in der Windecker Judengasse (Hausnummer 85) wohnte.

Nach der Volksschule erlernte Kurz das Sattlerhandwerk. Später arbeitete er in der 1872 gegründeten Pulverfabrik in Hanau-Wolfgang. Am 23. Oktober 1887 heiratete er Maria Elisabetha Förter. Aus dieser Ehe gingen mehrere Kinder hervor. Der jüngste Sohn Wilhelm Heinrich war nur wenige Monate alt, als die Mutter um 1899 starb.

Als Nachtwächter Geld verdient

Von da ab musste Kurz auch in anderer Hinsicht erfinderisch sein. Plötzlich ging es nicht mehr nur ums Geldverdienen, sondern auch um die tägliche Obhut seiner kleinen Kinder. Für beides hatte er Sorge zu tragen. Sehr bald nach dem Tod seiner Frau kündigte er den Job in der Hanauer Pulverfabrik und verdingte sich fortan als Nachtwächter in Windecken. Außerdem brachte der Witwer im Auftrag der örtlichen Apotheke Medikamente in die Nachbarorte. Beide Tätigkeiten dürften wohl gerade so zum Überleben der Familie ausgereicht haben.

Dass in ihm schöpferische Fähigkeiten schlummerten, war vermutlich nur den wenigsten seiner Zeitgenossen bekannt. Doch nach und nach erblickten interessante Objekte das Licht der Welt. Fast alle hatten eine Gemeinsamkeit: Es handelte sich um Dinge für den Familienhaushalt. So schreibt man Kurz zum Beispiel die Entwicklung einer rotierenden Waschmaschine zu. Ideen wie der Pfannkuchenwender, Teigschaber, Eierheber oder ein Toilettenaufsatz für Kinder entstanden vermutlich durch Erfahrungen in der täglichen Praxis. Eine Methode für das Aufrichten des schiefen Turms von Pisa hatte er ebenfalls ins Auge gefasst.

Der "Süße Heinrich" schaffte es bis in die vornehmsten Caféhäuser der Welt. Dieser Zuckerstreuer bot nämlich eine bis dahin nicht gekannte Möglichkeit: Bei Tischgebrauch konnte die Menge des losen Zuckers portioniert werden. Mit jeder Kippbewegung verlässt eine fast identische Menge das Glasgefäß. Diese Dosierung wird durch ein oben und unten abgeschrägtes Rohr ermöglicht, das im Deckel angebracht ist.

Kein Patent angemeldet

Heinrich Kurz hatte diesen Geniestreich, wie fast alle seiner Erfindungen, jedoch nicht patentieren lassen. So kam der erste Zuckerportionierer erst zur Wirtschaftswunderzeit auf den Markt. Mitte der 50er Jahre startete das Hanauer Handelsunternehmen "Helly" damit einen Siegeszug weltweit. Firmeninhaber war Johann Karl Theodor Jacob, ein Enkel von Heinrich Kurz.

Am 15. November 1956 erfolgte die Patenterteilung für den "Süßen Heinrich". Der Erfinder selbst war da schon über 20 Jahre tot. Zu Lebzeiten hätte ihm und seiner Familie der finanzielle Erfolg gewiss gut zu Gesicht gestanden. So aber sei er als armer Mann gestorben, wie Historiker Heinrich Quillmann bei einer Stadtführung anmerkte. Von Quillmann stammt übrigens auch der Ausspruch: "Ohne Windecker wäre die Welt doch viel ärmer."

Gutes Pflaster für Erfinder

Aus Ostheim stammt Karl-Heinz Bilz, der mit dem "Prüf-Fix" 1989 sein erstes Patent angemeldet hat. Das Werkzeug testet, ob zwei Abwasserrohre dicht verbunden sind. Mittlerweile hat der Sanitär- und Heizungsmeister über 19 Patente angemeldet, von denen acht im Handel erhältlich sind. Einem breiteren Publikum ist er aus der VOX-Fernsehsendung "Die Höhle der Löwen - die Gründer-Show" bekannt. Ralf Dümmel von der Hamburger Firma DS Produkte bot Bilz in der Sendung einen Vertrag für die "Abflussfee" an und bereute es nicht. In fünf Monaten wurde eine Million Stück verkauft, berichtet Bilz. Das Produkt werde weltweit in 18 000 Filialen angeboten. Bilz hat auch den "Endlosdübel", die "Siphonfee" und einen Rohrschneider-Adapter erfunden. Nicht zu vergessen die Lotto-Scheckkarte, die heute von der Lotto-Zentrale Hessen benutzt wird. Heute ist Bilz Sektionsleiter des Deutschen Erfinderverbandes mit über 600 Erfindern aus 16 Bundesländern. Auch Rudolf Lindt hat seine Wurzeln in Nidderau. Er hat die Conchiermaschine für die Schokoladenherstellung erfunden.

Aus Ostheim stammt Karl-Heinz Bilz, der mit dem "Prüf-Fix" 1989 sein erstes Patent angemeldet hat. Das Werkzeug testet, ob zwei Abwasserrohre dicht verbunden sind. Mittlerweile hat der Sanitär- und Heizungsmeister über 19 Patente angemeldet, von denen acht im Handel erhältlich sind. Einem breiteren Publikum ist er aus der VOX-Fernsehsendung "Die Höhle der Löwen - die Gründer-Show" bekannt. Ralf Dümmel von der Hamburger Firma DS Produkte bot Bilz in der Sendung einen Vertrag für die "Abflussfee" an und bereute es nicht. In fünf Monaten wurde eine Million Stück verkauft, berichtet Bilz. Das Produkt werde weltweit in 18 000 Filialen angeboten. Bilz hat auch den "Endlosdübel", die "Siphonfee" und einen Rohrschneider-Adapter erfunden. Nicht zu vergessen die Lotto-Scheckkarte, die heute von der Lotto-Zentrale Hessen benutzt wird. Heute ist Bilz Sektionsleiter des Deutschen Erfinderverbandes mit über 600 Erfindern aus 16 Bundesländern. Auch Rudolf Lindt hat seine Wurzeln in Nidderau. Er hat die Conchiermaschine für die Schokoladenherstellung erfunden. bf

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