Achim Felde führt Vertretern der Seniorentreffs die Funktion eines Defibrillators vor. FOTOS: HAU
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Achim Felde führt Vertretern der Seniorentreffs die Funktion eines Defibrillators vor. FOTOS: HAU

Jede Minute zählt

  • vonAnnette Hausmanns
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Viele Tausend Menschen sterben bundesweit jedes Jahr, weil ihre Herzrhythmusstörungen nicht unterbrochen werden konnten. Ein Defibrillator kann im Ernstfall durch gezielte Stromstöße Leben retten. Automatische Defis können auch von Laien bedient werden. Jetzt gibt es auch in Ober-Mörlen einen. Nichts zu tun, sei das Einzige, was man falsch machen könne, erklärte der Medizintechniker.

Drei Minuten sind verflixt schnell rum, wenn ein menschliches Herz aus dem Takt gerät und das Blut nicht mehr ordnungsgemäß durch den Körper pumpen kann. Nach drei Minuten sterben bereits Gehirnzellen ab. Ein automatischer externer Defibrillator (AED) kann in der Zwischenzeit dem holpernden Herzen den entscheidenden Stoß zum Weiterschlagen geben. Wie sicher ein solches Gerät auch vom ersthelfenden Laien bedient werden kann, erfuhren dieser Tage zahlreiche Interessierte im evangelischen Albert-Schweitzer-Gemeindehaus.

AWO und Kulturkreis zahlen

Von einer Medizintechnik-Firma in Linden war Achim Felde nach Ober-Mörlen gekommen, um in die Funktionsweise eines solchen Defis einzuführen, wie die Defibrillatoren im Fachjargon heißen. Die örtliche Arbeiterwohlfahrt (AWO) hatte vor Jahren darauf hingewiesen, dass es im Dorf kein solches Gerät in einem öffentlich zugänglichen Raum gebe. Nachdem sich nichts rührte, fand die AWO um ihre Vorsitzende Waltraud Neisel schließlich selbst eine Lösung: Angeschafft wurde jetzt ein Defi, um ihn auch dank der enormen Unterstützung durch den Kirchenvorstand im evangelischen Gemeindehaus zu installieren. Die Kosten von 1400 Euro teilten sich die AWO und der sich auflösende Kulturkreis um seine letzte Vorsitzende Christa Stenzel.

Das Gemeindehaus gilt als günstiger Standort für einen Defi. Regelmäßige Seniorentreffen, Plaudercafés für demenziell Erkrankte mit ihren Angehörigen, Gottesdienste und zahlreiche weitere Zusammenkünfte machen den Gemeindesaal zu einem lebendigen Treff der Generationen - wenn nicht gerade Corona das Gros der Veranstaltungen komplett ausbremst. Wann die Seniorentreffen hier wieder stattfinden können, steht noch in den Sternen. AWO-Vorsitzende Neisel und Michael Bader, Vorsitzender des evangelischen Kirchenvorstands Ober-Mörlen, kümmern sich derweil gemeinsam um die Überwachung und Betreuung des automatischen Defibrillators.

"Der Akku hält vier Jahre lang", versprach der Medizintechniker, bevor er mit dem Einlegen desselben den Defi "scharf machte". Das Gerät führe den Ersthelfer mit klaren Ansagen durch den kompletten Vorgang. "Der einzige Fehler, den Sie machen können, ist nichts zu tun", unterstrich der Experte. Man möge immer erst die 112 anrufen, sich möglichst weitere Helfer dazuholen und gegebenenfalls gleich mit der Herz-Lungen-Massage beginnen - oder, wenn ein Defi vorhanden ist, diesen umgehend einzusetzen. "Das Gerät prüft zuverlässig, ob ein Schock überhaupt nötig ist", versicherte Felde.

AWO hofft auf weitere Geräte

Ober-Mörlens erster öffentlicher Defi ist nun alarmgesichert im Eingangsbereich des evangelischen Gemeindehauses in einem gekennzeichneten Kästchen an der Wand angebracht. Auf weitere Geräte im öffentlichen Raum hoffen die Initiatoren von der AWO. Auch der Seniorenbeirat der Gemeinde habe Interesse an der weiteren Verbreitung gezeigt. Infrage kämen beispielsweise Geldinstitute, Geschäfte, Gemeindehäuser, Sportstätten oder das Rathaus.

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