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Sängerin und Schauspielerin Alena Neubert ist für dieses Foto zur Friedberger Burg gefahren. Familie und Heimat sind zwei große Stützen der Künstlerin.

Jazz-Klänge zum Träumen

  • Sabine Bornemann
    vonSabine Bornemann
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In einige Songs hat sich Alena Neubert buchstäblich verliebt. In Lieder von Ella Fitzgerald, Louis Armstrong oder Frank Sinatra. Titel dieser Jazz-Größen hat die Friedbergerin für ihr neues Album eingesungen. Ein langgehegter Traum. Im Interview erzählt sie von ihren musikalischen Wurzeln, warum sie trotz der Pandemie nicht den Kopf hängen lässt und von einer neuen Idee für Reichelsheim.

Ihr neues Album entführt in die wunderbare Welt des Jazz. Wollten Sie sich schon immer mal dieser Musik widmen?

Ja, auf jeden Fall. Ich war schon früh sehr vom Genre Jazz inspiriert, und ein eigenes Jazz-Album war schon lange ein Traum von mir, der nun wahr wurde, wofür ich sehr dankbar bin!

Was macht das Album für Sie aus?

Durch dieses Album kann ich auch eine etwas andere künstlerische Seite von mir zeigen, da die Titel völlig anders sind als die auf meinem ersten Album »Where the Neon Lights Glow«, auf dem Broadway-Hits zu hören sind. »All the Way« zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es wesentlich intimer und persönlicher ist. In diesem Album liegt der Schwerpunkt auf der Natürlichkeit und Authentizität. Jazz ist ursprünglich, absolut ungekünstelt und somit durch und durch echt. Das liebe ich.

Was war Ihnen wichtig?

Es war mir sehr wichtig, dass ich viel von meiner eigenen Persönlichkeit in das Album hineinprojizieren konnte. So lernt mich auch mein Publikum noch besser kennen.

Sie sind glühender Jazz-Fan?

Oh, ja. Ich liebe Jazz, egal ob es um Barmusik, Dixieland oder Big Band Swing geht. Ich bewundere dieses Genre, weil es zum einen sehr berührend und ergreifend sein kann und zum anderen absolut mitreißend und ursprünglich ist und man sich dadurch sehr gut individuell ausdrücken kann. Das habe ich auch während der Aufnahmen zu meinem Album gemerkt.

Es sind Klassiker wie »Autumn Leaves«, »Night and Day« und »Fly Me to the Moon« dabei, denen Sie Ihre ganz eigene Note geben. Haben Sie einen Lieblingstitel?

Natürlich bedeutet mir jeder Titel sehr viel. Das steht außer Frage. Ich denke aber, dass »Someone to Watch Over Me« für mich einen ganz besonderen Platz einnimmt, da ich diesen Gershwin-Song schon sehr früh kennen und lieben gelernt habe und er mich immer und immer wieder zu Tränen gerührt hat und das auch heute noch tut.

Wieso?

Der Text, die Melodie und die unglaublichen Harmonien vereinen sich zu einem absoluten Meisterwerk. Das Stück geht mir sehr ans Herz und spricht einfach für sich selbst. Dieses Lied für mein Album einzusingen, war etwas ganz Besonderes für mich.

Hatten Sie Einfluss, welche Lieder auf die CD müssen?

Ja, ich habe mir alle Titel selbst ausgesucht, und war vollkommen frei in meiner Wahl, wofür ich meinem Label nuvicon music auch sehr dankbar bin. Die Natürlichkeit des Albums war mir sehr wichtig. So ist es sehr persönlich geworden, genau, wie ich es mir vorgestellt habe.

Wie haben Sie die Auswahl vorgenommen?

Ich komme aus einer Musikerfamilie, und Jazz spielte bei uns schon immer eine große Rolle. Ich habe schon als Kind viele der Jazzsongs gesungen, die jetzt auf meinem Album sind. Einige Klassiker standen von Anfang an fest. Auf einige andere kam ich durch das Anhören verschiedener Jazz-Alben von Ella Fitzgerald, Louis Armstrong, Frank Sinatra oder Nat King Cole. Hinzu kamen dann noch ein paar, man könnte sagen, modernere Songs, in die ich mich beim ersten Hören direkt verliebt habe und wusste: Diese müssen auf mein Album.

Jeder Song auf dem Album erzählt eine interessante Geschichte. Welchen davon finden Sie am eindrücklichsten?

Das ist eine schwierige Frage. Ich muss aber sagen, dass ich den Song »Smile« von Charlie Chaplin ganz besonders liebe. Ich lese derzeit seine Biografie, und der Inhalt des Songs spiegelt sehr viel aus seinem eigenen, auch oft tragischen Leben wider. Und diese Haltung, einfach zu sagen »Smile though your heart is aching, smile even though it’s breaking«, berührt mich persönlich sehr.

Also Lächeln, obwohl es im Inneren anders aussieht?

Gerade wir Künstler müssen sozusagen immer lächelnd vor den Kameras oder auf der Bühne stehen und haben die Aufgabe, die Menschen zu unterhalten und Vorbilder zu sein - manchmal unabhängig davon, wie es in uns selbst aussieht. Das macht einen Schauspieler nun einmal aus, und für mich ist der Song sehr rührend, aber in ihm steckt auch eine enorme Weisheit, aus der, hoffe ich, viele Menschen - und darunter nicht nur Künstler - Kraft schöpfen können.

Für ihr erstes Album »Where the Neon Lights Glow« wurden sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Wie hoch ist da der Erfolgsdruck für Ihr neues Album?

Ich fühle mich sehr geehrt durch die Preise, die mir verliehen wurden. Dafür bin ich wirklich dankbar. Besonders aber freue ich mich, wenn ich direkte, persönliche Nachrichten oder Fanpost von Menschen aus aller Welt erhalte und sich Leute bedanken für die Inspiration, die sie durch meine Musik erfahren. Das rührt mich sehr, und macht mich unglaublich glücklich. Als Sängerin rund um den Globus gehört zu werden, ist einfach unbeschreiblich und eine riesige Ehre.

Wie ist Ihre eigene Erwartungshaltung?

Ich muss zugeben, dass ich mir absolut gar keinen Druck mache. Wie auch bei meinem ersten Album wünsche ich mir einfach, dass ich möglichst viele Menschen mit »All the Way« erreichen und ihnen damit Freude, Zuversicht und schöne Momente schenken kann. Das ist und bleibt mein größter Preis.

Sie studieren an der Bircham International University im Fernstudium »Performing Arts/Musical Theatre«. Welche neuen Impulse bekommen Sie dort?

Das Studium ist für mich eine große Bereicherung. Ich wollte unbedingt im englischsprachigen Raum, am besten in den USA, einen akademischen Abschluss im Fachbereich der darstellenden Künste bzw. Musical Theatre haben, da ich auch all die Einflüsse aus dem Ursprungsland des Musicals und alles rund um den Broadway in meinen Beruf miteinbeziehen wollte. Durch das jetzige Bachelor-Studium fließen noch viele weitere Elemente mit in meine Tätigkeit als Künstlerin ein, die eben stark vom Broadway geprägt sind. Da hat man das Gefühl, dass man das Fach wirklich auf internationaler Ebene studiert hat.

Ich frage deshalb, da Sie ja schon an der »Schule für Musik, Gesang und Darstellende Künste Dominik Heinz« in Frankfurt zur Musicaldarstellerin und Schauspielerin ausgebildet wurden.

Genau. Ich habe schon sehr früh gesungen und getanzt und nach meinem Abitur am Burggymnasium Friedberg 2014 entschied ich mich dann für eine Bühnenausbildung in Musical und Schauspiel in Frankfurt, die ich 2017 abschloss. Die Elemente Gesang, Tanz und Schauspiel sind schon für sich genommen wundervoll, aber zusammen ergeben sie noch einmal etwas ganz Außergewöhnliches, und das liebe ich so am Musiktheater. Es verzaubert einen und lädt zum Träumen ein.

Ein großer Schritt war sicher 2019 die Gründung ihrer eigenen Produktionsfirma »The Brentwood Theatrical Productions«, mit der Sie erfolgreich Musicals in die Friedberger Stadthalle gebracht haben.

Ja, künstlerische Freiheit ist für mich von großer Bedeutung. Ich bin sehr froh, meine eigene Firma gegründet und das wundervolle Musical »Amazing Grace« 2019/20 auf die Bühne gebracht zu haben. 2013 habe ich als Schülerin des Burggymnasiums bei einer Musicalaufführung von »Hairspray« in der Stadthalle gespielt. Und dann 2019 mit einer eigenen Company ein Stück auf genau diese Bühne zu bringen, war sehr emotional und bedeutend für mich.

Sie haben darin auch die Hauptrolle übernommen?

Ja, ich spielte gleichzeitig die Rolle der Polly Maria Catlett, die eine absolute Traumrolle für mich war. Ich habe durch diese Produktion so viele wundervolle, talentierte und einfach großartige Menschen kennengelernt, die zu echten Freunden wurden. Wir als Original Brentwood Cast sind ein Team, und das spüren nicht nur wir als Cast, sondern, so hoffe ich zumindest, auch das Publikum.

Corona hat alles auf den Kopf gestellt, oder?

So kann man es sehr treffend ausdrücken. Ja, es waren viele Theater- und Musical-Projekte für 2020 geplant, die dann nicht stattfinden durften, aber dafür habe ich mich intensiv meinem Studium widmen können. So stehe ich derzeit kurz vor der Abgabe meiner Bachelorarbeit, was mich sehr freut.

Haben Sie Ideen für die Zeit nach dem Lockdown?

Ich habe angefangen, mich mit der Idee zu beschäftigen, ein kleines Theater in Reichelsheim-Heuchelheim zu errichten. Das war immer schon ein Traum von mir. Mein Wunsch ist es, ein kleines Stück Broadway in die Wetterau zu bringen, und zu zeigen, dass ein erfolgreiches Theater nicht davon abhängig ist, ob es sich in einer großen Metropole oder eben in einer kleinen Stadt oder einem Dorf befindet. Auf die Liebe und Hingabe zur Kunst kommt es an. Ich hoffe, dass die Bauarbeiten bald beginnen können.

Woran haben sie während der »Corona-Zwangspause« noch gearbeitet?

Ich habe mein erstes Musikvideo »My Destiny« auf YouTube veröffentlicht und mich dann natürlich voll und ganz dem Projekt »All the Way« gewidmet.

Sich also voll auf die CD konzentriert?

Ja, ich konnte durch die Arbeit an meinem Album trotz Corona als Künstlerin tätig sein, und das hat mir sehr gut getan. Ich konnte Songs einstudieren und Arrangements auswählen. Es gab ein Fotoshooting für das Album . All diese kleinen Mosaiksteinchen ließen mich in der doch relativ düsteren Corona-Situation nach vorne blicken.

Im Studio waren Sie relativ coronakonform unterwegs, oder?

Die Arbeit im Studio verlief sehr gut. Wir hielten Abstand, und die Corona-Richtlinien, an die wir uns alle natürlich hielten, waren in keiner Weise störend. Ich habe mich während meiner Arbeit an »All the Way« im Studio sehr wohlgefühlt. Für mich persönlich ist die Situation natürlich dennoch keine leichte.

Wie kommen Sie denn durch diese für Künstler schwierige Zeit?

Ich vermisse die Bühne, meinen Cast und natürlich das Publikum unendlich und hoffe, wie jeder andere, dass sehr bald wieder wesentlich mehr für uns alle möglich sein wird. Man denkt oftmals wehmütig an die Zeiten zurück, in denen volle Konzerthäuser oder -hallen noch Alltag waren.

Werden Sie da wehmütig?

Ich versuche in solchen Momenten, nicht ins Negative zu driften, sondern immer voller Zuversicht zu bleiben. Es werden wieder bessere Zeiten kommen. Schließlich gab es auch im Jahr 2020 schöne und erinnerungswürdige Momente. Und 2021 wird uns hoffentlich noch wesentlich mehr dieser Lichtblicke bescheren und uns mit großen Schritten der Normalität entgegenbringen.

Hilft der Kontakt zu Ihrer Familie in Friedberg?

Meine Familie ist meine größte Unterstützung überhaupt! Sie ist immer für mich da und an meiner Seite. Und dafür bin ich unendlich dankbar. Auch während Corona haben meine Familie und Freunde mich immer wieder motiviert, mich einfach mal zum Lachen gebracht und mich auch bezüglich zukünftiger Projekte inspiriert. Das half mir sehr. Corona ist zurzeit eine große Belastung für uns alle, aber das sollte nicht unsere Lebensfreude beeinträchtigen. Stattdessen sollte man sich an all dem Wundervollen erfreuen, das man hat.

Das neue Album »All the Way« erscheint heute.

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