Diese Bastelarbeit von Rudolf Pagel krönt die Liebe zu seiner Frau Ingeborg, die seit 70 Jahren andauert. 	FOTO: GEO
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Diese Bastelarbeit von Rudolf Pagel krönt die Liebe zu seiner Frau Ingeborg, die seit 70 Jahren andauert. FOTO: GEO

70 Jahre durch dick und dünn

  • vonGeorgia Lori
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Nidderau-Erbstadt (geo). Es ist ein kurzer Gang. Vom Wintergarten zur Garage sind es nur wenige Stufen zu einer symbolträchtigen Bastelarbeit, die von einer großen Liebe über Jahrzehnte kündet. Am 20. Mai 1950 haben Ingeborg Haack und Rudolf Pagel in Berlin-Neukölln geheiratet. Nach 70 Jahren feiern die Erbstädter ihre Gnadenhochzeit - und sind noch immer so glücklich wie am ersten Tag.

Die beleuchtete Zahl »70« dominiert ein Holzbrett. Über der Zahl ist eine Sonne zu sehen, links und rechts eine Krone, über der Sonne ein Miniaturnachbau der Christusstatue, die monumental auf dem Berg Corcovado in Rio de Janeiro zu sehen ist. »Als wir uns kennenlernten, ging die Sonne auf, später wurde unsere Liebe gekrönt und Christus hat uns beschützt«, erklärt Rudolf Pagel die Symbolik.

Ihre Väter arbeiteten bei der Post

Mit der Arbeit hat er ihrer Liebe ein Zeichen gesetzt und sein Werk vorerst in der Garage platziert, dort wo früher die Stellplätze für einen Wohnwagen und zwei Pkw waren.

Beide sind in Berlin geboren. Sie am 21. März 1929, er am 7. April 1924. Schon als Jugendliche kannten sie sich, ihre Väter arbeiteten bei der Post. Die Familien lebten in Siedlungshäusern im Stadtteil Rudow, nur einige Blocks voneinander entfernt. »Wegen der schweren Bombenangriffe 1943 und 1944 rannten wir fast täglich etwa zehn Minuten zum Bunker«, erinnert sich Rudolf Pagel. Der gelernte Metallflugzeugbauer leistete seinen Kriegsdienst als Waffenwart für Funkmessgeräte bei der Flak-Division in Magdeburg. Nach amerikanischer und französischer Gefangenschaft kehrte Pagel 1948 aus dem Krieg zurück.

Fünf Jahre nach Kriegsende heiratete das junge Paar. Ingeborg Haack arbeitete damals als Verwaltungsangestellte im Gartenbauamt. »Das Standesamt befand sich nur eine Etage höher. Die Kollegen standen jeder mit einer Blume auf den Treppenstufen und gratulierten«, erinnert sie sich. Die Hochzeitsfeier fiel aus, weil Anneliese, die Schwester der Jubilarin, am nächsten Tag ihre Konfirmation feierte. Über den Kontakt zu einem Cousin kamen die Pagels nach Hessen und fanden in Erbstadt einen Bauplatz. Pagel, der in Berlin auch eine Meisterprüfung als Maschinenbaumeister absolvierte, bekam in dieser Position einen Job bei König & Neurath in Karben, wo er bis zur Rente arbeitete.

Dass er seiner Frau auch in schwierigen Zeiten zur Seite steht, bewies der Jubilar im vergangenen Jahr. »Meine Frau lag nach einem Sturz im Stadtkrankenhaus in Hanau. Ich erlitt auf der Rückfahrt nach einem Besuch bei ihr einen Schlaganfall und wurde dann auch eingeliefert«, sagt Pagel.

Seit sieben Jahrzehnten gehen beide durch dick und dünn und haben auch zwei Weltreisen mit Kreuzfahrtschiffen unternommen. »Das Taj Mahal in Indien hat uns am meisten beeindruckt.«

Würden sie heute erneut den Bund fürs Leben eingehen? »Ja, das passte«, sagen die beiden unisono. Gefeiert wird mit der Familie, dort wo es den beiden nach vielen Reisen am besten gefällt - zu Hause.

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