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In schwierigen Zeiten verbunden

  • VonHanna von Prosch
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Lebendige Städtepartnerschaften erfordern kreative Ideen, sie leben vom persönlichen Austausch. Der ist in der Pandemie aber nicht möglich. Um dennoch eng verbunden zu bleiben, haben manche Partnerschaftsvereine schon sehr kreative Wege gefunden.

Die persönlichen Treffen sind durch die Corona-Pandemie eingeschränkt, Reisen ins Ausland nahezu auf Eis gelegt. Das betrifft nicht zuletzt diejenigen, die sich auf internationalem Parkett um kommunale Freundschaften kümmern und langjährige Beziehungen aufrechterhalten wollen. Die Vorsitzenden der Partnerschaftsvereine Europaclub Friedberg, Bad Nauheim, Bad Vilbel, Karben und Wölfersheim schildern wie der Kontakt läuft und wie die anderen mit der örtlichen Corona-Lage umgehen.

Friedberg: Partnerkommunen Villiers-sur-Marne (Frankreich), Entroncamento (Portugal), Magreglio (Italien)

Bernd Stiller: »Wir sind mit allen Partnerstädten in persönlichem Kontakt und wir hören von allen das Gleiche. Krankenhäuser und Ärzte sind sehr unter Druck. Es gibt die eine oder andere Corona-Erkrankung, bislang sind aber schlechte Nachrichten zum Glück ausgeblieben. Die digitalen Chancen nutzen zwei neunte Klassen der Augustinerschule. Sie arbeiten mit der seconde européenne in Fontainebleau über die TeleTandem-Plattform des Deutsch-Französischen Jugendwerks mit Audiokontakten, Chat, E-Mails und Videokonferenzen zu deutsch-französischen Themen, Musik, Hobbys und Freizeit zusammen.«

Bad Nauheim: Buxton (England), Chaumont (Frankreich), Oostkamp (Belgien), Bad Langensalza (Thüringen).

Hans-Peter Thyssen: »Es gibt gegenseitige Telefonkonferenzen und E-Mails. Gute Resonanzen kamen auf unsere Einladung, die Musikschulkonzerte online zu besuchen sowie auf den virtuellen Rundgang durch eine Ausstellung des Kunstvereins. 2020 konnten wir uns noch gegenseitig besuchen. Wir waren in Oostkamp zum Gedenken an die Befreiung 1944, und zur Inthronisation der Rosenkönigin kam der Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Bad Langensalza nach Bad Nauheim.«

Bad Vilbel: Glossop (England).

Jochen Wilbert: »Bereits am 30. Dezember fand die erste Videokonferenz mit Glossop und 26 Teilnehmenden statt. Beide Vereine hatten dafür zuvor Foto-, Text- und Musikbeiträge erstellt, andere kamen live dazu. In virtuellen Räumen konnten sich Gruppen »privat« treffen. Das Treffen gab vielen das Gefühl von Normalität. Das zweite Treffen fand am 7. Februar statt. Dabei haben wir erfahren, wie Glossop durch die Pandemie kommt: Es sei alles sehr gut organisiert und man vertraue den Wissenschaftlern komplett. Pat Manchee berichtete, dass sie bereits die zweite Impfung erhalten habe. Die Mount Kinder Rangers holten sogar Menschen aus tief verschneiten Regionen zum Impfen ab, und es gibt einen Impf-Drive-In. Auf den geplanten Besuch im August freuen sich alle.«

Karben: St-Égrève und Ramonville (Frankreich), Krnow (Tschechien), Luisenthal (Thüringen).

Muriel Menzel: »Wir haben im Sommer privat unsere Freunde in St-Égrève besucht und halten, wie andere Privatpersonen auch, jetzt Telefon- und WhatsApp-Kontakt. Die Franzosen haben sehr gelitten während der Ausgangssperre, die auch tagsüber galt. Mit den anderen Partnerstädten besteht kaum Kontakt.«

Wölfersheim: L’Isle-sur-le-Doubs (Frankreich), Rabca (Slowakei).

Anna Küchenmeister: »Mit L’Isle-sur-le-Doubs gibt es auf allen Ebenen regen Video-Austausch. Die Ausgangssperren sind strenger als bei uns. Die Kinder sind alle in der Schule aber ohne Sportunterricht. Große Einkaufszentren sind geschlossen, kleine Geschäfte geöffnet. Das Impfen geht dort viel langsamer voran als bei uns und die Moral bei den Menschen ist nicht gerade gut. Für diese geselligen Menschen dort ist das Distanzhalten sehr schwer. Zu allem Überfluss trat kürzlich der Fluss Doubs über die Ufer und überschwemmte große Teile der Stadt.«

Viele Einwohner von Rabca verdienen ihr Familieneinkommen im Ausland. Umso schwieriger ist deren Situation jetzt, so Küchenmeister. »Sie haben einen ähnlichen Lockdown wie wir. Im November gehörte Rabca in die rote Zone. Vier Menschen starben. Alle Bewohner ab zehn Jahre wurden getestet. Der Test war zwar freiwillig, ohne ein positives Ergebnis gab es viele Einschränkungen. Es gibt hier keine Querdenker. Der Distanzunterricht für die Schulkinder funktioniert besser als bei uns. Allerdings fand kein Abitur statt, es wurde der Notendurchschnitt vor Corona genommen.« Mitglieder des Wölfersheimer Partnerschaftsvereins hatten eine Grußbotschaft in Form eines zusammengesetzten Bildes realisiert. »Eine sehr schöne Geste um zu zeigen, dass man auch in dieser schwierigen Zeit in Verbindung bleibt«, freute sich Bürgermeister Eike See.

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