Corona

Mit Igelball und Bügelperlen: Gießener Professor erklärt, wie die Corona-Impfung abläuft

Der Gießener Uni-Professor erklärt in einem Video die Wirkung des Corona-Impfstoffs: Leicht verständlich mit einem blauen Igelball und bunten Bügelperlen.

Als Michael Lierz im März in seinem Bekanntenkreis wiederholt hört, Corona sei nicht mehr als eine Grippe, ärgert er sich. Also zieht er Konsequenzen: Der Veterinärmediziner und Vize-Präsident der Universität Gießen schnappt sich Legosteine und dreht mit seiner Smartphonekamera ein Video. Hier erklärt er, warum man das Virus ernst nehmen muss - und welche Bedeutung es hat, Distanz zu halten. Nun hat der 49 Jahre alte Wissenschaftler unter dem Eindruck der Diskussion über die begonnenen Impfungen ein weiteres Erklärvideo gedreht und im Internet auf YouTube veröffentlicht. Seine Hilfsmittel: Ein blauer Igelball und Bügelperlen - aber ohne die glitzernden. Die hat die Tochter nicht herausgerückt.

Dass innerhalb kurzer Zeit mit den Corona-Impfungen begonnen werden kann, ist eigentlich eine Erfolgsgeschichte. Doch nicht nur das Tempo der Entwicklung des Vakzins sorgt für Misstrauen bei manchen Menschen. Auch dass es sich nicht um eine - gewohnte - Immunisierung mit Trägerviren, sondern um eine mRNA-Impfung handelt, sorgt bei einigen für Skepsis.

Einfach ausgedrückt, werden bei einer Immunisierung mit einem mRNA-Impfstoff genetische Informationen für die Antigensynthese in den Körper eingebracht, und zwar genau an dem Ort des Piekses. Die Eiweiße werden dann mittels dieser Anleitung ganz normal von den körpereigenen Zellen produziert. Dabei findet keine Veränderung des Erbgutes statt. Das System ähnelt dem, wenn ein Erkältungsvirus eine Zelle befällt und sich dann reproduziert.

Um diesen Sachverhalt zu erklären, nutzt Lierz Alltagsgegenstände: Der Igelball, eigentlich zur Entspannung gedacht, wird zum Coronavirus. Die Bügelperlen repräsentieren das menschliche Erbgut. Lierz sagt, auf diese Weise würde er das Thema nicht mit seinen Studierenden besprechen. Er sieht Wissenschaftler jedoch in der Pflicht. »Wir sind gefordert, solche Sachverhalte den Menschen zu erklären«, sagt er. »Das fällt uns manchmal schwer.« Gleichzeitig setzten viele zum Beispiel im Fernsehen vermittelten Informationen über die Impfung ein Vorwissen voraus. »Da kann jemand mit Grundkenntnissen vielleicht noch folgen, aber niemand, der noch nie Interesse für solche Themen hatte.«

Lierz kann fundiert über die aktuelle Pandemie sprechen. Er beschäftigt sich wissenschaftlich mit Infektionen bei Wildtierpopulationen. Dass es ein Coronavirus sein wird, das vermutlich vom Tier auf den Menschen gesprungen ist und global existenzielle Probleme bereitet, hatte er jedoch nicht erwartet. 2005/06, erzählt er, sei die Sorge groß gewesen, dass sich das Vogelgrippevirus mit dem menschlichen Grippevirus verbindet und so eine Art »Supervirus« entsteht.

»Ich bin froh, wenn ich ein paar Leute mit dem Video erreiche«, sagt er. Ziel müsse es sein, Menschen zu überzeugen, sich impfen zu lassen und auf die Fakten hinzuweisen - zum Beispiel auch im Hinblick auf die Frage möglicher Nebenwirkungen gerade für sehr alte und bereits geschwächte Menschen. In diesem Zusammenhang nennt er das Krisenmanagement der Bundesregierung »exzellent«, hält aber die Informationspolitik für ausbaufähig. Erklärt werden müsste zum Beispiel, warum der Impfstoff so schnell entwickelt werden konnte. Manche Hersteller benötigten viele Jahre für einen Impfstoff, weil das Geld für die Entwicklung fehle. Beim Corona-Impfstoff sei dieses Problem nicht vorhanden gewesen, weil viele Staaten die Entwicklung mit viel Geld vorfinanziert hätten. Für die Herstellerfirmen habe damit kein wirtschaftliches Risiko bestanden. Lierz spricht aus eigener Erfahrung: So ist die Geschwindigkeit universitärer Forschung auch von der Höhe der finanziellen Drittmittel abhängig.

Lierz beschäftigt sich viel mit dem Artenschutz. Die Corona-Pandemie mache noch einmal deutlich, welche Auswirkungen der Biotopverlust habe: Menschen dringen immer weiter in von ihnen zuvor unberührte Gegenden vor. Dabei treffen sie auch auf Krankheitserreger, die ihrem Immunsystem unbekannt sind. Lierz sagt: »Viren haben keine Gefühle. Sie sind dafür da, Populationen zu regulieren. Und wir Menschen haben das Wissen und die Fähigkeit, uns zum Teil darüber hinwegsetzen zu können.« Zum Beispiel mit Impfungen.

Info: Hier ist das Video zu sehen

Das Erklärvideo ist im Internet auf YouTube abrufbar. Einfach https://www.youtube.com/watch?v=VhpVHppUbos eingeben.

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