"Sie hatte ihr halbes Leben noch vor sich", sagt Annabelle Schweizer über ihre Hündin Snow, die gestorben ist, nachdem sie einen Giftköder gefressen hatte. 		F
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»Sie hatte ihr halbes Leben noch vor sich«, sagt Annabelle Schweizer über ihre Hündin Snow, die gestorben ist, nachdem sie einen Giftköder gefressen hatte.

Giftköder ausgelegt

Wetterau: Hund stirbt an Vergiftung - »Wie kann jemand so etwas tun?«

Das Brotstück lag auf einem Acker bei Kaichen. Dort, wo Annabelle Schweizer oft mit ihren Hunden spazieren geht. Ihre Hündin Snow fraß das Brot. Wenige Tage später ist Snow gestorben.

  • In der Wetterau ist ein Hund vergiftet worden
  • Der Giftköder lag auf einem Acker aus
  • Die Hündin Snow ist wenige Tage später gestorben

Um 0.59 Uhr kam der Anruf aus der Tierklinik. Als Annabelle Schweizer dort ankam, war ihre Hündin Snow bereits tot. »Das war das Schlimmste«, sagt die Kaicherin: »Dass ich in dem Moment, als sie gegangen ist, nicht dabei gewesen bin.«

Snow war eine siebenjährige Mini-Australian-Shephard-Hündin. Ihr ganzes Leben lang sei sie immer gesund gewesen. Doch dann, erzählt Annabelle Schweizer, fraß Snow bei einem Spaziergang ein Stück Brot, das im Feld gelegen hat. Am 30. Mai war das, am 3. Juni ist Snow gestorben.

Am Morgen des 30. Mai war Annabelle Schweizer mit ihrer Hündin im Feld bei Kaichen. Am Angelteich - »dort, wo ich oft spazieren gehe«. Sowohl mit Snow als auch mit den anderen drei Mini-Australian-Shephards der Familie. Es komme häufiger vor, dass etwas auf den Wegen oder auf den Äckern liege, was die Hunde versuchten zu fressen - und sei es nur ein Erdklumpen.

Hund in der Wetterau vergiftet: Erst hat sich die Hündin übergeben, dann wurde sie immer unruhiger  

An jenem Tag, erzählt Schweizer, hat sie noch versucht, Snow davon abzuhalten, das Stück Brot zu fressen, das auf dem Acker lag. Doch die Halterin konnte nichts mehr machen, wollte das Stück zwar noch aus dem Maul der Hündin holen, doch die hatte es schon verschluckt.

Danach sei erst einmal alles normal gewesen. Die zwei seien weiterspaziert, so wie immer, die große Morgenrunde. Am nächsten Morgen habe Snow sich übergeben, auch nichts Ungewöhnliches; bei Hunden kommt das hin und wieder vor.

Verschlimmert habe sich ihr Zustand erst in der Nacht auf Dienstag. »Sie war sehr unruhig, ich war mehrmals mit ihr draußen.« Am Morgen fuhren Schweizer und ihre Mutter Silvia Greven so früh es ging zum Tierarzt. »Snow wurde an den Tropf gehängt, es wurden ihr Schmerzmittel gespritzt, Blut abgenommen, Röntgen- und Ultraschallbilder gemacht.« Auf den Röntgenbildern, berichtet Schweizer, konnte man sehen, dass Leber und Nieren stark vergrößert waren. »Und der Darm war riesig, alles war entzündet.«

Hund in Kaichen vergiftet: Vergiftung oder Infektion - Ärzte waren sich zunächst nicht sicher 

Snow blieb den Tag über da, Schweizer rief mehrmals an, am Nachmittag, habe es geheißen, könne sie sie abholen. Doch: Sobald sich der Zustand verschlimmere, solle Snow in die Tierklinik. Schweizer fotografierte die Röntgenbilder ab und bekam die Ergebnisse der Blutuntersuchung mit.

Kaum zu Hause angekommen, wurde es schlimmer. Sie fuhren in die Tierklinik nach Kalbach. Snow blieb dort.

Zweieinhalb Stunden nachdem Schweizer und Greven zu Hause waren, kam der Anruf: Snow habe einen Krampfanfall, es sehe nicht gut aus.

»Gegen den Krampfanfall hat sie Medikamente bekommen, auf die sie auch ansprach, aber die Atmung wurde immer flacher und das Herz immer schwächer.« Die Ärzte versuchten, Snow zu reanimieren, konnten sie aber nicht retten. »Sie war gerade einmal sieben Jahre alt. Sie hatte die Hälfte ihres Lebens noch vor sich«, sagt Annabelle Schweizer.

Zuerst seien die Ärzte nicht sicher gewesen, ob Snow an einer Vergiftung oder an der Infektionskrankheit Leptospirose gestorben sei. Die Krankheit konnte letztlich ausgeschlossen werden, die Ärzte gehen von einer Vergiftung aus.

»Ich kann es einfach nicht nachvollziehen. Wie kann denn jemand so etwas tun? Selbst wenn jemand mir schaden will, der Hund kann doch nichts dafür«, sagt Annabelle Schweizer.

Eine Ahnung, wer die grausame Tat verübt haben könnte, hat Schweizer nicht. Aber sie hat Angst um die anderen drei Hunde. Seit einer Woche trainiert sie mit ihnen: Sie sollen fortan beim Spazierengehen einen Fressschutz tragen, also eine Art Maulkorb.

Schweizer hat nun Anzeige erstattet - gegen unbekannt. Laut Tierschutzgesetz kann eine derartige Tat mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe geahndet werden. »Ich hoffe«, sagt Annabelle Schweizer, »sie kriegen die Person, die das getan hat«.

Die Polizei Friedberg hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Zeugen, die Hinweise zu dem Fall geben können, werden gebeten, sich unter Tel. 0 60 31/60 10 zu melden.

Hund in Kaichen vergiftet: »Täter agieren schnell und ungesehen«

Es gab in den vergangenen Jahren immer mal wieder Fälle in der Wetterau (z.B. Büdingen, Butzbach, Wöllstadt), in denen Giftköder ausgelegt worden sind, berichtet Judith Pein von der Tierschutzorganisation Peta. Was auffällig sei: Seien vor Jahren vor allem mit Rattengift präparierte Köder ausgelegt worden, »so sind heutzutage auch mit Nadeln, Schrauben oder Rasierklingen gespickte Köder ›beliebt‹«. Genaue Zahlen gebe es nicht, da die Anschläge nicht zentral erfasst würden. Peta fordert ein solches Register.

Meistens seien Hunde die Opfer. Es gebe aber auch immer wieder Meldungen von Katzen oder Wildtieren. »Nicht unterschätzt werden darf die Gefahr, die von den Ködern ebenso für Kinder ausgeht« - gerade wenn Köder in Parkanlagen oder womöglich auch in der Nähe von Spielplätzen ausgelegt würden. Die Täter werden nur selten überführt, sagt Pein. Sie »agieren schnell und ungesehen. Häufig fehlen Beweise«. Mit Belohnungsauslobung (Peta setzt oft Belohungen, etwa 500 Euro aus, für Hinweise, die den Täter überführen) »wollen wir die Menschen sensibilisieren. Es kann auf den noch so unwichtig erscheinenden Hinweis ankommen.« In der Regel gehe man von Einzeltätern aus. »Schnell sagt man, dass ein Tier- oder Hundehasser am Werk ist. Oder jemand, der sich vielleicht über Hundekot oder Gebell ärgert. Doch von dem Punkt, sich über ein Tier zu ärgern, bis zu der Tat, es durch sein Handeln äußerst qualvoll zu töten, ist es ein enormer Schritt. 

Die Tiere sterben an inneren Blutungen, unter Krämpfen und großen Schmerzen. Niemand, der psychisch gesund ist, möchte einem Lebewesen so etwas antun.« Psychologische Studien zeigten, dass solche Tierhasser psychisch krank seien. »Der Täter will Macht ausüben und empfindet Lust, Hunde und vor allem auch ihre Besitzer zu quälen. Daher sind sich Mediziner einig, dass solche Täter dringend psychologisch behandelt werden müssen.«

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