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  • vonNici Merz
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Manche Fragen lassen sich nicht mehr beantworten. Ihre Antworten liegen in der Vergangenheit. So ist es auch mit dem Gewanneküppel in Schwalheim. Dass der Hügel im Dorf einst ein bedeutender Ort gewesen ist, weiß man zwar. Doch welche Bedeutung er genau hatte? Dazu gibt es bloß Theorien - zusammengefügt aus vielen Erkenntnissen.

Warum mitten im Ort ein Hügel ist? »Es ist ein klassischer Fall von: Nix Genaues waas mer net«, sagt Lokalhistoriker Alexander Jung. Theorien über den künstlich angelegten Hügel in der Wettersenke in Schwalheim gibt es einige und schon lange Zeit. Bereits im 19. Jahrhundert bot der Gewanneküppel Anlass für Spekulationen und Deutungen. Viele davon sind verworfen worden, andere haben sich als haltbar erwiesen. In den vergangenen Jahrzehnten jedoch haben immer mehr Puzzleteile dafür gesorgt, dass zumindest ein vages Bild über den Ursprung des Bodendenkmals gezeichnet werden kann.

Noch 1952 heißt es in einem Artikel in der Wetterauer Zeitung: »Das Geheimnis um den Gewanneküppel besteht weiter.« Zwölf Jahre später, 1964, scheint die Lösung gefunden zu sein. »Aufhellung historischen Dunkels über dem Schwalheimer Gewanneküppel«, steht in der Titelzeile eines WZ-Berichts.

Zu verdanken war das dem Schwalheimer Lokalhistoriker Max Liebig (1893-1979), der die vielen Erkenntnisse rund um den Hügel kombiniert hatte. Er kam zu dem Schluss, dass dort eine Befestigungsanlage stand - gebaut zum Schutz der Wetterbrücke. Denn, heißt es weiter in dem Artikel: Durch Schwalheim führte wahrscheinlich eine sogenannte Salzstraße - ein Handelsweg, auf dem von den Salinen in Bad Nauheim, durch Schwalheim nach Bingenheim Salz transportiert wurde.

Liebig folgerte daraus, dass an der Stelle eine Motte stand - ein mittelalterlicher Burgtyp, erklärt Alexander Jung. »Der Begriff Burg ist aber irreführend.« Man dürfe sich keine große Anlage vorstellen. Möglich sei zum Beispiel, dass dort ein Gebäude errichtet wurde mit dem Ziel, Brückengeld von denen zu verlangen, die über die Wetter wollten.

Sicher ist diese Theorie jedoch nicht. Was hingegen sicher ist: Wie der Gewanneküppel zu seinem Namen gekommen ist. Diese Bezeichnung, erzählt Jung, taucht erstmals im 19. Jahrhundert auf. Das Wort Küppel kommt von Kuppe, also Anhöhe (manchmal ist auch die Rede vom Gewanneköppel). Noch im 19. Jahrhundert soll der Hügel einen Umfang von rund 230 Metern gehabt haben und weitaus höher gewesen sein. Mit der Zeit wurde Erde hinabgeschwemmt, und Schwalheimer legten rund um den Hügel Pflanzstücke an - sogenannte Gewahne.

1949, berichtet Jung, wird der Gewanneküppel Gegenstand archäologischen Interesses. Damals war er schon viel kleiner (wegen des Sportplatzbaus wurde ein Teil des Hügels abgetragen). Dr. Gudrun Loewe vom Darmstädter Amt für Bodendenkmalpflege leitete die Grabung. Die Archäologen fanden Keramikscherben, die sich auf die Zeit um das Jahr 1300 datieren lassen. Zudem Knochen, Holzreste und Metallteile. Auf der Hinweistafel, die heute neben dem Hügel steht, heißt es dazu: »Der Befund zeigte, dass im Mittelalter innerhalb eines doppelten Palisadenzauns auf einer ursprünglichen Flachzone ein Erdhügel aufgeschüttet worden war.« Und: Nach Ansicht von Historikern war an jener Stelle die Vorform einer mittelalterlichen Burg entstanden, in der schon um das 10. bzw. 11. Jahrhundert Menschen wohnten.

Parkanlage um den Hügel?

1976 wird eine weitere Grabung durchgeführt, neue Erkenntnisse gibt es aber kaum.

Alexander Jung hat in dem Buch, das 2017 anlässlich der 1200-Jahr-Feier Schwalheims entstanden ist, alle Erkenntnisse zusammengefasst. Es ist davon auszugehen, schreibt er, »dass wir mit der Anlage um das Jahr 1000 oder wenig später rechnen können«. Über die Gründe zur Errichtung könne nur spekuliert werden. Hinweis dafür könne aber der Standort geben. Ein Wachturm komme nicht infrage, da das Gelände offen ist und in einer Niederung liegt. »Nach der Quellenlage bleibt damit als einzig sinnvolle Erklärung, dass die Turmburg tatsächlich zum Schutz eines Wetterübergangs gebaut wurde.«

Heute hat der Gewanneküppel seine Bedeutung verloren - bedauerlicherweise, findet Jung. Schon in den 60ern hat Max Liebig den Hügel als »fast in Vergessenheit geratene Sehenswürdigkeit« bezeichnet. Heute gelte das umso mehr. Ginge es nach Jung, würde das Areal aufgewertet werden. Diese Idee hatte bereits Erster Stadtrat Bruno Döring in den 70ern. Zum Beispiel, indem man einen Teil der Palisaden rekonstruiert. »Wir haben hier immerhin mit eine der ältesten sichtbaren Hinterlassenschaften der Schwalheimer Geschichte«, sagt Jung - auch wenn die Rätsel um den Hügel längst (noch?) nicht gelöst sind.

Heute führt am Gewanneküppel wieder eine Brücke über die Wetter. Allerdings erst seit den 1960ern.

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