Carsten Denkler (r.) und Michael Meininger machen sich Sorgen um das musikalische Durchhaltevermögen und den Zusammenhalt im Verein. FOTOS: HMS/PV
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Carsten Denkler (r.) und Michael Meininger machen sich Sorgen um das musikalische Durchhaltevermögen und den Zusammenhalt im Verein. FOTOS: HMS/PV

Hoffen auf einen großen Probenraum

  • vonHanna von Prosch
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Friedberg (hms). Ausverkaufte Stadthalle, ausverkaufte Heilig-Geist-Kirche, musikalische Begleitung städtischer Veranstaltungen, international erfolgreich, mit einer gesunden Jugendarbeit: So kennt man die Stadtkapelle Friedberg. Vieles davon droht mit dem ersten Corona-Winter wegzubrechen, denn die rund 40 Aktiven haben keinen ausreichend großen Probenraum, um neue Konzerte - und sei es 2021 im Freien - vorzubereiten.

Vorstand Carsten Denkler und Dirigent Michael Meininger versuchen alles, um die Gemeinschaft musikalisch wie sozial zusammenzuhalten. Gleich nach dem Lockdown gingen sie online. Wegen der Übertragungsverzögerung war das auf Dauer aber nicht machbar. Auch die geselligen virtuellen Treffen brachen mit der Zeit weg. Im Sommer konnten sie dann im Freien spielen. Das hörte schlagartig mit einem Regenguss und früher Dunkelheit vor wenigen Wochen auf. "Auch Stirnlampen und Strahler nutzten da nichts mehr", sagt Denkler, "denn die Instrumente brauchen eine gleichmäßige Temperatur nicht unter 20 Grad."

Bedenklich sei, wenn nach der anfänglichen Euphorie die Motivation nachlasse, weil Perspektive und Ziel fehle, sorgt sich Meininger. Noch vor den Erhalt der musikalischen Qualität setzt der engagierte Dirigent auf die soziale Gemeinschaft. "Es kann nicht sein, dass sich die älteren Musikerinnen und Musiker oder Risikogruppen in die Isolation zurückziehen, weil sie Angst haben, mit den anderen zusammenzutreffen. Oder dass Anfänger und Schwächere aufgeben, weil wegen der kleinen Probenräume nur noch anspruchsvolle Kammermusikstücke geprobt werden", argumentiert er.

Dabei stehen Denkler und er seit März bei der Stadt auf der Matte und bitten um einen ausreichend großen Raum. Zuerst hieß es, es sei alles politisch vergeben. Nach einer Sitzung der beteiligten Ämter wurden sie kürzlich mit dem Argument vertröstet, man habe den Anspruch, alle gleich zu behandeln, das sei kompliziert. Man bitte um etwas Geduld. Die Anfrage für ein Gespräch mit dem Bürgermeister wurde gar nicht beantwortet. "Wir fürchten, hier werden Prioritäten gegen die Kultur gesetzt. Denn es geht ja nicht nur uns so", sagt Meininger.

Zuversicht und Kompromisse

Neun Quadratmeter braucht er pro Spieler bei den aktuellen Landesvorgaben. Die Aula der Philipp-Dieffenbach-Schule, die ihnen inzwischen wieder vom Kreis genehmigt wurde, ermöglicht die Teilnahme von 16 Personen. Blasinstrumente sind nach aktuellen Studien nicht mehr kritisch und für die Flöten gibt es kleine Schutzschilde. Auch ein Hygienekonzept kann der Verein vorweisen. Die Ehrenamtlichen sind bereit, Stühle auf- und wieder abzubauen und würden sogar eine Schulung für professionelle Reinigung mitmachen, um den Vorgaben gerecht zu werden.

Meininger will seine Musikerinnen und Musiker in jedem Fall motivieren und ihnen ein Ziel eröffnen. Daher stellt er sich diesen Kompromiss vor: Proben einzelner Stimmen wochenweise wechselnd in der Schulaula und einmal im Monat in einem großen Raum eine Gesamtprobe.

Der Wochentag spiele dabei nicht die erste Rolle. "Konzerte zum Beispiel in der Heilig-Geist-Kirche sind im Moment in der Gesamtbesetzung unmöglich, denn dazu könnten zu wenig Besucher Platz finden. Aber wir wollen unser Programm, das wir für das Frühjahr schon fertig hatten, auffrischen, eventuell umarbeiten und es dann im Frühjahr aufführen. Wir brauchen den Vorlauf", hoffen sie. Alles was man mache, sei besser als gar nichts, lautet die Devise.

An die finanziellen Ausfälle, die den Verein treffen, will Denkler gar nicht denken: "Wir leben im Moment noch von der Substanz. Auch deshalb wäre ein Konzert in absehbarer Zeit dringend notwendig."

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