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Die Theaterwerkstätten der Burgfestspiele liegen gegenüber dem Spielort, der Wasserburg. Allerdings geht es hier beengt zu, Lager und Probenräume sind über die Stadt verteilt. Das soll ein neues zentrales Domizil in Dortelweil verbessern.

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Hoffen auf Umzug vor Saison 2024

  • VonNiklas Mag
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Hinter den Burgfestspiel-Inszenierungen steckt jedes Jahr ein logistischer Kraftakt. Denn was die Festspielbesucher nicht sehen, sind Transporte, riesige Lagerräume, Werkstätten oder die Wäscherei. Die Dortelweiler SPD lud den Intendaten Claus-Günther Kunzmann ein, um die Neubaupläne der Festspiele vorzustellen.

W as jeden Sommer auf der Bühne der Festspiele geschieht, ist die winzige Spitze eines Eisberges, der Hunderte Meter unter die Wasseroberfläche reicht. Die Burgfestspiele planen deshalb einen Neubau in Dortelweil.

Auf Einladung von Rainer Fich und seiner Dortelweiler SPD fasst Festspiel-Intendant Claus-Günther Kunzmann zusammen, was unter der Wasseroberfläche liegt: »Bis auf ganz spezielle Teile, die wir selbst nicht machen können, werden alle Bühnenbilder in den Werkstätten der Burgfestspiele gebaut«, beginnt er. Das geschehe in der Zehntscheune, die direkt gegenüber der Burg liegt. Ein riesiges Zelt vor der Scheune schafft weitere Arbeitsmöglichkeiten. »Wenn wir lange Holzbalken hobeln, muss das Fenster aufgemacht werden, weil einfach kaum Platz ist«, beschreibt der Intendant. Auch ein Farblager, eine Elektrowerkstatt und eine Wäscherei brauchen hier Platz. Der Kostümfundus der Festspiele lagert ebenfalls größtenteils in der Zehntscheune. »Wir kaufen und leihen auch Teile für Kostüme. Aber für ein Theater unserer Größe ist ein eigener Fundus wichtig.«

Die Burg zeige jedes Jahr schließlich mehrere Eigenproduktionen, an denen vom Bühnenbauer bis zum Schauspieler zahllose Menschen beteiligt seien. »Die Schauspieler, die Gewandmeisterinnen oder die Bühnenbauer sind alles vollwertige Arbeitnehmer. Deren Arbeitsplatz muss natürlich sicher sein und alle Möglichkeiten bieten«, betont er. »Das muss man im Kopf haben, wenn man über einen Neubau spricht.«

Die Schauspieler proben vor der Saison täglich in Vollzeit. Als Probebühnen müssen unter anderem die Dortelweiler Reithalle und das Georg-Muth-Haus auf dem Heilsberg funktionieren. »Beide Gebäude sind nur noch auf absehbare Zeit benutzbar. Die Reithalle ist uralt, das Georg-Muth-Haus wird früher oder später abgerissen und neu gebaut.« Nicht nur für die riesigen Probenbühnen sind diese Lokalitäten wichtig, auch lagern hier große Bühnenteile, Technik und mehr.

Erste Entwürfe der Architekten

Kunzmann zeigt in seiner Präsentation noch weitere Örtlichkeiten, die für die Logistik hinter den Kulissen wichtig sind. Diese sind in der ganzen Stadt verteilt und teilweise recht improvisiert. »Seit der Kurhaus-Sanierung können wir das Kurhaus auch nicht mehr für die Proben nutzen. Wenn weitere Probebühnen und Lagerräume wegfallen, kriegen wir ein ziemliches Problem«, warnt der Festspielintendant. Deshalb muss ein Neubau her. In den kommenden Wochen sollen die ersten Entwürfe gemeinsam mit Architekten finalisiert werden. Drei große Probebühnen, Büros, riesige Werkstätten, die Schneiderei und Schreinerei und Aufenthaltesräume sollen auf dem Gelände unterkommen. All das soll in Dortelweil an der K10 entstehen. »Wir rechnen aktuell mit Kosten in Höhe von 7,5 Millionen Euro. Die Erschließung des Geländes nicht eingerechnet«, stellt Kunzmann vor. 30 Prozent Dachbegrünung und Regenwassernutzung seien für das Gelände geplant. »Ich hoffe auf einen Umzug vor der Saison 2024.«

Die Zehntscheune soll dann nur noch für den Betrieb notwendige Arbeitsmöglichkeiten enthalten, beispielsweise Waschmaschinen, denn die Kostüme müssen jede Nacht gereinigt und teils gefärbt werden. »Ich kann mir einen großen Aufenthaltsraum für die rund 30 Bühnenbauer in der Zehntscheune ebenfalls gut vorstellen. Vielleicht kann hier auch ein Teil der Burg-Gastronomie untergebracht werden. Das wäre ein schöner Standort für weitere Sitzmöglichkeiten«, glaubt Claus-Günther Kunzmann.

Im Februar stritt sich die alte Vilbeler Stadtverordnetenversammlung über die Pläne, die Theaterwerkstätten in Dortelweil zu bauen. Die Grünen befürchteten die großflächige Zerstörung von Ackerland. Widerspruch gab es daraufhin von den anderen Parteien. Die CDU sah die Nähe zum Dortelweiler Betriebshof als gute Synergie an, die SPD fand es richtig, die Theaterwerkstätten nicht in einem Wohngebiet, sondern etwas außerhalb zu bauen. nma

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