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Hoch durch den Märchenwald

  • vonChristine Fauerbach
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Es gibt ein Wetterauer "Gipfelbuch". Das liegt in der Kuhkopfhütte mitten im Rosbacher Wald aus. Viele Wanderer haben sich in diesem Buch verewigt. Dazu sind sie gut 500 Meter steil bergauf gewandert, um am Ende der Tour mit einer wunderschönen Aussicht belohnt zu werden. Leicht ist diese Hütte nicht zu finden. Ute Neugebauer hat sie entdeckt und zu ihrem Lieblingsplatz ernannt.

Die Trittsicherheit und Leichtigkeit einer Gämse wären auf den letzten 100 Metern zum Lieblingsplatz von Ute Neugebauer im Rosbacher Wald von Vorteil. Der Pfad zur 490 Meter hoch auf einem Felsenvorsprung liegenden Kuhkopfhütte führt auf steinigem, mit Wurzeln von Eichen und Buchen gesäumten Untergrund, steil bergauf. Belohnt werden die Wanderer nach ihrer sportlichen "Klettertour" mit einer wunderschönen Aussicht auf einen wildromantischen Märchenwald.

Der geheimnisvolle Buchstabe

Der Ausblick vom Kuhkopf auf den Taunus bis hinein ins Usinger Becken ist spektakulär. Die auf Ockstädter Gemarkung stehende Kuhkopfhütte und ihr Vorplatz sind zugleich romantische Rastplätze. Jeweils ein Tisch und Bänke, an denen bis zu zwölf Personen Platz finden, laden vor und in der Hütte zum Rasten, Durchatmen, den Alltag hinter sich lassen, die Aussicht und eine zünftige Brotzeit ein.

Entdeckt hat Ute Neugebauer die Kuhkopfhütte als sie mit ihrer Nordic-Walking-Gruppe der TG Ober-Rosbach auf "Hüttentour" war. "Der Abzweig zur Hütte liegt rechts auf dem Forstweg vom Kastell Kapersburg kommend, eher unauffällig. Es gibt keinen Wegweiser. Achten muss man auf ein "K" mit Eckpfeilen am Forstweg gegenüber." Seit ihrem ersten Besuch kommt die Rosbacherin regelmäßig hierher zurück. "Die Kuhkopfhütte bildet meist bei Spaziergängen oder Radtouren mit meinem Mann eines unserer Etappenziele", berichtet die 71-Jährige. Wer die Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete "Unterstandshütte" betritt, auf den wartet eine Überraschung in Form eines "Gipfelbuches". Hier haben sich Besucher aus der Wetterau und aller Welt mit Sprüchen, Zeichnungen, ihren Namen und dem Tag ihres Besuches verewigt. Eine willkommene Gelegenheit, um noch ein wenig durch die Eintragungen zu stöbern. Genutzt wird der "schöne Ort mitten im Wald" auch gern von Vereinen wie dem FC Ober-Rosbach oder der Freiwilligen Feuerwehr zum geselligen Miteinander etwa am 1. Mai. Auch Gottesdienste fanden hier bereits an Christi Himmelfahrt statt wie Ute Neugebauer berichtet.

Schaurige Ereignisse

Gestartet ist sie an diesem sonnigen Sommermorgen zu ihrer Tour am Parkplatz "In der Sang" mit Wander- und Sportsfreund Horst Pauly. Der Weg des Duos verlief rund sechs Kilometer lang bergauf durch den Wald über den Salz- und Kellerberg, vorbei am ausgehöhlten Stamm des rund 200 Jahre alten Naturdenkmals "Dicke Eiche", an der Quelle des Fahrenbachs und dem von Familie Bullmann errichteten Marienbild vorbei rund 1,5 Kilometer lang weiter bis zur Kuhkopfhütte.

Nach einer kurzen Pause und dem obligatorischen Eintrag ins Wetterauer "Gipfelbuch" ging wieder eineinhalb Stunden lang zurück zum Ausgangspunkt.

Der Heimweg führte das gut trainierte Duo zum Jagdhaus an der Sausteigschneise mit Unterbörnchen und von dort bis zum zur Aussichtsplattform "Schöne Aussicht" oberhalb des ehemaligen Quarzitsteinbruchs.

Nach einem Blick auf das Biotop in der Tiefe und die Frankfurter Skyline in der Ferne ging es weiter durch den von lautem Vogelgezwitscher erfüllten Wald.

Nächste Station der Wandertour war die sogenannte Rentnerhütte am Salzberg. Weiter bergab führte der Weg die beiden Senioren vorbei am Gedenkort "Em Schaa seu Köppsche" (Wasserdäll), wo eine Gedenktafel an ein schauriges Ereignis erinnert. Oberhalb der heutigen Wasserdäll und unterhalb eines Hochstandes hatte man im Juli 1916 die Leiche des mit einem Kopfschuss getöteten Jagdaufsehers Johannes (Jean) Bullmann gefunden.

Zurück zur Wanderung. Vom Wasserdäll war es nicht mehr weit bis zum Ausgangspunkt "In der Sang". "Ich genieße immer wieder aufs Neue diesen schönen Weg durch unseren an Aussichtspunkten und Naturschätzen reichen Wald. Hier kommt man wunderbar zur Ruhe und kann sich gut erholen", schwärmt Ute Neugebauer.

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