Sprühtrocknungsanlage geplant: Investor Axel Ebbecke will die Industriebrache Buderus-Park wieder zu neuem Leben erwecken.	FOTO: SAX
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Sprühtrocknungsanlage geplant: Investor Axel Ebbecke will die Industriebrache Buderus-Park wieder zu neuem Leben erwecken. FOTO: SAX

Wiederbelebung eines Denkmals

  • vonOliver Potengowski
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Hirzenhain (sax). Wie ein Mahnmal zur Erinnerung an Industrialisierung beherrscht das denkmalgeschützte Buderus-Werk die Ortsmitte Hirzenhains. Dass in dem imposanten Hauptgebäude jemals wieder produziert würde, wollten höchstens sehr große Optimisten glauben. Der Unternehmer Axel Ebbecke sieht jedoch gerade in den Besonderheiten des ehemaligen Hauptgebäudes Vorteile, um dort seine Produktion aufzubauen.

Als vor zehn Jahren der letzte Betriebszweig Bosch-Thermotechnik den letzten Teil des Buderus-Werks nach Lollar verlagerte, waren dort noch 55 Arbeiter beschäftigt. Der allmähliche Niedergang des früheren Familienunternehmens Buderus, das die Entwicklung von Hirzenhain geprägt hatte, veränderte auch den Ort. Pessimismus breitete sich aus.

Erfahrung in der Reaktivierung

Zwar siedelten sich auf dem früheren Buderus-Gelände einige durchaus hoffnungsvolle Unternehmen an. Doch der größte Teil der Fläche und vor allem das Hauptgebäude blieben eine Industriebrache. Der euphemistische Name Buderus-Park unter dem das Gelände Investoren locken sollte, klang trotz aller Vermarktungsbemühungen nach Zweckoptimismus.

Das erklärt den Enthusiasmus, mit dem Ebbecke begrüßt wurde, als er in der Gemeindevertretersitzung am Montag sein Unternehmen und seine Planungen für das frühere Buderus-Werk vorstellte. Vieles spricht dafür, dass ihm die Wiederbelebung des Industriedenkmals, um die sich andere seit Jahren vergeblich bemüht hatten, gelingen kann. Denn der 49-jährige Investor bringt sowohl Erfahrung in der Reaktivierung von Brachflächen wie auch als Unternehmer und in der Industrieproduktion mit. Er ist sowohl Diplom-Kaufmann als auch Diplom-Ingenieur der Verfahrenstechnik. Dass er dazu noch eine intensive Verbindung zur Region hat, wird als weiterer Pluspunkt gewertet.

Und dass er seit zwei Jahrzehnten permanent expandiert, liegt an seiner Begeisterung für das Arbeitsgebiet, auf das er sich spezialisiert hat. »Es gibt wenige Firmen, die sich mit dem Bereich Partikeldesign auseinandersetzen«, erklärt er seinen Erfolg. Doch die Form und Oberfläche der einzelnen Teilchen in Pulvern oder Granulaten bestimme wesentlich die Eigenschaften der späteren Endprodukte, in denen sie verarbeitet werden. Dabei reicht die Bandbreite von Lebensmitteln über Kosmetik bis zu Luft- und Raumfahrttechnik. Entsprechend wichtig ist eine konstant hohe Qualität von Ebbeckes Zwischenprodukten.

»Heiße Luft« als Produktionsabfall

In Hirzenhain soll eine Sprühtrocknungsanlage entstehen. Dabei werde in neun Meter hohe Röhren von unten heiße Luft und von oben durch Düsen Flüssigkeit, die zu Partikeln trocknen soll, eingeblasen. »Der Abfall ist im Prinzip heiße Luft«, entgegnet er auf die Frage von Bürgermeister Timo Tichai nach Emissionen. Der Staub werde abgefiltert, es entstehe kein Lärm. Der Standort Hizenhain habe für ihn große Vorteile, erläutert Ebbecke. Weil für die Produktion viel Luft angesaugt werden müsse, sei es gut, dass keine Landwirtschaft in der Nachbarschaft liege. Denn wenn die Felder gedüngt werden, sei es möglich, dass über die Luft die späteren Produkte mit E-Coli-Bakterien verunreinigt würden.

Auch das Rastermaß und die hohen Decken, des Buderus-Hauptgebäudes seien für sein Projekt gut geeignet. Dadurch könne er einzelne Sprühtrocknungsanlagen konsequent voneinander trennen, was zur Einhaltung von Hygienestandards wichtig sei. Für die Produktion in Hirzenhain will er ein eigenes Unternehmen, die Spraytec AG, gründen. Für den Standort spräche auch seine Hoffnung, dort gute und loyale Mitarbeiter zu finden. Rund 40 werde das Unternehmen dort beschäftigen, wenn in einem Jahr die Produktion anlaufe. Bewerber könnten sich bereits jetzt melden.

Klaus Karger, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung des Wetteraukreises bestätigt, dass auch er von einem Unternehmen aus dem Main-Kinzig-Kreis erfahren habe, dass die Mitarbeiter in der Region nochmals loyaler seien als im Nachbarkreis. Dazu weist er auf die Möglichkeit hin, Fördergelder zu beantragen. Er hoffe auf einen »Domino-Effekt« durch die Ansiedlung von Spraytec in Hirzenhain. Dies könne weitere Unternehmen nachziehen. »Aus unserer Sicht ist das ein Glücksfall, der sich hier auftut.«

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