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Hirzenhainer Schatz liegt in Sayn

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Das Kunstgussmuseum in Hirzenhain. FOTO: GIERS © pv

Fast 1000 Objekte, die bis zum vergangenen Jahr zum Bestand des Kunstgussmuseums Hirzenhain gehörten, sind soeben an die Stiftung Sayner Hütte übergeben worden. Aber auch in Hirzenhain hat sich Neues getan.

Die annähernd 1000 Stücke umfassende Sammlung preußischen Eisenkunstgusses der Buderus Guss GmbH, die lange Jahre in Hirzenhain beheimatet war, ist als Dauerleihgabe an die Stiftung Sayner Hütte übergeben worden.

Dort ist die Freude natürlich groß, einen solchen Schatz nun im Stiftungs-Bestand zu haben. Große Teile davon sollen im neuen Eisenkunstguss-Museum auf der Sayner Hütte, das im nächsten Jahr eröffnet wird, ausgestellt werden.

Die Buderus Guss GmbH, einst Träger des Hauses in Hirzenhain, hatte 2021 mit sofortiger Wirkung den Leihvertrag für die Ausstellungsstücke aus der Sammlung des preußischen Eisenkunstgusses gekündigt und die Exponate abtransportieren lassen.

Die Rede war seinerzeit von rund 1200 Objekten. Für die Museumsleute in Hirzenhain ein schwerer Schlag, der erst einmal verdaut werden musste.

Die Buderus Kunstgießerei in Hirzenhain bestand von 1947 bis 2015. Sie war eine der letzten Eisenkunstgießereien, die nach preußischem Vorbild in entsprechend hoher Qualität Kunstwerke in Eisen goss. Die Buderus-Sammlung hatte der erste Leiter und Chefmodelleur der Kunstgießerei, Peter Lipp (1902 bis 1975), als Anschauungssammlung für die Mitarbeiter 1947 zusammengetragen.

Die Stücke der Buderus-Kunstgießerei in Hirzenhain, so steht es in einer Erklärung der Stiftung Sayner Hütte, bildeten eine der bedeutendsten Sammlungen preußischen Eisenkunstgusses.

ergleichbar sei sie mit der Privatsammlung des Dessauers Ewald Barth (1898 bis 1968), die 2007 von der Stadt Dessau für das dortige Museum für Stadtgeschichte erworben wurde, sowie der Sammlung von Gustav Lamprecht und Maurice Garbaty, die sich heute im Birmingham Museum of Art im US-Staat Alabama befindet.

Die Buderus Guss GmbH habe sich gewünscht, so heißt es weiter, dass die Sammlung, die bislang vom Trägerverein des Kunstguss-Museums Hirzenhain gepflegt worden war, in die Hände einer ehemaligen königlich-preußischen Eisengießerei beziehungsweise deren Nachfolgeinstitution käme, »um dort wissenschaftlich betreut und ausgestellt zu werden. Daher wurde bereits im letzten Jahr Kontakt zur Stiftung Sayner Hütte aufgenommen«.

Immobilie verkauft

Die Dauerleihgabe mit den Stücken aus Hirzenhain soll in Zukunft in großen Teilen in dem neu entstehenden Eisenkunstguss-Museum in Sayn zu sehen sein. Dafür wird auf der ehemaligen Eisenhütte momentan das Arkadengebäude saniert und eine komplett neue Ausstellung gestaltet, sagt Steffi Zurmühlen, Geschäftsführerin der Stiftung. 2023 soll Eröffnung sein.

In Hirzenhain war die Entwicklung im vergangenen Jahr alles andere als mit Freude begleitet worden. Schließlich war es ein schwerer Verlust, als die von Buderus entliehenen Objekte weggeschafft wurden.

Dass Buderus Guss den eigentlich erst Ende 2021 auslaufenden Leihvertrag vorzeitig gekündigt hatte, mag auch daran gelegen haben, dass durch das damalige Januar-Hochwasser etliche Kunstguss-Schmuckexponate beschädigt wurden. Sie standen im Eingangsbereich im Wasser und setzten Rost an.

Dies wiederum rief den ehemaligen Museumsleiter und Vereinsvorsitzenden Reinhard Manter auf den Plan. Der Historiker, der in Krefeld lebt, hatte den beschädigten Schmuck schon vor dem großen Abtransport im Auftrag von Buderus Guss aus Hirzenhain weggebracht, um ihn wieder in Schuss bringen zu lassen.

Was dem Hirzenhainer Verein blieb, war eine Sammlung von gut 400 Objekten, die ihm selbst gehören. Neu hinzukamen dann aber noch als Leihgaben zur Verfügung gestellte Ausstellungsstücke aus privaten Händen. Es sollte schließlich einen Neuanfang geben.

RP lehnt Stiftungsgründung ab

Das gilt inzwischen auch für die gesamte Immobilie. Professor Reinhard Döpp aus Ennepetal im Ruhrgebiet hatte 2018 den ganzen Komplex der Kunstgießerei übernommen, war aber eigentlich nur am Museumsgebäude interessiert.

Döpp war mit der hehren Absicht angetreten, in Hirzenhain eine Art Industriemuseum zu etablieren, so wie er es vor Jahren in seiner Heimat umgesetzt hatte. Er wollte eine Stiftung gründen, die für das Museum verantwortlich sein sollte.

Das Regierungspräsidium Darmstadt lehnte das aber ab. Es fehlten aus Sicht der Genehmigungsbehörde die Gelder für einen dauerhaften Betrieb. Aus den schönen Plänen wurde letztlich nichts.

Wie Bürgermeister und Kunstguss-Vereinsmitglied Timo Tichai im Gespräch mit dieser Zeitung sagt, haben sich die Besitzverhältnisse inzwischen geändert. Ein Unternehmen aus Hirzenhain hat die Immobilie erworben und wolle sie für eigene Zwecke nutzen.

Inzwischen läuft der Umbau. Es gebe eine Vereinbarung, die besagt, dass der eigentliche Museumstrakt mit dem gläsernen Ausstellungsraum davon unberührt bleibt und als solcher weiterbestehen kann. Ziel ist es, so sagt Tichai, ein Konzept erstellen zu lassen für ein »kleines aber feines Museum«. Auch ohne die 1000 Stücke aus dem einstigen Hirzenhainer Schatz.

HINTERGRUND:

Die Eisenkunstgussobjekte der Buderus-Sammlung aus Hirzenhain spannen den Bogen vom Beginn des preußischen Eisenkunstgusses Ende des 18. Jahrhunderts bis ins 20. Jahrhundert. Den Schwerpunkt der Sammlung bilden Exponate aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie umfasst das gesamte Spektrum an Kunstgüssen der königlich-preußischen Eisengießereien in Gleiwitz, Berlin und Sayn. Dazugehören Schmuck, Büsten, Statuetten, Gemmen und Plaketten sowie sogenannte Galanterie-Waren wie Schreibzeuge, Briefbeschwerer und Leuchter. Außerdem beinhaltet die Sammlung einzelne Objekte aus anderen zeitgleichen privaten Kunstgießereien. VON HOLGER SAUER

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