Letzte Gelegenheit: Ein Paar am Mittwoch beim Golfspielen auf der Bad Nauheimer Neun-Loch-Anlage. Seit Donnerstag ist der Platz geschlossen, weil die hessische Landesregierung einen Sonderweg beschreitet. FOTO: NICI MERZ
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Letzte Gelegenheit: Ein Paar am Mittwoch beim Golfspielen auf der Bad Nauheimer Neun-Loch-Anlage. Seit Donnerstag ist der Platz geschlossen, weil die hessische Landesregierung einen Sonderweg beschreitet. FOTO: NICI MERZ

Golfverband klagt

Hessischer Alleingang: Lockdown fürs Einlochen

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Hessens Verwaltungsgerichtshof hat gerade viel zu tun. Nicht alle Verbände oder Firmen nehmen den "Lockdown light" klaglos hin. Juristische Schritte geht auch der Golfverband mit Sitz in Friedberg.

Am Mittwoch waren dank des herrlichen Herbstwetters auf den Golfplätzen in Bad Nauheim und Ockstadt noch vereinzelte Spieler beim Abschlag oder auf dem Grün zu beobachten. Seit Donnerstag sind die Anlagen verwaist, denn die Landesregierung geht einen Sonderweg: Hessen hat als einziges deutsches Bundesland auch das Golfspielen verboten.

Der Hessische Golfverband hat bereits eine Normenkontrollklage auf den Weg gebracht. "Diese Klage und ein Antrag auf einstweilige Anordnung wurden an den Verwaltungsgerichtshof in Kassel verschickt", bestätigt Marc vom Hagen, Geschäftsstellenleiter des Verbandes mit Sitz in Friedberg und Spieler im Golfclub Bad Nauheim.

Golfclub-Präsident ist verwundert

Die wesentlichen Regeln des "Lockdown light", der vorerst bis Ende November gilt, werden von allen Bundesländern getragen, doch der Teufel steckt im Detail. Mit Verwunderung nahmen auch die Vereine in Bad Nauheim und Friedberg einen Brief des Landesverbandes zur Kenntnis, der am Dienstag verschickt worden war. Demnach ist ab Donnerstag jeglicher Spiel- und Trainingsbetrieb verboten. "Eine eigenwillige Entscheidung des Landes, die uns sehr überrascht hat", lautet der diplomatisch formulierte Kommentar von Hans L. Thierer, Präsident des Golfclubs Bad Nauheim.

Der Verein habe sich nicht nur an alle bestehenden Corona-Vorschriften gehalten, sondern zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen. "Bis vor kurzem war es erlaubt, Vierer-Flights auf den Platz zu schicken. Wir haben die Gruppen vor etwa zwei Wochen freiwillig auf zwei Personen reduziert", sagt Thierer. Zudem sei es untersagt worden, vor dem Putten die Fahnenstange aus dem Loch zu entfernen oder einen Rechen zum Glätten von Sandhindernissen zu benutzen, um eine Übertragung des Covid-19-Virus auf diesem Wege zu verhindern.

Die Club-Gaststätte sei ohnehin geschlossen, in den Umkleidekabinen durften sich zuletzt maximal vier Personen gleichzeitig aufhalten, die Mund- und Nasenschutz tragen mussten. "Es ist übertrieben, zwei Leuten zu verbieten, auf die Wiese zu gehen. Sie begegnen sich höchstens auf dem Grün und können dort problemlos zehn Meter oder mehr Abstand halten", erklärt der Golfclub-Präsident.

Nach Ansicht des Golfverbandes verlässt Hessen mit seiner Entscheidung "den propagierten Konsens von Bundes- und Landesregierungen einer bundesweit einheitlichen Regelung". Deshalb sei zusammen mit dem Deutschen Golf-Verband beschlossen worden, diese Verordnung einer juristischen Prüfung zu unterziehen.

Marc vom Hagen, der als amtierender Hessenmeister (Altersklasse 50) und zigfacher Vereinsmeister sportliches Aushängeschild der Bad Nauheimer Golfer ist, warnt auch vor den wirtschaftlichen Folgen. "Sehr viele Golfanlagen, wie der in Ockstadt, werden von Betreibergesellschaften geführt, die bis zu 2 Millionen Euro Umsatz pro Jahr machen", erklärt vom Hagen. Die hessischen Unternehmen dieser Art müssten jetzt Einbußen hinnehmen, während die Konkurrenz in anderen Bundesländern weiter ihren Geschäften nachgehen könne.

Golftourismus wird gefördert

Zudem werde durch die Verordnung der Golftourismus gefördert. Viele Spieler würden nach Nordbayern oder Rheinland-Pfalz fahren, um dort ihrem Hobby zu frönen. Vom Hagen selbst will möglicherweise nach Aschaffenburg ausweichen. "Golfspieler tun das. So wie andere Leute am Wochenende einen Spaziergang machen, gehen etliche Ehepaare auf den Golfplatz", sagt der Geschäftsstellenleiter des Verbandes. Würden beim Golftourismus Fahrgemeinschaften gebildet, erhöhe sich das Ansteckungsrisiko. Sich beim Golfspielen in Zweier-Flights zu infizieren, sei ausgeschlossen. Selbst beim Waldspaziergang kämen sich die Leute näher als auf dem Golfplatz.

Die hessischen Vereine hätten beim ersten Lockdown Solidarität demonstriert. Schon damals hätten Hessen und Bayern als letzte Bundesländer wieder die Plätze geöffnet. Trotz der Lockerungen im Mai habe sich der hessische Verband entschlossen, auf die Punktspiel-Saison zu verzichten. Im Sommer seien nur Turniere ausgetragen worden - unter Einhaltung aller Corona-Regeln.

Da der Spielbetrieb aktuell witterungsbedingt ohnehin eingeschränkt laufen würde und die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs möglicherweise erst Ende November vorliege, habe die Normenkontrollklage eher Präventionscharakter. "Weitere Lockdowns sind nicht auszuschließen. Wir wollen verhindern, dass die Plätze zu Saisonbeginn im Frühjahr wieder geschlossen werden", sagt vom Hagen.

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