Helden auf der Bühne

30 Jahre sind die Helden des Friedberger Helden-Theaters diesen März alt geworden. Doch ihr Ensemble ist inzwischen wieder fast so jung wie damals, als der Verein 1991 in Rödelheim gegründet wurde. Drei Mitglieder schauen zurück und erzählen von Familie, Überwindung und Gänsehaut.

Sie alle hatten ein Ziel: Ein Theaterstück auf die Bühne bringen. Neun junge Menschen haben sich im Januar 1991 in Frankfurt-Rödelheim auf Initiative von Burkhard Struve zusammengefunden. Im März war es so weit: Die »Theatergruppe Helden« wurde gegründet.

Das ist 30 Jahre her. Doch das Ensemble ist inzwischen wieder fast so jung wie damals. Das jüngste Mitglied ist die erst vor Kurzem elf Jahre alt gewordene Zoé Römer aus Reichelsheim. Ihre Mutter Eva und ihr Opa Ralf waren bereits Mitglieder, und so fand auch die damals Neunjährige vor zwei Jahren ihren Platz im inzwischen in Friedberg registrierten Theaterverein. »Mehr aus meiner Haut raus zu kommen«, sagt sie, hat ihr das Theaterspielen gelehrt und sie liebt die Herausforderung, »manchmal zu spielen, was einem unangenehm ist«. Unangenehm ist es ihr im Verein jedoch keineswegs - es ist vielmehr ihre »kleine Heldenfamilie«.

Erinnerungen an die Anfänge

Letztes Jahr stand sie in Friedrich Dürrenmatts »Der Besuch der alten Dame« auf der Bühne und durfte zwei Kinderrollen mit Leben füllen. Das nächste Stück kommt ihr sehr zu pass. Es wird Familientheater gespielt. In der Theaterumsetzung von Andreas Arnolds »Fionrirs Reise« spielt sie den Uhu Jutz, eine Figur, die sie »total cool« findet, und obendrein ist es noch ein erwachsener Vogel. »Das Buch war schon echt schön, und das Stück wird noch besser«, ist sich die junge Nachwuchs-Schauspielerin sicher.

Ihr zur Seite stehen natürlich auch Mitglieder, die von Rödelheimer Anfängen berichten können. Gerade einmal 17 Jahre alt war Cordula Gehringer, als der frisch gegründete Verein per Aushang Mitspielerinnen und Mitspieler für das Stück »Helden oder der Schokoladensoldat« von George Bernard Shaw suchte. So kam sie zu ihrer ersten Rolle, der des Dienstmädchens Luka. Damals habe eine große Fluktuation im Verein geherrscht und es haben immer wieder Schauspieler gefehlt.

Schließlich konnte sie ihre Mutter, die, wie sie selbst während der Schulzeit Theater gespielt hatte, dafür gewinnen, eine Hauptrolle zu übernehmen. Das Stück kam so zur Aufführung - wie bei Zoé familiär. »Beim Theaterspielen lernt man eigene und die vielen verschiedenen Facetten der Persönlichkeit der Mitspieler/innen auf eine ganz neue Weise kennen«, findet sie.

Jede Aufführung ist auch nach Jahren des Spielens immer wieder aufregend für sie. Nicht zuletzt ist es aber der Spaß während der Proben, was das Heldin-Sein für sie ausmacht. Eine besondere Erfahrung war es für sie, als »Gwendolin« in »Bunbury« von Oscar Wilde im Jahr 2002 erstmals auf einer Bühne zu singen. Dies kostete sie einige Überwindung, war aber auch etwas ganz Besonderes. Auch sie freut sich schon auf die nächste Produktion.

Probe per Videokonferenz

Aktuell wird online per Videokonferenz geprobt, doch die Rosbacherin kann es kaum erwarten, das Ensemble bei den Mittwochsproben im Theater Altes Hallenbad wiederzusehen.

Mit 17 Jahren im gleichen Alter, wie Cordula Gehringer damals, war Svenja Illenberger, als sie vor drei Jahren durch einen in der Musikschule ausliegenden Flyer auf das Helden-Theater aufmerksam wurde. Mit der Rolle der Emily in Thornton Wilders »Unsere kleine Stadt« bekam sie gleich ihre erste Hauptrolle, was sie sehr herausforderte. Gemeistert hatte sie diese ebenso gut wie ihre »zweite Familie« auf der Bühne - bei der Premiere gab es Standing Ovations. »Die Rolle hat mir gezeigt, dass ich mit meinen Gedanken nicht alleine bin und dass es guttut, seine Emotionen mit anderen zu teilen«, beschreibt sie, was sie vom Stück ins Leben mitgenommen hat. Das Theaterspielen helfe ihr jeden Tag, ihre Komfortzone zu verlassen und über den Tellerrand zu schauen. Der Applaus beschert ihr jedes Mal Gänsehaut. Gelegentlich läuft etwas schief und Versprecher oder Texthänger münden in Improvisation. Ihre Heldinnen und Helden nehmen das mit viel Humor.

Seit letztem Jahr ist Svenja Illenberger zweite Vorsitzende des Vereins. Auf das nächste Stück freut sie sich ebenfalls sehr - sie hat nämlich noch nie zuvor einen Drachen gespielt.

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Rubriklistenbild: © Andreas Arnold

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