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Andreas Freiling ist seit 2001 Mitglied des Rotary Clubs Bad Vilbel. Für sein Jahr als Präsident hat er sich viel vorgenommen.

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Grenzen überwinden und Freunde treffen

  • VonPatrick Eickhoff
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Seit 25 Jahren gibt es den Rotary Club Bad Vilbel. Er ist einer von weltweit mehr als 35 000 Clubs. Unterteilt wird bei den Rotariern in drei Ebenen: Weltweit, Distrikt und Club- ebene. Der neue Präsident in Bad Vilbel ist seit dem 1. Juli Dr. Andreas Freiling. Im Interview spricht der Wirtschaftsprüfer über seine besonderen Pläne im Jubiläumsjahr, warum er mehr Glück hat als sein Vorgänger und welche Rolle die Literatur spielt.

Der Rotary-Club feierte in Bad Vilbel sein 25-Jähriges. Das ist mit Sicherheit ein besonderes Jahr, um neuer Präsident des Clubs zu werden, oder?

Ja, definitiv. Auch weil es wegen der Pandemie schwieriger zu planen ist. Aber mein Vorgänger hatte viel größeres Pech.

Weil kaum etwas möglich war?

Genau. Sein Jahr war komplett von Corona geprägt. Ich hoffe, dass das bei mir anders sein wird. Mein Programm geht davon aus, dass Rotary eine Präsenzveranstaltung ist. Deshalb lautet mein Ziel ganz klar: So bald und so viel wie möglich Präsenz.

Sie sind genau ein Jahr im Amt. Wie bereitet man sich auf dieses Jahr vor?

Der Präsident des nächsten Jahres steht meist früh fest und sitzt als sogenannter Präsident elect im neuen Vorstand. Das heißt, dass der alte Präsident sich lange vor seiner eigenen Amtsübernahme überlegen muss, wer sein Nachfolger wird. Dieser Nachfolger wird aber gleich in die Vorstandsarbeit einbezogen.

Wie liefen die ersten Monate?

Durch den langen Vorlauf hatte ich genügend Zeit, mir ein Konzept zu überlegen. Das habe ich im ersten Juli-Meeting den Mitgliedern vorgestellt. Bisher sind alle Meetings und Sonderveranstaltungen nach Plan gelaufen, und die Präsenz der Mitglieder war gut.

Was beinhaltet so ein Konzept?

Mein Jahr steht unter dem Motto: Freunde treffen - Hilfe leisten - Grenzen überwinden. Danach habe ich die einzelnen Programmpunkte ausgerichtet.

Würden Sie darauf etwas näher eingehen?

Freunde treffen heißt, dass ich attraktive Clubmeetings gestalten möchte, mit internen, aber auch externen Referenten. Dabei soll ein Schwerpunkt auf der Literatur liegen. Das zieht sich wie ein roter Faden durchs Präsidentschaftsjahr. Mitglieder, die wollen, können ihr Lieblingsbuch vorstellen, und damit ganz neue Seiten von sich zeigen.

Was ist denn Ihr Lieblingsbuch?

Ich bin eigentlich ein Thomas-Mann-Fan, aber ich will den Club nicht immer mit dem »Zauberberg« langweilen (lacht). Deshalb werde ich »Homo Faber« von Max Frisch vorbereiten. Außerdem soll es zwei Literaturabende geben, an denen uns Autoren besuchen.

Der nächste Schwerpunkt ihres Jahres ist »Hilfe leisten«. Bei den Rotariern gehört das doch zum Grundgedanken oder?

Absolut, das gehört immer zum Programm. Wir haben als Rotary Club einen Hilfsfonds gegründet, der die notwendigen Mittel einsammelt und an unsere Sozialprojekte weitergibt. Die sozialen Projekte, die wir unterstützen, sind unterteilt in zwei Ebenen: Lokal und international. International sind zum Beispiel das globale Rotary-Projekt »EndPolioNow« gegen Kinderlähmung (Anm. d. Red.: siehe Info-Kasten) oder ein geplantes Bildungsprojekt in Indien. Unter direkter Verantwortung unseres Clubs stehen unterschiedliche lokale Aktionen, wie beispielsweise das Projekt gesundekids, regelmäßige Klavierkonzerte für Bewohner von Seniorenheimen in Bad Vilbel und Karben oder die Finanzierung von Musikunterricht für Kinder des Kinderheims Reinhardshof aus Nieder-Erlenbach durch die Bad Vilbeler Musikschule.

Kommen auch aktuelle oder akute Notsituationen hinzu?

Ja. Nach der Flutkatastrophe im Ahrtal sind wir zurzeit auf der Suche nach Projekten vor Ort. Es ist uns wichtig, dass die Mittel dort eingesetzt werden, wo keine anderen Institutionen für den Schaden aufkommen. Und am besten hat es noch mit Bildung zu tun.

Was für ein Projekt könnte das dann sein?

Wenn beispielsweise die Spielsachen von einem öffentlichen Kindergarten weggespült wurden. Wir sind in engem Austausch mit verschiedenen Clubs in der betroffenen Region.

Apropos Austausch. Ihr Motto umfasst auch den Satz »Grenzen überwinden«. Bezieht sich das auf den Kontakt zu anderen Clubs?

Nicht nur. Gemeint sind zunächst alle denkbaren Grenzen im Kopf. Zusammen mit meinem Vorstand will ich zum Beispiel versuchen, solche Mitglieder zu reaktivieren, die seit Jahren nicht ins Meeting kommen. Aber ja, für mich gehört zu Rotary auch der Kontakt zu ausländischen Clubs. Seit einigen Monaten stehen wir im Kontakt mit den Rotariern vom französischen Club Montpellier Méditerranée. Wir hatten schon mehrfach Videomeetings und zwei Mitglieder aus Frankreich waren diesen Sommer mit ihren Partnern auf unserer Jubiläumsfeier zu Besuch. Sie feiern selbst nächstes Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum, da werden wir definitiv dabei sein.

Somit würden Sie als Präsident auch etwas hinterlassen, das auch nach ihrer Amtszeit Bestand hat. Ist Ihnen das wichtig?

Ja, das würde ich mir wünschen. Vor ziemlich genau 100 Jahren, schon kurz nach dem Ersten Weltkrieg, gab es die erste Deutsch-Französische-Freundschaft bei den Rotariern. Ein klares Zeichen von rotarischer Verbundenheit über Grenzen hinweg. Mal sehen, wie sich unsere Freundschaft mit den Franzosen aus Montpellier entwickelt. Ich bin sehr optimistisch.

Neben dem alljährlichen Spargelverkauf gibt es bei den Rotariern auch immer einen Adventskalender sowie einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt. Wie laufen die Planungen?

Sollte es einen Weihnachtsmarkt geben, werden wir auch wieder unseren Stand in der Wasserburg haben. Zudem erscheint auch in diesem Jahr unser Adventskalender, für den rotarische Freunde oder befreundete Unternehmen wertvolle Preise zur Verfügung stellen. Die Geschenke sind also gespendet. Der Kalender wird an den drei letzten Novembersamstagen am Niddaplatz verkauft und kostet wie im Vorjahr zehn Euro.

Am 23. Februar 1905 gründete der Rechtsanwalt Paul P. Harris den ersten Rotary Club in Chicago. In Deutschland wurde Rotary 1927 mit der Gründung des ersten Clubs in Hamburg etabliert. Weltweit gibt es derzeit mehr als 1,2 Millionen Mitglieder, die in mehr als 35000 Rotary Clubs in über 200 Ländern aktiv sind. Thilo Neupert, Pressebeauftragter des Clubs in Bad Vilbel sagt: »Sie sind überparteilich und nicht konfessionell gebunden. Rotary steht den Angehörigen aller Kulturen, Ethnien und Glaubensrichtungen offen.« Der Name Rotary leitet sich aus der früheren Praxis ab, sich im Rotationssystem in den verschiedenen Büros der Mitglieder zu treffen. Bis heute ist die jährliche Rotation aller Führungsämter eine Voraussetzung, um Verantwortung zu verteilen. Neben einzelnen Projekten eines jeden Clubs, gibt es umfassende internationale Projekte, die über die »Rotary Foundation« - eine zentrale Stiftung aller Rotarier - finanziert werden. Priorität hat das Projekt »EndPolioNow« - der Kampf gegen Kinderlähmung. wpa

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