Falkner Walter Reinhart kümmert sich mit seinem Team auf der Ronneburg jedes Jahr um etwa 80 verletzte oder verunglückte Vögel. Er versorgt die Tiere medizinisch und füttert sie. Wenn alles gut läuft, werden sie wieder in die freie Natur entlassen. FOTO: BF
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Falkner Walter Reinhart kümmert sich mit seinem Team auf der Ronneburg jedes Jahr um etwa 80 verletzte oder verunglückte Vögel. Er versorgt die Tiere medizinisch und füttert sie. Wenn alles gut läuft, werden sie wieder in die freie Natur entlassen. FOTO: BF

Greifvögeln das Fliegen lehren

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Der gelernte Goldschmied Walter Reinhart zieht in der Falknerei Ronneburg verletzte oder verstoßene Jungvögel zum Auswildern groß: Schneeeulen, Steinkäuze und Falken.

Walter Reinhart hat alle Hände voll zu tun und eigentlich keine Zeit, sich über seine Falknerei auf der Ronneburg zu unterhalten. Gerade eben hat er einen Storch gebracht bekommen mit einem kranken Bein, noch früher am Morgen wurde eine flügellahme Eule angeliefert, derer Reinhart sich annehmen soll. Neulich erst hat er drei junge Turmfalken aus Echzell aufgenommen (die WZ berichtete).

"Dieses Jahr haben wir extrem viele Jungvögel", sagt er. Jährlich kommen etwa 80 verletzte oder verunglückte Vögel auf die Ronneburg, die dort medizinisch versorgt, gefüttert und dann nach Möglichkeit wieder in die freie Natur entlassen werden.

Schneeeule Nelly fährt gern Auto

Seit gut 15 Jahren schon gibt es die staatlich anerkannte Auffangstation für verletzte und verstoßene Jungvögel. Viele Tiere haben Reinhart und seine Mitstreiter mit der Hand aufgezogen, zum Beispiel Nelly. Die Schneeeule ist von Anfang an dabei und mittlerweile 19 Jahre alt. "Sie fährt unheimlich gerne Auto", verrät der 57-Jährige.

Die Schneeeule, die sich damals wie heute gerne von Besuchern streicheln lässt, ist eine zahme Ausnahme, denn die Auffangstation ist eigentlich zum Auswildern der Greifvögel gedacht. Reinhart, gelernter Goldschmied, hat vor rund 35 Jahren mit der Falknerei begonnen. Schon als kleiner Junge hat er sich um verletzte Vögel gekümmert. Reinhart machte sein Hobby schließlich zum Beruf und betrieb zunächst eine staatliche Greifvogelstation in Unterfranken und seit 2004 die Falknerei auf der Ronneburg.

Die Aufzucht eines Greifvogels ist keine allzu langwierige Sache. Bussarde und Falken sind bereits nach acht Wochen ausgewachsen, Adler brauchen Reinhart zufolge ein paar Wochen länger. Dann geht es mit dem Training los. Der Vogel lernt das Abfliegen von der Hand, die der Falkner mit einem Lederhandschuh vor den messerscharfen Krallen schützt. Besucher können sich Flugvorführungen auf der Burg anschauen und allerlei Wissenswertes über Greifvögel lernen. Etwa 20 Greifvögel wie Falken, Geier, Adler und Bussarde sind derzeit in der Ronneburger Falknerei aktiv.

Die Falknerei auf der Ronneburg hat aber noch viel mehr zu bieten als die für Besucher so eindrucksvollen Flugschauen. Besonders großen Erfolg hat die Falknerei mit der Aufzucht von Steinkäuzen.

Viele Steinkäuze - dank Äppler

Mit dieser Eulenart betreibt Reinhart, gebürtig aus Unterfranken, eine Art Import-Export. Denn die Steinkäuze, die auf der Burg großgezogen werden, finden ihre Heimat anschließend in Eichenfürst bei Marktheidenfeld. Dort ist die Population von Steinkäuzen deutlich schwächer als im Hessischen. "Hessen hat noch relativ viele Steinkäuze", berichtet Reinhart. Der Grund dafür seien die vielen Streuobstwiesen, die in unserem Bundesland nicht zuletzt für den Apfelwein gepflegt werden und in denen sich Steinkäuze wohlfühlen.

Etwa 150 Steinkäuze, schätzt Reinhart, hat er seit 2004 auf der Ronneburg aufgezogen und dann in Eichenfürst ausgewildert. Auf einem zwei Hektar großen Gelände dort haben er und sein Sohn verschiedene Brutmöglichkeiten für die kurzschwänzige Eulenart geschaffen. Doch auch die Gegend um die Ronneburg ist ein Refugium für Greifvögel - und immer einen Besuch wert.

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