Waldbesitzer Graf Philip zu Solms-Rödelheim (3. v. l.) erläutert den Kommunalpolitikern die Pläne für den Waldfriedhof im Ossenheimer Wäldchen. Seit rund fünf Jahren verfolgt er dieses Projekt, das nun Wirklichkeit werden soll. FOTO: JÜRGEN WAGNER
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Waldbesitzer Graf Philip zu Solms-Rödelheim (3. v. l.) erläutert den Kommunalpolitikern die Pläne für den Waldfriedhof im Ossenheimer Wäldchen. Seit rund fünf Jahren verfolgt er dieses Projekt, das nun Wirklichkeit werden soll. FOTO: JÜRGEN WAGNER

Ein Grab unterm Blätterdach

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Waldbestattungen liegen im Trend. Geschätzte 30 Prozent aller Verstorbenen werden nicht mehr auf einem herkömmlichen Friedhof bestattet, sondern unter Bäumen, in der Stille eines Waldes. Nach langem Anlauf soll dies auch in Friedberg möglich sein. Bei einem Ortstermin im Ossenheimer Wäldchen wurden die Pläne vorgestellt.

Es gibt keine Statistik darüber, wie viele Friedberger bereits auf einem Waldfriedhof beerdigt worden sind. Im Rathaus weiß man: Es sind viele. Da in der Kreisstadt ein solches Angebot fehlt, weichen viele in die Nachbarschaft aus, nach Rosbach oder Södel. Die Zahl der Bestattungen auf dem Kernstadt-Friedhof geht kontinuierlich zurück. 350 sind es derzeit pro Jahr, davon etwa 20 Prozent Sarg- und 80 Prozent Urnenbestattungen.

25 Pkw-Parkplätze im Wald

Waldfriedhöfe sind auch deshalb beliebt, weil die Pflege des Grabes wegfällt. Welche Vorteile eine solche Einrichtung noch hat, erläuterte Graf Philip zu Solms-Rödelheim, Eigentümer des Ossenheimer Wäldchens, bei einer Ortsbegehung. Bürgermeister Dirk Antkowiak und Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender (beide CDU) hatten dazu den Magistrat, die Mitglieder zweier Parlamentsausschüsse und den Ortsbeirat von Ossenheim eingeladen.

Antkowiak ist ein Fürsprecher von Waldbestattungen. Bei einer Abstimmung im Magistrat gab es vor Monaten allerdings ein Patt. Das Verfahren wurde angehalten, der Ortsbeirat noch einmal gefragt. Jetzt soll eine Entscheidung her. Er werde eine neue und positive Vorlage in die Gremien einbringen, sagte Antkowiak. Und er versprach, dass es auch auf einer anderen "Baustelle" weitergeht: Auf den städtischen Friedhöfen sollen bald Baumbestattungen möglich sein. Das hatten die Stadtverordneten vor Monaten beschlossen. Eine neue Friedhofssatzung, die das möglich macht, ist derzeit in Arbeit. Nach dem Ortstermin dürfte nun Bewegung in die Sache kommen.

Wie sieht ein Waldfriedhof aus? Um dies den 20 Kommunalpolitikern samt Gästen zu demonstrieren, war Waldbesitzer Philip zu Solms-Rödelheim "in Vorleistung" getreten. Wer den Waldfriedhof besuchen will, kann mit dem Auto bis vors Wasserwerk mitten im Wald fahren. 25 Parkplätze stehen zur Verfügung. Der Anfahrtsweg wird geschottert, ein Wendehammer angelegt.

Der Weg zum Andachtsplatz ist mit Holzhackschnitzeln belegt, möglich sei auch Rindenmulch. Das werde getestet, die Besucher sollen auch mit Rollator zum Waldfriedhof gelangen können. Rund 5 bis 6 Hektar von insgesamt 35 sollen für das Gräberfeld genutzt werden; auch eine Erweiterungsfläche ist bereits vorgesehen.

Andachtsplatz mit Hallencharakter

Das Wegesystem orientiere sich an den Holzrückegassen, sagte Landschaftsarchitektin Kerstin Renner vom Wölfersheimer Büro "Regio Konzept". Der Waldfriedhof werde naturnah gestaltet, mit so wenigen Eingriffen in den Bestand wie möglich. Renner deutete auf die hoch aufragenden Buchen rund um den Andachtsplatz. "Die erzeugen einen Hallencharakter." Richtung Osten verläuft eine Allee, das Blätterdach erinnert an eine gotische Hallenkirche. Findlinge und Sitzbänke aus Baumstämmen wurden in einem Oval aufgestellt. Ein weiterer Ort der Stille soll weiter westlich entstehen. Dort gibt es ein großes Feld mit Immergrün, einem Bodendecker, der auf eine mittelalterliche Siedlung hindeuten könnte. Wenige Meter weiter öffnet sich der Wald, man blickt über die Felder nach Florstadt und bis nach Frankfurt. Auf einer Streuobstwiese soll dort eine Sitzgelegenheit entstehen. Der Wäldchestag dürfte die Trauernden nicht stören, er wird am Waldesrand Richtung Ort gefeiert. Die Kommunalpolitiker hatten viele weitere Fragen. Was, wenn bei der Bestattung ein Unwetter droht? "Dann wird sie verschoben", sagte Bestatter Bernhard Laux (Steinfurth), der als Experte eingeladen war und aus der Praxis berichtete.

Im Waldfriedhof wird auch nicht gejagt (Rehe und Wildschweine leben hier). Doch was geschieht mit den Gräbern, sollte der Besitzer den Wald wegen Insolvenz abgeben müssen? Solms-Rödelheim: "Dazu wird es nicht kommen." Die Gräber blieben natürlich erhalten, 99 Jahre lang. Die gräfliche Rentkammer übernimmt die Friedhofsverwaltung, Beerdigungen werden von Bestattungsunternehmen organisiert.

"Das Waldfriedhofkonzept läuft deutschlandweit super", sagte Hendrik Docken, der in Bad Homburg den "Wald des Lichts" aus der Taufe gehoben hat. Für Steinmetze und Friedhofsgärtner seien Waldfriedhöfe "Pest und Cholera"; hier gibt es nichts zu verdienen. Die Menschen aber würden das Konzept annehmen: "Alle sind glücklich damit."

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