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ZUM NACHDENKEN

Die göttliche Einmischung

  • vonred Redaktion
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Am Sonntag feiern wir wieder in unseren Gemeinden das Erntedankfest. Wir sind dankbar für die diesjährige Ernte. Wir danken aber auch für den Einsatz und die Mühen der menschlichen Arbeit im gesamten Wirtschaftsleben. Und wenn wir aus diesem Anlass die Arbeit des Menschen in den Blick nehmen, dann müssen wir feststellen, dass nicht nur erst durch Corona so manches in dieser Arbeitswelt auf dem Kopf steht. Arbeit ist auch immer eine Quelle von Rechten und hat mit Würde zu tun. Das wird allzu oft vergessen,

Wir haben es in Zeiten boomender Wirtschaft erlebt und wir erleben es jetzt in Zeiten der Pandemie: Meldungen über Jobabbau und Entlassungen reißen nicht ab. Sie treffen auch unsere Region. Manche sprechen gar von einer Prekarisierung der Arbeitswelt. Sind dies die Sachzwänge unter denen sich Wirtschaft in einem globalen Markt und jetzt unter den erschwerten Bedingungen der Pandemie behaupten muss? Oder dürfen und müssen wir eine menschliche Arbeitswelt einfordern, in der der Mensch Mittelpunkt und nicht Mittel ist?

Ein Blick in die Bibel gibt uns die richtige Motivation. Das Bild vom Salz und das Gleichnis vom Sauerteig bringen es genau auf dem Punkt. Wie verständlich diese Bilder auch sind, sie verraten nur: Ohne Einmischung gibt es keine Veränderung, kein Heil. Die biblische Geschichte gibt uns Beispiele. Menschen mischen sich ein - im Namen Gottes. Propheten mischen sich ein. Vorläufig letzter Höhepunkt göttlicher Einmischung: Die Menschwerdung Jesu, der sich einlässt in unser alltägliches und zerbrechliches Leben. Wir wissen, wie die Sache ausgegangen ist. Und seitdem ist uns ans Herz gelegt: Zur Christusnachfolge gehört auch die Einmischung. Als Christinnen und Christen tun wir das, wenn wir uns auf die Fragen und Abhängigkeiten der modernen Arbeitswelt einlassen und einem entfesselten Finanzmarkt die Idee des sozialen Ausgleichs entgegensetzen. Ich würde mir wünschen, dass solche Themen auch in unseren Kirchengemeinden einen Ort haben.

Wenn man heute erlebt, was vielfach in der Arbeitswelt geschieht, dann wird man betroffen. Und diese Betroffenheit macht uns zur Einmischung fähig. "Ohne Einmischung gibt es keine Veränderung", das ist für mich auch eine Botschaft zu diesem Erntedankfest.

Richard Kunkel

katholische Betriebsseelsorge Oberhessen, Bad Nauheim

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