1. Wetterauer Zeitung
  2. Wetterau

Glücksgriff für den Konzertchor

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Hanna von Prosch

Kommentare

Schon als Junge wusste Andreas Ziegler, dass er Musik machen möchte: Erst hat er am Klavier der Nachbarn geübt, bis er ein eigenes Instrument bekam. Danach war das Ziel klar: Musik studieren und vorsingen.
Schon als Junge wusste Andreas Ziegler, dass er Musik machen möchte: Erst hat er am Klavier der Nachbarn geübt, bis er ein eigenes Instrument bekam. Danach war das Ziel klar: Musik studieren und vorsingen. © hms

Der Butzbacher Konzertchor hat eine lange Tradition. Mehr als 30 Jahre lang leitete und formte ihn Friedhelm Göttling. Dann musste er krankheitsbedingt von heute auf morgen aufhören. Ein gravierender Einbruch für die 60 Sängerinnen und Sänger, zumal sie die Proben für eine spannende Version des Mozart Requiems fast beendet hatten. Mit Andreas Ziegler hat der Chor einen Glücksgriff getan. Voller Begeisterung hat er die Arbeit nahezu übergangslos aufgenommen.

Es war ein herber Einschnitt für den Butzbacher Konzertchor. Friedhelm Göttling hat den Chor über 30 Jahre lang geleitet und geformt. Dann der Schock: Krankheitsbedingt musste er diese Tätigkeit von heute auf morgen aufgeben. Mitten in einem spannenden Projekt: Die rund 60 Sängerinnen und Sänger hatten die Proben für des Mozart Requiem fast beendet. Dann kam Andreas Ziegler. Mit ihm hat der Chor jetzt einen Glücksgriff getan. Voller Begeisterung hat Ziegler die Arbeit nahezu übergangslos aufgenommen. Am Samstag steht das große Konzert bevor.

Oratorische Musik hat den 45-jährigen Gießener schon immer fasziniert. Der Pädagoge am Ernst-Ludwig-Gymnasium in Bad Nauheim mit den Fächern Musik und evangelische Religion saß als kleiner Junge schon am Klavier der Nachbarn, bis endlich ein eigenes Klavier ins Haus kam. Als einmal ein Lehrer meinte, die Schüler wollten ja doch keine Musik machen, protestierte er: »Ich will aber Musik studieren und gerne vorsingen.« Das tat er dann auch an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt.

Hier stimmt die Chemie

Zu diesem Zeitpunkt hatte er allerdings schon bei Silke Grühn-Mencke und Ursula Starke einige Jahre Orgelunterricht absolviert und bei Professor Gottlob Ritter die C-Prüfung abgelegt. Als Aufbaustudium wählte Ziegler Orchester-Dirigieren, schloss mit dem Konzertdiplom bei Wojciech Rajski und folgte mehreren Einladungen zum Meisterkurs an die Polnische Kammerphilharmonie nach Sopot.

Es freut ihn, wenn sich aus dem etwas entwickelt, was er an musikalischen Möglichkeiten vorfindet. »Ich selbst bin kein großer Sänger,« bekennt er, »aber ich habe Freude daran, früher den Kinderchor in der Luthergemeinde in Gießen und seit vielen Jahren den Kirchenchor in Leihgestern zu leiten.« Auch in der Schule versteht er es, die Kinder bis zum Abitur hin für die Musik zu begeistern und stimmlich zu bilden. Erst kürzlich nahm er mit der jetzt 6. Klasse an dem Projekt der Deutschen Orgelstraße »Königskinder« in Bad Nauheim teil.

Mit dem Butzbacher Konzertchor stimmte die Chemie auf Anhieb. Nachdem Ziegler in das nahezu konzertreife Projekt eingestiegen war, erweiterte er es und gab ihm eine besondere Note. Dem rund 50-minütigen Requiem stellte er andere kleine Solo- und Chorwerke mit Orchester zur Seite, die mit dem Thema oder der Entstehungszeit korrespondieren. Dabei tauchen das Original-»Amen«-Fragment von Mozart auf sowie Peteris Vasks’ »The Fruit of Silence« aus dem Jahre 2014. »Ich will die Zuhörer fordern, Parallelen zu finden und Mozarts Tonsprache zu erkennen. Auch ist der Klang der Bassetthörner etwas ganz Besonderes.« Wenn der neue Chorleiter das sagt, spricht der Musikwissenschaftler aus ihm. Schließlich hat er für die berühmte Musikenzyklopädie »Musik in Geschichte und Gegenwart« den Artikel über Ferdinand Simon Gaßner, den ersten Musikdirektor in Gießen, geschrieben, der sich im 19. Jahrhundert mit der neuen Art des Dirigierens beschäftigte.

»Der Butzbacher Konzertchor hat ein reiches Repertoire und ein gutes Stimmpotenzial. Gemeinsam wollen wir die nächsten Projekte festlegen und daran wachsen. Sie müssen dem Chor guttun, finanzierbar sein, sollen aber auch spannend bleiben«, wünscht er sich.

Er hofft vor allem auf junge Stimmen, die nach der Schule dem Chor treu bleiben. Mit strahlenden Augen sagt er zum Abschluss: »Ich gehe glücklich und erschöpft, aber auch angespornt, aus der Probe.«

Auch interessant

Kommentare