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Herrnhuter in Glauburg und Stockheim

Strahlende Sterne mit vielen Zacken

  • vonInge Schneider
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Wer an einem Abend in der Adventszeit durch Glauberg und Stockheim fährt, sieht sich von einer Vielzahl Herrnhuter Sterne in vielen Größen und Farben begleitet. Woher kommt diese Häufung?

Pfarrer Jürgen Füg, Leiter der seit 2007 beide Ortschaften umfassenden Evangelischen Kirchengemeinde Glauburg, kennt den Ursprung dieses kleinen Sternenwunders: "Bereits in den 80er Jahren gab es in Glauberg den Brauch, im Advent die überdachte Turmspitze der evangelischen Kirche mit einem Herrnhuter Stern zu schmücken", berichtet Füg.

"Dahinter steht zum einen die Nähe zum Herrnhaag, dem Wohnsitz der Herrnhuter Brüdergemeine in unserer Region. Viele evangelische Gemeinden haben ab dem Ende des 18. Jahrhundert Herrnhuter Sterne erworben, um die Missionsarbeit der Herrnhuter zu unterstützen. Bei uns in Glauberg hat der Adventsbrauch vor einigen Jahren durch eine Kooperation der Evangelischen Kirchengemeinde mit dem Bürgerforum Glauberg eine Neubelebung erfahren.

Idee des Bürgerforums

Seitens des Bürgerforums sei die Idee aufgekommen, auch die Häuser verstärkt mit dem Herrnhuter Stern zu schmücken." Dieses Jahr musste das offizielle Lichtanzünden mit Umtrunk coronabedingt entfallen - andererseits habe die Pandemie zu einer Erweiterung des Brauches geführt:

"2020 ließen wir die Herrnhuter Sterne nicht nur bis zum Dreikönigstag, dem 6. Januar, leuchten - wir haben sie anlässlich des ersten Lockdowns erneut herausgeholt, Kirchen und Häuser damit geschmück - damals als Zeichen der Hoffnung, des Zusammenhaltes und der Solidarität mit allen Corona-Erkrankten und -Bedrohten."

Erstes Obdach in Büdingen

Selbstverständlich sind Herrnhuter Sterne auch auf dem Herrnhaag als einem ihrer geistigen Ursprungsorte zu finden sowie in Büdingen, jener Stadt, die den Glaubensflüchtlingen aus Herrnhut in der Oberlausitz als erste Obdach und Sicherheit gewährte.

In Büdingen hängt ein prächtiger Herrnhuter Stern in der Apsis der Marienkirche, auch hier sind viele Häuser mit dem Adventssymbol geschmückt, das zum einen an den Stern von Bethlehem, zum anderen an Christus selbst als Licht der Welt und den Morgenstern eines neuen Zeitalters und einer veränderten Weltordnung erinnert.

Einen ganzen Sternenhimmel gibt es in der "Büdinger Schatztruhe", unweit des Marktplatzes und inmitten der Altstadt zu entdecken. Inhaber Alexander Kropatsch bestellt als autorisierter Herrnhuter-Händler seine Originale direkt in der Oberlausitzer Herrnhuter Sterne GmbH, und zwar bereits im Sommer.

Rot und Weiß dominieren

"Die Farben Weiß und Rot dominieren traditionell bei den Herrnhuter Sternen, sie stehen für die Unschuld und Reinheit Jesu Christi sowie für sein heiliges Blut", erklärt Kropatsch. "Aber es gibt jedes Jahr auch einen Sonderstern, diesmal in der Farbe Mint. Diese Variante ist aber schon lange ausverkauft."

Nur wenige Fahrminuten von der Büdinger Altstadt entfernt trifft man auf den Prototypen: Ein winziger, flächiger Stern krönt das Brunnenhaus im Zentrum der Siedlung Herrnhaag bei Diebach am Haag - er ist dreihundert Jahre alt, somit der älteste erhaltene Herrnhuter Stern weltweit.

Glaubensflüchtlinge angesiedelt

Auch das Brunnenhaus besitzt eine Symbolik, es steht für Christus als Zentrum und Quelle des Lebens inmitten einer vitalen Gemeinde.

Mehr als tausend Glaubensflüchtlinge aus der Kommunität um den Lausitzer Grafen Nikolaus Ludwig von Zinzendorf (1700 bis 1760), die sich auf die "Böhmischen Brüder" und letztlich den böhmischen Theologen und Reformator Jan Hus (1370 bis 1415) zurückführen, fanden hier ab 1738 mit Erlaubnis des Graf Ernst Casimir zu Ysenburg und Büdingen Zuflucht.

Weltweite Verbreitung

Mit ihrer Mission zog der Herrnhuter Stern ins Weite, der ab 1732 von einem Mathematiklehrer in den Herrnhuter Internaten der Oberlausitz entwickelt worden war, um seinen Schülern zum einen anschauliche Geometrie nahezubringen und ihnen zum anderen die Adventszeit zu verkürzen.

Hier wurde der Grundstein für die weltweite Verbreitung eines adventlichen und weihnachtlichen Symbols der Hoffnung gelegt, das in Corona-Zeiten neue Aktualität gewinnt.

Traditionell 26 Zacken

Der vor gut 300 Jahren von einem Oberlausitzer Mathematiklehrer der Herrnhuter Brüdergemeine entwickelte Herrnhuter Stern besteht traditionell aus 26 Zacken, die um einen sogenannten Rhombenkuboktaeder aus acht gleichseitigen Dreiecken und 18 Quadraten gruppiert werden. Entsprechend verfügt der Stern über acht dreieckige und 18 quadratische Strahlen in Form länglicher Pyramiden.

Die Herrnhuter Manufaktur verschickt Sterne aus Papier und Kunststoff von acht bis 130 Zentimetern Durchmesser, einzeln und in Ketten. Sonderanfertigungen weisen erheblich mehr Zacken sowie Durchmesser von über zwei Metern auf.

Mit Zeit, Geduld und Sorgfalt

Das Basteln eines Herrnhuters erfordert Zeit, Geduld und Sorgfalt. Vorlagen zum Ausschneiden findet man auf den Seiten der Reformierten Kirchengemeinden Zürich als Download: https://www.zuerich-reformiert.ch/www.zuerich-reformiert. ch/advent/content/e21223/e21414/e21423/BestelanleitungHerrnhuterStern.pdf; Bauanleitungen mit Video zu den in der Manufaktur Herrnhut bestellten Bastelsätzen gibt unter https:// www.herrnhuter-sterne.de; ein gefalteter Origami-Herrnhuter, der ohne Schere und Kleber auskommt findet sich auf https://www.papierfalten.de/documents/faltanleitungen/herrnhuter_stern_de.pdf im

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