Einzigartig in Hessen

Keltenwelt soll CO2-neutral betrieben werden

  • schließen

Nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die globale Zukunft will die "Keltenwelt am Glauberg" im Blick haben. Das Museum wird Vorreiter für den CO2-neutralen Betrieb der hessischen Landesverwaltung, der ab 2030 geplant ist.

Als der Anruf aus dem Finanzministerium kam, habe ich gedacht, wir haben doch gar kein Geld beantragt", erinnert sich Museumsdirektorin Dr. Vera Rupp. Tatsächlich ging es um ein Modellprojekt: Die "Keltenwelt am Glauberg" soll auf einen komplett klimaneutralen Betrieb umgestellt werden. "Das ist in Hessen bislang einzigartig", sagte Finanzminister Dr. Thomas Schäfer, als er den Startschuss für das ambitionierte Vorhaben gab.

Im Ministerium hatte man die Keltenwelt mit Bedacht ausgesucht. Mit rund 5000 Euro Heizkosten pro Jahr, was etwa dem Wert von vier Einfamilienhäusern entspricht, sei der Energieverbrauch recht gering, stellte Rupp fest. Weil das im Mai 2011 eröffnete Gebäude zudem relativ neu und schon energieeffizient ist, mit Holzpellets und damit nachwachsenden Rohstoffen beheizt wird, Ökostrom nutzt und bereits am Projekt "EcoStep Energie" teilgenommen hat, waren die Voraussetzung für eine erweiterte Betrachtung des Energieverbrauchs günstig.

Bei "EcoStep Energie" waren allerdings nur der Energieverbrauch und die CO2-Bilanz des Gebäudes betrachtet worden. Das jetzige Modellprojekt ist deutlich umfangreicher. Ziel ist, gemeinsam mit dem Beschäftigten den gesamten Museumsbetrieb CO2-neutral zu gestalten.

Neben dem Energieverbrauch im Gebäude werden die Messungen auf alle klimarelevanten Kreisläufe des Museumsbetriebs ausgedehnt, sagte Schäfer. "Das bedeutet, dass die Mitarbeiter beispielsweise ihre Pendlerstrecken genau erfassen und auch alle Lieferketten im Hinblick auf ihren CO2-Ausstoß dokumentiert werden." Damit ergebe sich ein umfassenderes Bild, an welchen Stellschrauben weiter gedreht werden müsse.

20 solcher Modellprojekte zu einer CO2-neutralen Verwaltung gebe es, sagte der Minister. Deren Erkenntnisse in den kommenden Monaten sollen bei der Umstellung der gesamten Landesverwaltung mit 150 000 Mitarbeitern bis zum Jahr 2030 einfließen.

Auch Funde brauchen gutes Klima

Weil es für Schäfer der erste Besuch in der Keltenwelt war, nutzte Rupp den Termin, um ihm auch die vielfach einmaligen Exponate zu zeigen. Dabei wies sie besonders auf die Schnabelkannen hin. Weltweit seien nur fünf vergleichbare Kannen bekannt, zwei davon befänden sich am Glauberg. Auch ein reich geschmücktes Schwert sei ein einmaliger Fund gewesen. Gewöhnlich würden Schwerter ohne Scheide ausgegraben, erläuterte der Landesarchäologe Dr. Udo Recker. Nur bei dem Glauberger Fund sei auch die dazugehörige Scheide erhalten geblieben.

Rupp wies auf den außergewöhnlich guten Zustand organischer Materialien hin, der für die Forschung viele Erkenntnisse brachte. Besonders für solche Funde ist eine gute Klimatisierung wichtig. Haustechniker Miroslaw Michalik erläuterte, dass in den Vitrinen verschiedene Luftfeuchtigkeitswerte automatisch einreguliert würden. Auch hier werde über Einsparmöglichkeiten nachgedacht.

Bald 30-Watt-Lichtquellen

Dann sprach er die Beleuchtung an. Die Glasfaserleiter, die das Licht punktgenau zum Objekt bringen, würden derzeit noch aus 100-Watt-Lichtquellen gespeist. Diese sollten allmählich auf gleich helle Leuchten mit 30 Watt umgestellt werden.

Was die Deckenbeleuchtung anbelangt, sei ursprünglich nur eine Grundausstattung mit konventionellen Lampen eingebaut gewesen, sagte Rupp. Aus Eigenmitteln des Museums seien LED-Spots für eine bessere und flexiblere Ausleuchtung von Sonderausstellungen angeschafft worden. Inzwischen habe sie auch einen Lieferanten gefunden, der die Umstellung der Deckenlampen auf LED-Technik ermögliche. Davon verspricht sie sich nochmals eine deutliche Energieeinsparung. Doch seien dafür auch Investitionen von 40 000 bis 50 000 Euro notwendig.

Info

Hunderttausende Besucher

Das für rund neun Millionen Euro gebaute Landesmuseum "Keltenwelt am Glauberg" ist am 5. Mai 2011 eröffnet worden. Seither hat es mehrere Hunderttausend Besucher angezogen. Die "Keltenwelt", zu der auch ein Forschungszentrum, ein archäologischer Garten und ein Café gehören, zeigt Relikte aus der keltischen Besiedlungszeit, die auf dem Glauberg ausgegraben wurden. Das bedeutendste Ausstellungsstück ist die mannshohe Statue eines Keltenherrschers aus dem 5. Jahrhundert vor Christus. Ihre Entdeckung in den 1990er Jahren wurde als Sensation gefeiert. (dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare