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Dürfen die Spiellandschaft am Glauberg schon mal testen (v. l.): Hans-Werner Kuhli, Bernd Werner, Thiago Menuzzi, Thomas Lässig-Weller und Dr. Vera Rupp.

Spielen am Glauberg

Kein Spielplatz von der Stange

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Neben der "Keltenwelt am Glauberg" entsteht derzeit eine Landschaft zum Klettern, Balancieren und Schaukeln. Dabei sollen die Kinder auch etwas lernen.

Auf immerhin 20 Prozent der Fläche des Gartens der "Keltenwelt am Glauberg" wird derzeit ein Spiellandschaft aufgebaut. Dort sollen die jüngsten Besucher des Museums einerseits entdecken, welche körperlichen Fähigkeiten sie haben. Die Anlage bietet aber auch die Möglichkeit, dem Bewegungsdrang der Kinder im Umfeld des Museumsbesuchs gerecht zu werden.

"Wenn Sie Besucher mit Kindern haben oder Schulklassen, dann brauchen die einfach etwas, wo die sich austoben können", erklärt Museumspädagoge Thomas Lässig-Weller die Idee. Gerade an den Wochenenden habe sich die Keltenwelt zu einem beliebten Ausflugsziel für Familien entwickelt, die besonders das Freigelände nutzten, ergänzt Museumsleiterin Dr. Vera Rupp.

Lässig-Weller betont, dass er den 9000 Quadratmeter großen Garten, der seit 2012 in bisher vier Bauabschnitten neben dem Museum angelegt wurde, als Fortsetzung der Ausstellung unter freiem Himmel sieht. Die Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen im Museum wie Pflanzenreste, Pollen, Waffen oder Schmuckstücke sollen in der Darstellung von Handwerk oder Vegetation im Garten eine Ergänzung finden.

Wie ein gigantisches Mikado

"Entdecken, erforschen, begreifen" sei eine wesentliche Säule der Arbeit des Museums. "Um das, was wir in der Ausstellung zeigen, verstehen zu können, muss man erfahren, was man mit seinen Händen anfangen kann." Auch deshalb sollte im Garten kein Spielplatz von der Stange entstehen, sondern eine Spiellandschaft, "die die Kreativität der Kinder fordert", erläutert Lässig-Weller.

Doch auch eine Anlage mit diesem pädagogischen Anspruch muss vom TÜV abgenommen werden. Deshalb gibt es relativ wenige Unternehmen, die solche Spielplätze anbieten und bauen. Hans-Werner Kuhli, der zusammen mit Jürgen Werner die Außenanlage plant, machte Rupp auf die Stuttgarter Firma "KuKuK" aufmerksam. Deren Mitarbeiter Thiago Menuzzi und seine Kollegen haben am Glauberg Robinienstämme in einem dreidimensionalen Geflecht miteinander verschraubt - wie ein gigantisches Mikado. Diese Struktur bietet sich zum Klettern und Balancieren an. Vergrabene Holzpfosten sollen zum Erforschen animieren. Menuzzi: "Wir wollen die Kinder zu naturnahem Spiel anregen, ohne zu viele Vorgaben zu machen."

Schaukelnd ins Tal blicken

Geschickt nutzt die Gestaltung die Terrassenstruktur des Museumsgartens. Auf dem Abhang von einer höheren Ebene zur darunterliegenden ruht eine neun Tonnen schwere Granitplatte; sie dient später als Rutsche. Ein acht Tonnen schwerer Granitblock soll später mit seinem zehn Tonnen schweren Betonfundament das Widerlager für eine Schaukel bilden, mit der man über den Hang schaukeln und ins Tal blicken kann.

"Wir bauen viele naturnahe Spielplätze, aber es ist meist eine standardisierte Bauweise", freut sich Garten- und Landschaftsbauer Werner über den außergewöhnlichen Auftrag. "Wir wollten etwas Wildes, das auch sicher ist", betont Lässig-Weller. Menussi erläutert, dass es bei der Spiellandschaft deshalb sogenannte Einstiegsfilter gebe. Diese sollen verhindern, dass Kinder, die nicht die entsprechenden Fähigkeiten haben, zu hoch klettern und sich in Gefahr bringen.

Lässig-Weller erklärt, warum es keine Nachbildungen von Keltenhäusern geben wird. "Comic-Häuser aufbauen, um etwas zu suggerieren, was man wissenschaftlich nicht halten kann, ist fragwürdig." Die Keltenwelt stehe weniger für "Living History" als "Living Science". Das bedeute: "Bei uns kann man nicht Kelte spielen, bei uns kann man Keltenforscher spielen."

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