Das Geheimnis der Keltenfürstin

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In der "Keltenwelt" auf dem Glauberg dreht sich bis 13. Oktober nicht mehr nur alles um den Keltenfürsten, sondern auch um eine Keltenfürstin.

Die wurde 2010 bei der Erforschung des Umfeldes der Heuneburg an der Donau in Baden-Württemberg entdeckt. In der neuen Sonderausstellung "Das Geheimnis der Keltenfürstin" werden Entdeckung, Bergung und Freilegung der Grabkammer beleuchtet.

Laut "Keltenwelt"-Direktorin Vera Rupp wird die Ausstellung erstmals außerhalb von Baden-Württemberg gezeigt. Ihr zur Seite standen bei der Eröffnung am Wochenende Restauratorin Nicole Ebinger-Rist vom Stuttgarter Landesamt für Denkmalpflege, die die damalige Grabung leitete, und der Schweizer Experimentalarchäologe Markus Binggeli. Er fertigte die beeindruckenden Repliken der Originalfunde an.

Die wissenschaftlich herausragende Entdeckung des Grabes gelang den Archäologen im Umfeld des frühkeltischen Fürstensitzes Heuneburg bei Herbertingen. In der Donauebene legten sie einen 6,80 mal 7,60 Meter großen Grabblock frei. Die Grabkammer ist 4,60 mal 3,60 Meter groß. Sie wurde als 80 Tonnen schwerer Block am 28. Dezember 2010 geborgen.

Um 580 vor Christus angelegt

Neben der kunsthandwerklichen Qualität der Beigaben ist auch der Erhaltungszustand außergewöhnlich. "Das Grab wurde nach Ausweis der Jahrringbestimmung der Hölzer aus der Grabkammer um 580 vor Christus angelegt", sagte Ebinger-Rist. Es sei somit das einzige unberaubte und modern untersuchte Prunkgrab aus dem Umfeld der Heuneburg, das aus der Blütezeit dieses Fürstensitzes stamme.

Das Grab birgt drei Frauen: Die später Keltenfürstin getaufte Frau war zwischen 30 und 40 Jahre alt und 1,64 Meter groß. Neben ihr bestattet waren ein etwa zwei bis vier Jahre altes Mädchen (vermutlich die Tochter) und die Begleitperson, 20 bis 30 Jahre alt und 1,57 Meter groß. Die beiden Frauen starben zur gleichen Zeit, das Mädchen etwas später. "Über die Todesursache ist nichts bekannt", sagte Ebinger-Rist.

Einen sensationellen Fund im Grab stellt der aus Bronze gearbeitete und mit Kreisornamentik verzierte Stirnpanzer eines Pferdes dar

. Unter dem Bronzeblech hat sich ein Trensengebiss als bisher erster Eisenfund in der Grabkammer erhalten. Weitere Pferdegeschirrelemente aus Bronze wurden gefunden. "Ein Pferd wurde allerdings nicht mitbestattet", sagte Rupp.

Im nordöstlichen Teil der Grabkammer wurden Hauerpaare eines Wildschweins entdeckt. Sie dienten vermutlich als Jagdtrophäen-Brustschmuck für Pferde und als Klanginstrument. Die Keltenfürstin trug zwei Bronzeringe an den Füßen, der rechte Unterarm war mit drei, der linke mit vier Gagat-Ringen, Schmuck aus geschliffener Kännelkohle, geschmückt. Im Beckenbereich fanden sich Reste eines reich verzierten Gürtelblechs aus Bronze und Bernsteinschmuck von hoher Qualität. Am Hals trug sie Bernsteinperlen und Goldschmuck.

Ein 30 Zentimeter langer bandförmiger Ohrring ist die kostbarste Beigabe. In der Mitte des Bandes befindet sich ein Goldanhänger, der demjenigen aus dem Mädchengrab technisch und stilistisch weitgehend gleicht. Größte Übereinstimmungen weisen die Gewandspange der Fürstin und des Mädchens auf. "Die verschiedenen Stücke wurden mit denselben Werkzeugen eines Goldschmiedes gefertigt. Es war ein Gesamtwerk", sagte Binggeli.

Fünf Filme erläutern sein Handwerk für die Besucher. Schwierig war es laut Binggeli, das Ganze exakt auf Maß zu arbeiten. "Die 20 Zentimeter großen Eberzähne für die Replik haben wir aus Kasachstan bezogen, wo es heute noch acht Jahre alte Eber gibt." Die Originale liegen im Tresor des Landesamts für Denkmalpflege in Stuttgart. "Der Schmuck zeigt eine Detailverliebtheit, die die keltischen Handwerker mit Linienzier und Geometrie bis auf die Spitze getrieben haben", erklärte Ebinger-Rist. (Fotos: geo)

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