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Aus Freude an Büchern

  • vonInge Schneider
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Glauburg(im). Fröhliches und Nachdenkliches, Kindgerechtes und Nicht-Jugendfreies, Gruseliges, Kriminelles und Erotisches: Das Literatur-Spektrum beim 24-Stunden-Lese-Marathon in der Kulturhalle Stockheim war denkbar weitgespannt. Auf Anregung des FFH-Comedians und Grimme-Preisträgers Boris Meinzer hatten sich mehr als 50 Vorlesende jeweils eine halbe Stunde "Lese-Schicht" zu übernehmen. Ohne Honorar und ausschließlich zu dem Zweck, spannende Geschichten und die eigene Freude am Lesen virtuell an kleine und große Zuschauer weiterzugeben.

Der bundesweite Vorlesetag, lebt normalerweise vom direkten Kontakt zwischen den Lesenden und ihrem Publikum, von lebhafter Mimik und Stimme, die nicht durch eine Maske verborgen und verfremdet werden.

Überzeugt von der Wichtigkeit des Anliegens nutzte Meinzer sein Netzwerk und brachte die bunt gemischte Anzahl an Rezitatoren unter dem Dach der Kulturhalle zusammen.

Über den Youtube-Kanal der Kulturhalle wurden die vielen Vorträge via Live-Stream übertragen. Für die Technik sorgte das Kulturhallen-Team um Harald Steinke und seinen Sohn Paul Marius Steinke.

Meinzer wiederum verstand es, die Vortragenden selbst zum Zuge kommen zu lassen - mit der eigenen Biografie, den eigenen Vorlese- und Leseerfahrungen.

Dem Tagesablauf folgend waren der erste Vormittag sowie der Nachmittag der Kinder- und Jugend-Literatur vorbehalten,: Erzieherin Elisabeth Czech und die stellvertretende Leiterin Tamara Trupp von der Kita "Regenbogen" in Stockheim inszenierten die Erzählung "Die Maus, die hat Geburtstag heut’" von Paul Maar mit kleinen Handpuppen. Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl (SPD) las aus Wir zwei gehören zusammen" von Michael Engler.

Glauburgs Bürgermeister Carsten Krätschmer (SPD) eröffnete den Reigen der Rathauschefs mit "Geschichten vom Großwerden" von Jana Frey und Betina Gotzen-Beek. Ihm folgten Hans-Peter Seum (parteilos), Bürgermeister in Nidda, Adolf Ludwig (SPD, Limeshain), Dirk Antkowiak (CDU, Friedberg), der gemeinsam mit WZ-Mitarbeiter Harald Schuchardt Erzählungen rund um den Drachen Fionrir aus der Feder des Friedberger Autoren Andreas Arnold vortrug. Erich Spamer (FWG, Büdingen) hatte die Geschichte des Murmeltiers "Billy Backe aus Walle Wacke" von Markus Orths im Gepäck, Michael Hahn (CDU, designiert, Niddatal) und Lena Herget-Umsonst (SPD, designiert, Reichelsheim) repräsentierten die neue Bürgermeister-Generation, Cäcilia Reichert-Dietzel (SPD, Ranstadt) wiederum beschloss den Vorlesetag für die Kleinen mit "Gute-Nacht-Geschichten" gegen 19.20 Uhr. Dazwischen war auch die Kreis- und Landtags-Prominenz zu Wort gekommen: Der hessische Landtagsvizepräsident Jörg Uwe Hahn (FDP) brachte drei Erzählungen aus der Reihe "Der kleine Rabe Socke", Landrat Jan Weckler (CDU) hatte "Pippi findet einen Spunk" ausgewählt.

Die Moderatoren Uta Schmidt und Oli Becker vervollständigten den Reigen mit ihren professionell geschulten Stimmen. Kabarettist Martin Guth zitierte aus seinen Büchern "Meine Frau, ihr Mann und ich", und "Chill mal dein Leben, Papa!".

Krimi-Autor Gerd Fischer brach mit seinen "Ebbelwoi-Junkies" eine Lanze für den Erhalt des hessischen Nationalgetränks.

Leicht anzüglich wurde es mit dem Lese-Dialog zwischen Meinzer und Travestiekünstler Olga Orange, die einander mit Anekdoten aus Witzebüchern überraschten.

Anschließend lieferte Mundartdichter und Songschreiber Rainer Weisbecker ein einstündiges "Geisterkonzert" mit Blues und Rock auf Hessisch vor leeren Rängen ab.

Kurz vor Mitternacht las Sängerin Nadine Wopp aus Klaus Kinskis Biografie "Ich brauche Liebe"

Dracula zur Geisterstunde

Zur Geisterstunde ließen die Schauspielerinnen und Musical-Darstellerinnen Helena und Pamina Lenn mit Passagen aus "Dracula" von Bram Stoker Gruselstimmung aufkommen - kontrastiert durch Moderator Dennis Schulz aus Oppershofen und Bestatter Marcel Heller aus Ober-Wöllstadt: Die beiden Macher des Wetterau-Podcasts "Afterhour Eierbagge" streiften durch die düster-erotische Welt von "Fifty Shades of Grey".

Nach einer abwechslungsreichen Nacht eröffnete Johannes Welbrink den Samstagmorgen mit heiteren Texten von Otto Reuter und Willi Astor.

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