Eine fast vergessene Kunst

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Einen Workshop in der aufwendigen, gegenwärtig nur noch selten angewandten und gelehrten Technik des Tauschierens hat kürzlich die Niddaer Archäologin und Antik-Goldschmiedin Elke Sichert in der Keltenwelt am Glauberg angeboten. Der Basiskurs reihte sich in das vielfältige, praxisbezogene Angebot der Keltenwelt ein, womit das Museum Interessierten neben der Teilhabe an Forschung und wissenschaftlichem Diskurs auch die Möglichkeit eröffnet, Kunst und Kultur vergangener Tage ganz praktisch und hautnah kennenzulernen und zu erleben.

Einen Workshop in der aufwendigen, gegenwärtig nur noch selten angewandten und gelehrten Technik des Tauschierens hat kürzlich die Niddaer Archäologin und Antik-Goldschmiedin Elke Sichert in der Keltenwelt am Glauberg angeboten. Der Basiskurs reihte sich in das vielfältige, praxisbezogene Angebot der Keltenwelt ein, womit das Museum Interessierten neben der Teilhabe an Forschung und wissenschaftlichem Diskurs auch die Möglichkeit eröffnet, Kunst und Kultur vergangener Tage ganz praktisch und hautnah kennenzulernen und zu erleben.

"Die Technik des Tauschierens stammt womöglich aus dem arabischen Raum, wo das Wort ›tauschija‹ ›färben‹ bedeutet", erklärt Elke Sichert. "Die Kunst, ein schlichtes Trägermaterial wie Eisen durch das ornamentale Einbringen etwa von Gold- oder Silberdrähten zu verzieren, beherrschten sowohl die Römer als auch die Kelten und die frühen Franken, die Merowinger, an deren Arbeiten wir uns in diesem Workshop orientiert haben. Im Barock, als man bei der Ausschmückung von Räumen, Gewändern, Waffen und Schmuck jegliche opulente Verfahrensweise anwandte, deren man nur habhaft werden konnte, gelangte auch diese Technik kurzzeitig zu neuen Ehren."

Beim Tauschieren werden Edelmetallfäden in zuvor gehämmerte, gestanzte oder auch gestochene Vertiefungen im Trägermaterial eingebracht, das durch den Punzen (Meißel) zur Seite gedrängte schlichte Material dann mithilfe eines Flachpunzens wiederum so angedrückt, dass es das edlere Metall minimal bedeckt und fixiert. "Die Technik wird Goldschmieden gegenwärtig meist nur noch in Form fakultativer Kurse vermittelt – sie ist von der Arbeitszeit her zu aufwendig und nach heutigen Maßstäben kaum mehr zu bezahlen", erläuterte Elke Sichert, die für ihren Workshop neben der Einführung und der Herstellung eigener Werkzeuge sowie für das Tauschieren eines Modells des "Pfahlheimer Kreuzes" jeweils einen Tag ansetzte. Ihr Ziel: "Am Ende soll jeder Teilnehmer sein eigenes Kreuz mit nach Hause nehmen können – unabhängig von seinen Vorerfahrungen."

Dieses Vorhaben wurde in die Tat umgesetzt, zumal das Pfahlheimer Kreuz als eines der frühen Zeugnisse christlichen Glaubens bei den Merowingern in seiner Urform relativ schlicht gehalten ist, dennoch aber viel Ausstrahlung besitzt. Ein herbstlicher Fortgeschrittenenkurs in Nidda soll dann Tauschierern offenstehen.

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