koe_Wetterauer_Kultuprei_4c
+
Großer Bahnhof im Bahnhof: Kulturhallenmanager Harald Steinke (M.) erhält den Wetterauer Kulturpreis 2021. Landrat Jan Weckler (r.) überreicht ihm die metallene Urkunde von Ulrike Obenauer. Laudator Landrat a.D. Rolf Gnadl (l.) gratuliert.

Der »Kulturermöglicher«

  • VonHanna von Prosch
    schließen

Glauburg (hms). »Kulturermöglicher« Harald Steinke erhielt am Donnerstag den 25. Wetterauer Kulturpreis. Landrat Jan Weckler hatte sich und die Gäste direkt in Steinkes »Wohnzimmer« eingeladen, die Kulturhalle in Glauburg-Stockheim neben dem Modellbahnhof. Mit Ideen, Kreativität und Durchsetzungsvermögen hatte Steinke nicht nur dem Gebäude Leben eingehaucht, sondern durch die HSK-Show auch Künstlerinnen und Künstlern während der Pandemie zu Auftrittschancen verholfen.

Das Gebäude, Harald Steinke und sein technikaffiner Sohn Paul, das Team, Interviewerin Germaine und die Künstler sind eins und damit Kultur an sich. Wie in der HSK-Show, Steinkes mit mehr als 25 Auflagen trefflich gelungenem Pandemie-Kind, verwöhnte Showkoch Adrien die Gäste kulinarisch. Sie alle durften sich über die Auszeichnung mitfreuen.

Den musikalischen Rahmen setzten charmant und mit geschmackvollem Programm Nadine Wopp aus Bad Nauheim und Band. Das Ambiente im früheren Schuppen mit blauem Sternenhimmel, bunten Scheinwerfern und raffinierten Eisenbahnbahndetails hätte stilgerechter nicht sein können.

»Warum hat sich die Jury für Harald Steinke entschieden?«, fragte Weckler in der Begrüßung rhetorisch: »Nun, schauen Sie sich um: Deshalb.« Womit schon fast alles gesagt war.

Denn die Kulturhalle ist des Schornsteinfegermeisters Hobbyraum, an dessen Konzept und Ausführung er selbst jahrelang gewerkelt hat, wo er sich aus reinem Vergnügen hinters Schlagzeug setzt oder auf den Moderatorenstuhl. Stets lächelnd, unkompliziert, flexibel, vielseitig. Von sich selbst sagt er: »Ich mache vieles, aber nichts perfekt, nur so kann ich das Projekt umsetzen.« Damit stelle er sein Licht unter den Scheffel, meinte Laudator Landrat a.D. Rolf Gnadl.

Dieser verdoppelte seine Redezeit mal eben, um einen mit Zitaten gespickten Diskurs in die Begriffswelt Kultur zu unternehmen und die Geschichte des zehn Jahre (1989 - 1999) aus Spargründen schlummernden Kulturpreises und seine Wiedererweckung zu beschreiben.

Darin belegte er, dass Kultur eine Pflichtaufgabe und die Streichung einer umfassenden, strukturierten Kulturförderung politische Selbstentblößung sei. »Wir müssen uns entscheiden, wie viel sie uns wert ist«, mahnte Gnadl. Steinke sei das beste Beispiel dafür, dass Kultur Lebenselixier, Kraftspenderin und Mutmacherin sei für die Ausführenden wie für die Konsumenten. »In Zeiten, in denen sich die Gesellschaft immer weiter spaltet, dient die Kultur als Brückenbauer«, führte Gnadl aus.

»Ich bin halt positiv verrückt,« gab Steinke in seinen Dankesworten zu. Er versprach seiner die Kulturhallen-Aktivitäten duldenden Frau, dass, sobald das Team selbst laufen könne, er auch am Sonntag mal zuhause sein werde. Ist Kultur auf dem Lande machbar? Ja, das glaube er, aber vielleicht in Zukunft nur, wenn finanzielle Unabhängigkeit dahinter stehe. Er sei froh, dass ihm das durch seinen Brotberuf vergönnt sei.

Weckler erläuterte die Begründung der Jury so: »Harald Steinke hat schon mit der Idee des Modellbahnhofs zusammen mit Matthias Koch die Wetterau touristisch belebt. Mit der Kulturhalle hat er nun ein breites kulturelles Angebot geschaffen, das seinesgleichen sucht. Über die sozialen Medien ist die HSK-Show, deren Zutrittspreis den Künstlerinnen und Künstlern zugute kommt, weit über Hessens Grenzen bekannt geworden. Er hat damit in der Krise Hoffnung gegeben. Er hat im Unmöglichen Mögliches geschaffen.«

Unter den Gästen waren auch etliche ehemalige Preisträgerinnen und Preisträger. So auch Ulrike Obernauer (2020), die in diesem Jahr die traditionelle »Urkunde« in Form einer musikinspirierten Metallcollage angefertigt hatte. Wie immer wird eine Kopie im Kreishaus ihren Platz finden und den Kulturanspruch des Wetteraukreises dokumentieren. Die schönste Homage aber brachte Nadine Wopp dem Preisträger mit den Worten: »Schätze, das sind Menschen wie du, Harald.« Nur ihm widmete sie das Lied von Heinz Rudolf Kunze: Dein ist mein ganzes Herz.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare