Das geflügelte Mischwesen befindet sich auf dem Deckel einer bronzenen Röhrenkanne, die dem Gefolgsmann des Keltenfürsten als Grabbeigabe mitgegeben worden ist. Die Deutung des Wesens bleibt ein Geheimnis.	FOTOS: PAVEL ODVODY/PM
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Das geflügelte Mischwesen befindet sich auf dem Deckel einer bronzenen Röhrenkanne, die dem Gefolgsmann des Keltenfürsten als Grabbeigabe mitgegeben worden ist. Die Deutung des Wesens bleibt ein Geheimnis. FOTOS: PAVEL ODVODY/PM

»Glanzvoll ins Jenseits«

Alle Funde des Glaubergs vereint in einem Buch

  • VonSophie Mahr
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Im Museum am Glauberg liegen herausragende Prunkstücke der keltischen Elite. Einen Überblick über alle Objekte aus den Grabungen am Glauberg gibt Daniela Euler in dem Buch »Glanzvoll ins Jenseits«.

Kamera an, und Ton auf »Stumm« geschaltet. Damit sind die Vorbereitungen für die Online-Buchvorstellung abgeschlossen. Nachdem alle technischen Details abgestimmt sind, heißen Lars Corsmeyer und Vera Rupp aus der Keltenwelt am Glauberg alle Teilnehmer herzlich willkommen. Gemeinsam mit der Autorin Daniela Euler stellen sie das Buch »Glanzvoll ins Jenseits. Die keltischen Prunkgräber vom Glauberg« vor.

Um alle thematisch einzustimmen, erzählt Vera Rupp, wie die frühkeltischen Prunkgräber in den 1990er Jahren entdeckt worden sind. Die Entdeckung der Gräber sei damals eine Sensation gewesen. Inzwischen gebe es bereits mehrere Schriften, die sich mit den Funden vom Glauberg beschäftigen. Was es bisher jedoch nicht gegeben habe, sei eine Übersicht aller Fundstücke der drei Gräber in einer Arbeit. Daniela Euler habe sich dieser Aufgabe erfolgreich gestellt.

»Das Buch soll kein trockener Katalog und auch nicht nur wissenschaftlich sein«, sagt Vera Rupp. Die Schriften sollten so sein, dass jeder sie verstehen könne. Daran orientieren sich auch der Aufbau und die Gestaltung des Buches. Das Buch ist in fünf übergeordnete Kapitel unterteilt. Das erste bietet allgemeine Informationen über die Grabungen und Funde am Glauberg. Die Kapitel zwei bis vier behandeln die Fundstücke innerhalb der drei Gräber. Begonnen wird mit dem Grab des »Keltenfürsten«. Das fünfte Kapitel bezieht sich auf die Statuen, die außerhalb der Gräber gefunden worden sind.

Alle Fundstücke in einem Buch

Für eine größere Anschaulichkeit gibt es nicht nur Beschreibungen zu den einzelnen Artefakten, sondern auch sehr viele Illustrationen, die die Details hervorheben. Vera Rupp sagt, dass man auf den Bildern und Zeichnungen mehr Details erkennen könne, als bei der Betrachtung der Fundstücke in der Vitrine. Das Buch sei somit eine gute Ergänzung für den Museumsbesuch und auch eine gute Grundlage für weitere Untersuchungen. Für ein besseres Verständnis gibt es Informationskästen, die Hintergrundwissen vermitteln.

Daniela Euler hat vor- und frühgeschichtliche Archäologie in Frankfurt studiert. Durch ein Forschungsprojekt zur Eisenzeit hat sie die Keltenwelt am Glauberg kennen gelernt und bereits vor der Arbeit an den Glauberg-Schriften mit den Mitarbeitern kooperiert..

Vom Beginn des Projektes bis zur Veröffentlichung in diesem Monat seien mehrere Jahre vergangen. Daniela Euler zählt verschiedene Gründe auf: »Nicht jedes Objekt war zu jeder Zeit greifbar. Zu manchen Stücken gab es neue Erkenntnisse, die eingebaut werden sollten. Bei manchen Fundstücken gab es schon Fotos, aber teilweise wollten wir die nochmal verbessern.« Das Anfertigen von neuen Fotos und den detaillierten Zeichnungen habe auch seine Zeit gebraucht, und am Ende wurde alles nochmal kontrolliert. Mit dem Ergebnis seien alle Beteiligten zufrieden, sagt Vera Rupp. »Es hat sehr viel Spaß gemacht, an dem Projekt zu arbeiten. Wir waren ein ziemlich gutes Team.«

Nach der Vorstellung des Buches bleibt noch Zeit für Fragen zu den einzelnen Artefakten. Auf Nachfrage sagt Daniela Euler, dass das hier abgebildete Objekt mit zu ihren Lieblingsstücken zählt. »Das ist echt schwer, es gibt so viele tolle Sachen. Das geflügelte Mischwesen auf der Kanne, das am Wegfliegen ist, ist mir ans Herz gewachsen. Die Gestaltung und das Geheimnis dahinter sind spannend. Aber eigentlich sind alles meine Lieblingsstücke.«

Die Objekte aus dem Buch können alle im Museum am Glauberg eingesehen werden. »Das Besondere daran ist, dass alles Original-Fundstücke und keine Repliken sind«, sagt Daniela Euler. Derzeit ist das Museum jedoch geschlossen. Der archäologische Park kann für einen Spaziergang besucht werden. »Glanzvoll ins Jenseits. Die keltischen Prunkgräber vom Glauberg« kann sowohl über das Museum - das trotz Schließung per E-Mail erreichbar ist - oder im lokalen Buchhandel, wie beispielsweise bei der Buchhandlung Bindernagel in Friedberg, erworben werden.

Neue Grabungen am Glauberg

Zum Abschluss gibt Vera Rupp bekannt, dass die Ausgrabungen am Glauberg fortgesetzt werden sollen. Der Beginn der neuen Grabungen habe sich durch Corona leider verzögert. Wer sich die Zeit bis zur Wiedereröffnung des Museums verkürzen möchte, kann die Prunkstücke der Kelten vom Glauberg in Daniela Eulers Buch betrachten.

Die Keltenwelt

Die Keltenwelt befindet sich am Glauberg 1 in Glauburg. Sie vereint Museum, Archäologischen Park und Forschungszentrum zu den Kelten. Das Museum präsentiert europaweit einzigartige Funde. Darunter befindet sich die Statue des »Keltenfürsten vom Glauberg«. Die Keltenwelt und das Frauenhofer Institut Darmstadt arbeiten zudem an 3D-Modellen der Fundstücke. SMF

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