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Rehkitz Suzi ist nach einem Zusammenstoß mit einem Motorrad auf Pflege angewiesen. Fast drei Monate hat das Wildtier mit den Hunden zusammengelebt. Fotos: pv/Lori

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Gitta Hens ist Mutter für Bambi Suzi

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Nach einem Zusammenstoß mit einem Motorrad kümmerte sich die Tierfreundin um das verletzte´Rehkidz

Nidderau(geo). Der Name Suzi ist von einem japanischen Motorradhersteller abgeleitet. Mit Motorrädern der Marke Suzuki verbindet Rehkitz Suzi keine guten Erinnerungen. Hätten die Jagdpächter Andreas Voland und Thomas Fuhr, Tierärztin Dr. Yvonne Heil sowie Tierliebhaberin Gitta Hens nicht so schnell gehandelt, wäre Suzis erster Zusammenstoß mit einer Suzuki vermutlich auch ihr letzter gewesen.

Mit den Jagdpächtern hat sich Gitta Hens hin und wieder beim Spazierengehen unterhalten. "Sie wussten, dass ich tierlieb bin und dann kam der Anruf", sagt die 43-Jährige. Andreas Voland informierte sie, dass ein Motorradfahrer Richtung Schloss Naumburg ein Rehkitz angefahren hatte. Von ihrem Haus am Hainberg in Erbstadt ist das nur eine kurze Strecke. Hens fuhr sofort hin. Das war im Mai.

"Das Kitz lag am Straßenrand, mit seitlich überstrecktem Kopf", erinnert sie sich noch an den ersten Anblick. "Eine kleine, verlorene Seele, so groß wie eine Katze." Hens machte sich mit dem Kitz auf zu Tierärztin Yvonne Heil. Hier galt es, die ersten Hürden zu überwinden: Ein Wildtier darf nur nach Rücksprache mit dem Jagdpächter aus dem Revier entnommen werden. Voland gab sein "Okay". Heil diagnostizierte ein Schädelhirntrauma und ein Hämatom im Kopf des Tieres, das daraufhin mit Glukose und Kochsalzlösung versorgt wurde. Zwei Tage blieb das Kitz in der Obhut der Tierärztin, dann holte Hens es zur Pflege ab.

Schwieriger Anfang

Suzi war nicht das erste Tier, das einen Pflegeplatz auf dem 600 Quadratmeter großen Grundstück der Familie erhalten hat. "Ich habe schon viele Tiere aufgezogen, darunter Waschbären, Igel, Eichhörnchen, Vögel, Fledermäuse und Katzen", sagt Hens. Suzi erwies sich als schwieriger Fall. Sie nahm keine Nahrung zu sich, verfügte über keinen Saugreflex.

Hens versuchte es mit Ziegenmilch, die das Kitz verweigerte. Über die Hirzbacher Höfe bezog sie Lämmermilch, "die nie wärmer oder kälter als 38,5 Grad sein durfte". Die Fütterung per Einwegspritze erwies sich als problematisch. Suzi wehrte sich und trat nach Hens. Ihre Beine seien zu der Zeit mit blauen Flecken übersät gewesen. Ständig gingen Hosen und Shirts kaputt.

Hens erkannte schnell, dass das Kitz auf ihren Hund Amir fixiert war. Sie versuchte den Hund in die Pflege des Kitzes einzubeziehen. Kurzerhand band sie ihm ein Fläschchen mit Milch um den Bauch. Auch dieser Versuch scheiterte. Hens rief Voland an, um den Aufzuchtversuch zu beenden. Ab diesem Tag wehrte sich Suzi nicht mehr. Harmonie stellte sich ein. Das Kitz lebte im Garten und Vorgarten der Familie. Wenn es regnete, fand das kleine Wildtier Unterschlupf in der Waschküche. Suzi freundete sich mit den zwei Hunden Amir und Akani an, begleitete Hens beim Kräutersammeln, lag mit der Katze im Korb.

Hens, die gelernte Zahnarzthelferin ist, wurde zur Expertin, wie Rehkitze aufwachsen. Sie erfuhr, dass junge Kitze für die Verdauung täglich frische Maulwurfserde benötigen. Keine Frage, auch das war die Tierfreundin bereit zu organisieren. Sie machte sich auf in die Nachbarschaft, um dort täglich feinkörnige Erde von frischen Maulwurfshügeln zu sammeln.

Gewitter als Übergang

Nach einem Gewitter am 13. August wurde aus dem Haustier wieder ein Wildtier. Suzi sprang über den Zaun und kam erst fünf Tage später zurück. Seitdem besucht sie Gitta, ihren Mann Markus und die zwei Töchter täglich. "Sie kommt immer in der Dämmerung. In der Zeit vor dem Gewitter begleitete sie uns auch bei Spaziergängen mit den Hunden", sagt Hens. Nun sei sie mit ihren Artgenossen unterwegs. Doch an die Leckereien, die sie bekommen hat, erinnert sie sich gerne und holt sich noch immer Kräuter, Walderdbeeren, dunkle Weintrauben ohne Kerne, Zwetschgen-, Himbeeren- und Rosenblätter sowie Klee ab. Für die Delikatessen bedankt sich das Tier bei Hens mit Nähe. Heute ist Suzi zwischen sieben und acht Monate alt. Das anfängliche Katzengeschirr hat sie gegen ein Sicherheitshalsband ausgetauscht. Und die Jagdpächter von Eichen, Erbstadt, Heldenbergen und Kaichen sind informiert, dass Suzi längst wieder ein Wildtier ist.

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