Karriere machen

Gießener Polizei wirbt gezielt um Umschüler

Ausbildungsplätze gibt es bei der Polizei genug, nur ist es nach Angaben der Polizeigewerkschaft schwer, diese zu besetzen. Nun bietet die Behörde in Mittelhessen eine Einstellungsberatung gezielt für ältere Berufsumsteiger an.

Im September wollte die Polizei in Hessen 500 neue Beamte einstellen. Nach Angaben der hessischen Polizeigewerkschaft wäre man wohl über 400 froh gewesen. "Wir hinken ein bisschen hinterher", sagt deren Sprecher Peter Wittig. Der Bedarf an Polizisten in Hessen ist ungebrochen hoch: Alleine in diesem Jahr sind 1000 Neueinstellungen vorgesehen. Auch deshalb öffnet sich die Behörde zum Beispiel für Externe wie Politologen, Informatiker oder Islamwissenschaftler. Ebenfalls angesprochen werden mögliche Berufsumsteiger: zum Beispiel bei der bereits schon jetzt ausgebuchten Infoveranstaltung am Freitag, 11. September, im Polizeipräsidium Mittelhessen.

Jürgen Schlick und seine Kollegen sind momenten die Männer und Frauen der Stunde. Die Einstellungsberater der Polizei Mittelhessen versuchen, Werbung für den Polizeiberuf zu machen - und dabei nichts zu beschönigen. Schlick ist ein einnehmender Typ mit Humor, aber auch mit einer klaren Ansage. Man glaubt ihm, wenn er sagt: "Bei allen Problemen würde ich den Job immer wieder machen. Jeder Tag ist anders."

Kleinere und ältere Bewerber möglich

Seit diesem Jahr dürfen in Hessen Polizeianwärter älter und kleiner sein. Diese Meldung machte im April in den Medien die Runde. Die Mindestgröße für die Zulassung zum Dienst wurde von 1,60 auf 1,55 Meter gesenkt und das Einstiegsalter von 32 auf 36 Jahre erhöht. "Das hat auch mit dem demografischen Wandel zu tun", sagt Schlick. "Die Menschen arbeiten länger." Außerdem sei der Bedarf an zusätzlichen Polizeibeamten sehr hoch, "und ihre Aufgaben werden nicht weniger".

Als das Alter für die Zulassung zum Polizeidienst angehoben wurde, habe dies keine Diskussionen innerhalb der Behörde ausgelöst, sagt Schlick. Im Gegenteil: "Die Kollegen an der Basis sind froh über jede Verstärkung." Und die seien die Berufsumsteiger allemal. Sie würden Berufs- und Lebenserfahrung mitbringen, die jüngere Anwärter nicht haben könnten. Auch bei der Bewältigung von Konflikten im Einsatz könnte die Erfahrung der Berufsumsteiger helfen. Schlick erklärt außerdem, wie auch der alte Job im späteren Dienst nützlich sein kann. "Es gibt den ehemaligen Banker, der in Betrugsfällen ermittelt oder den Handwerker, der bei Verkehrskontrollen ein besonderes Auge für Transporter hat."

Wer bei der Polizei arbeiten will, muss das Abitur, die Fachoberschulreife, den Meisterbrief oder eine ähnliche Qualifikation vorweisen. Allerdings steht der Berufszugang unter Umständen auch Menschen ohne Abitur mit besonderer beruflicher Qualifikationen offen. Wer bereits eine Ausbildung oder ein Studium hinter sich hat und sich bei der Polizei bewirbt, wird nicht bevorzugt behandelt. Er oder sie muss ein drei Jahre langes Bachelorstudium in den Studiengängen Schutz- oder Kriminalpolizei absolvieren. Hinzu kommt: "Man muss gesund sein, der deutschen Sprache mächtig, physisch und psychisch belastbar, kommunikativ und interkulturell kompetent", sagt Schlick.

Die Einstellungsberater wollen nun die ansprechen, die glauben, ihr jetziger Beruf erfülle sie nicht. Die nach dem Schulabschluss gerne zur Polizei gegangen wären, diesen Wunsch aber aufgegeben haben, weil private Dinge im Wege standen und sie sich irgendwie zu alt für eine Bewerbung fühlten.

Realistisches Bild der Polizeiarbeit

Umso wichtiger ist es Schlick, diesen Bewerbern ein realistisches Bild vom Polizeiberuf zu zeigen: Erfahrene Ermittler werden bei der Infoveranstaltung von den guten und schweren Seiten ihres Jobs erzählen. "Tötungsermittlungen sind nicht für jeden etwas"; sagt Schlick. Einsatztrainer demonstrieren, wie sich Beamte bei Gefahr schützen. Experten der digitalen Forensik wollen Einblick in schwierige Ermittlungen geben.

Mit offenen Karten zu spielen, ist bei der Infoveranstaltung wichtig - damit die Berufsumsteiger ihren Schritt zur Polizei nicht bereuen.

Altersgrenze beachten

Die Altersgrenze für die Bewerbung für den Polizeiberuf ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In Hessen beträgt das Höchstalter 36 Jahre bei der Einstellung. In Nordrhein-Westfalen jedoch dürfen Absolventen ein Jahr älter sein. In Schleswig-Holstein gilt die Altersgrenze bei der Einstellung von 45 Jahren.

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