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Traurige Geschichte aus Tierheim

Animal Hoarding in Mittelhessen: So geht es mit den elf Rassehunden weiter

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Elf Rassehunde aus einem Fall von "Animal Hoarding" sitzen in der Quarantänestation des Tierheims. Sie wurden - zusammen mit einer Reihe weiterer Leidensgefährten - vom Wetterauer Veterinäramt beschlagnahmt. Die Hunde haben Parasiten und Hautkrankheiten, sie sind verwahrlost und ängstlich. Sie werden nun drei Wochen lang gepflegt, danach beginnt die Vermittlung.

Ein Bild des Jammers: Die Französischen Bulldoggen und Australian Shepherds kauern verängstigt in den Boxen. Als das Team des Tierschutzvereins sie in den Transporter lädt, wissen sie noch nicht, dass ihre Leidenszeit vorbei ist. Wie viele Hunde in dem Haus in der Wetterau gehalten wurden und nun auf verschiedene Tierschutzorganisationen der Region verteilt wurden, ist derzeit unklar. Von der Pressestelle des Wetteraukreises gab es dazu mit Hinweis auf das laufende Verwaltungsverfahren keine Informationen. Unklar sind auch die Hintergründe der Beschlagnahmung. Die Besitzerin war bereits vor einem Jahr dazu aufgefordert worden, die Haltungsbedingungen zu ändern. Dieser Weisung war sie nicht nachgekommen. Ob und in welchem Ausmaß die Frau mit den Hunden gezüchtet hat, mochte die Behörde zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantworten. Die beiden Rassen Australian Shephard und Französische Bulldogge sind begehrt und seit Jahren in Mode. 

Die drolligen "Bullys" und die mehrfarbigen "Aussies" stehen auf der Beliebtheitsskala ganz oben. Bei einem seriösen Züchter, der auf gesunde Verpaarungen und eine sorgfältige Aufzucht achtet, zahlen Interessenten zwischen 1200 bis 1400 Euro. Da die Schnäppchenmentalität auch bei Hundekäufern verbreitet ist, können "Hinterhofzüchter" schnelles Geld machen. Das geht immer auf Kosten der Tiere: Hündinnen werden als Gebärmaschinen isoliert gehalten und bei fast jeder Läufigkeit gedeckt, die Nachkommen sind häufig physisch und psychisch instabil. Oftmals leiden die Tiere ein Leben lang unter den schlechten Startbedingungen und gesundheitlichen Problemen. Ob im Wetterauer Fall kommerzielle Interessen eine Rolle gespielt haben oder die Halterin es eigentlich gut meinte, aber völlig überfordert war mit der Situation, wissen auch die Retter aus Gießen nicht im Detail. Sie eilten zur Hilfe, als die benachbarte Veterinärbehörde um Unterstützung bat.

"Animal Hoarding": Würmer, Flöhe, Hautkrankheiten

Bei der ersten Untersuchung im Tierheim war schnell klar: Alle Hunde haben Würmer und Flöhe, einige leiden an Hautkrankheiten, das Fell war ungepflegt. Zwei Australian-Shephard-Hündinnen haben beträchtliches Übergewicht. "Eine kleine Bulldogge wäre uns auf dem Weg fast kollabiert", berichtet Astrid Paparone, die erste Vorsitzende des Tierschutzvereins. Dem Tier hatten Hitze und Stress zugesetzt, aber es scheint zudem auch organische Gründe für den Zusammenbruch zu geben. Die kleinen Bulldoggen haben aufgrund ihrer verkürzten Schnauze oft erhebliche Probleme beim Atmen (ähnlich wie der Mops). Eine Operation ist unumgänglich. Noch ist nicht abzusehen, wie schnell sich die Hunde im Tierheim erholen. Klar ist jedoch, dass auf den Tierschutzverein hohe Kosten zukommen. Allein die Entwurmungen, Medikamente gegen den Flohbefall, für Impfungen und die geplanten Kastrationen werden erhebliche Mittel notwendig sein. Dass die Mitarbeiter für solche Überraschungsgäste Überstunden einlegen, ist ebenfalls unvermeidlich.

Erst im letzten Jahr hatten die Tierschützer es mit "Animal Hoarding" zu tun. Damals hatte ein Paar in seiner Marburger Wohnung fast 100 Chihuahuas gehalten. Fast 80 der kleinen Hunde wurden im Gießener Tierheim aufgepäppelt und wochenlang auf ein "normales Leben" vorbereitet. Große Anteilnahme sowie Hilfs- und Spendenbereitschaft hatten dafür gesorgt, dass der Verein das Problem bewältigen konnte. Alle Hunde wurden nach und nach vermittelt. Paparone hofft, dass Tierfreunde auch diesmal helfen. "Wir freuen uns vor allem über Geldspenden", erklärte sie.

Bis die ersten Besuche möglich sind, können sich Interessenten auf der Homepage www.tsv-giessen.de und auf der Facebook-Seite des Vereins die Bilder anschauen.

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Quelle: Gießener Allgemeine

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