Ein Storch hat seinen Horst auf einen Hochsitz im Revier Junkernwald gebaut.
+
Ein Storch hat seinen Horst auf einen Hochsitz im Revier Junkernwald gebaut.

Störche in der Wetterau

Gibt es zu viele Störche in der Wetterau? - Jäger: „Sie werden langsam zum Problem“

  • vonRedaktion
    schließen

In der Wetterau gibt es mittlerweile wieder über 120 Storchenpaare. Die Suche nach Nistplätzen wird für die Tiere vielerorts schwieriger. Die Störche werden langsam zum Problem - auch für andere Tierarten, sagt Heinz Ross, Jagdpächter in Nidderau.

Am Sonntagnachmittag bot sich in Altenstadt-Lindheim ein besonderes Schauspiel. »Mehr als 60 Jungstörche hatten sich in der Luft versammelt und kreisten als großer Schwarm in der Thermik des am Nachmittag aufkommenden Sonnenscheins«, berichtet Dr. Werner Neumann, Vorsitzender des BUND in Altenstadt und des Wetterauer Kreisverbands der Naturschützer. »Sicherlich ist Lindheim als Storchendorf bekannt, aber in einer so großen Zahl hatten sich bisher die Störche nicht getroffen.« Für Neumann ist das ein Erfolg, die Auengebiete in der Wetterau seien besonders geschützt. »Einige Störche werden aber auch hierbleiben, da macht sich der Klimawandel bemerkbar. Oder ihnen reicht die Nahrung auf spanischen Müllkippen aus.« Andere flögen weiter über Marokko bis zum Tschadsee.

Dutzende Tiere versammeln sich am Himmel über Lindheim zum Abflug.

Nicht alle teilen die Freude über die mittlerweile große Storchenpopulation. In den Nidderwiesen bei Eichen gehörten inzwischen auch die Störche zu den Fressfeinden von Hasen, Fasanen, Rebhühnern oder Wachteln. Sobald die Felder im Sommer abgeerntet seien, fänden diese Tiere keine Deckung mehr, erzählen Jagdpächter Heinz Ross und sein Mitjäger Dr. Stefan Eisenhardt auf dem Feld von Landwirt Bernd Förter aus Ostheim. Er hat im Revier Junkernwald nahe der Gemarkungsgrenze zu Eichen Parzellen mit Wildblumen angepflanzt, um einen Lebensraum für Insekten, aber auch für Niederwild zu schaffen.

Störche in der Wetterau: 4000 Quadratmeter mit Blumen angelegt

Förter hat in diesem Teil der Gemarkung vier Parzellen mit Blumen von insgesamt knapp 4000 Quadratmetern Fläche angelegt. »Das Saatgut haben die beiden Jäger mit bereitgestellt. Herr Förter tritt sein kostbares Ackerland ab, um etwas für die Natur zu tun«, lobt Ross. »Und zwar nicht irgendwo an viel befahrenen Straßen, wo die Insekten auf der Windschutzscheibe landen oder von Abgasen eingenebelt werden. Und auch nicht an bei Spaziergängern und Reitern beliebten Wegen, wo die Hunde in die Felder streunen.«

Jagdpächter Heinz Ross (l.) und sein Mitjäger Dr. Stefan Eisenhardt (r.) beklagen an der Blühfläche, die Landwirt Bernd Förter angelegt hat, eine Überpopulation an Störchen in den Nidderauen.

Noch während Ross spricht, fliegt keine 50 Meter vom Blühstreifen entfernt ein Storch ein und lässt sich auf einem Horst am Hessenjakobsgraben nieder, der die Nidderwiesen durchzieht. Dieser Horst ist nicht etwa auf einem der zahlreichen Masten gebaut, die seit dem Jahr 2000 von der Vogelschutzgruppe Eichen aufgestellt wurden und seit der Wiederansiedlung 2004 jährlich mehr Zuspruch finden. In diesem Fall hat sich das Storchenpaar ausgerechnet einen Ansitz von Jagdpächter Ross als Nistplatz ausgesucht. »Anfangs waren in dem Horst drei Jungtiere«, berichtet der 81-Jährige, der seit knapp 20 Jahren das Ostheimer Revier Junkernwald betreut. »Inzwischen ist es nur noch eins. Die beiden anderen sind verhungert, weil die Störche nicht genügend Futter finden.« Die Population in Nid- derau sei inzwischen einfach zu groß, beklagt der Jagdpächter. Eine Ansammlung von bis zu 30 Störchen sei bei der Feldbearbeitung keine Seltenheit, bestätigt Landwirt Förter. Die Vögel folgen dem Schlepper und jagen in der frisch aufgewühlten Erde nach Mäusen und Insekten.

Störche in der Wetterau: Storch macht Jagd auf Kiebitz-Küken

Doch dabei bleibe es nicht, wie Ross berichtet. »Die Störche gehen inzwischen auch auf junge Hasen, Schlangen oder Bodenbrüter wie Rebhuhn und Wachtel. Ich habe sogar schon beobachtet, wie ein Storch zwei Kiebitz-Küken verfolgt hat.« Dabei sei man froh, dass der selten gewordene Kiebitz hier brüte. »Die Altvögel haben den Storch dann verjagt.« Doch nicht alle Vogelarten seien so wehrhaft wie der Kiebitz. Umso wichtiger seien auch hier die schützenden Blühstreifen von Landwirt Bernd Förter. »Die Störche lassen sonst kaum noch eine Tierart aufkommen, es bleibt nichts mehr übrig.«

Ross weiß, dass er sich mit seiner Position keine Freunde macht. Ihm gehe es nicht bloß um den Schutz des Hasen als Jagdtier, was der Jägerschaft häufig vorgeworfen werde. »Jeder andere Jäger hätte auch den Nestbau auf dem Ansitz verhindert, der für uns sehr wichtig ist«, sagt Ross, »zum Beispiel für die Jagd auf Wildschweine. Wir haben den Storch hier geduldet. Aber wir können nicht eine Tierart so fördern und bejubeln, wie es der Naturschutzbund tut, und darüber hinaus alle anderen Tierarten vergessen. Da läuft der Artenschutz in eine falsche Richtung.«

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare