Landwirt Matthias Wacker aus Kilianstädten lagert einen Teil seiner Getreideernte in seiner Halle. Er will den Weizen im Winter verkaufen, weil da die Preise höher sind. FOTOS: NIEHOFF
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Landwirt Matthias Wacker aus Kilianstädten lagert einen Teil seiner Getreideernte in seiner Halle. Er will den Weizen im Winter verkaufen, weil da die Preise höher sind. FOTOS: NIEHOFF

Wo das Getreide lagert

  • vonJürgen W. Niehoff
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Weizen, Gerste und Hafer sind geerntet. Die Felder werden auf die Aussaat für Raps, Zwischenfrüchte und Wintergetreide vorbereitet. Doch wo ist die diesjährige Ernte hin? Schöneck hat sich inzwischen zum Umschlagplatz für Getreide im westlichen Main-Kinzig-Kreis und der südlichen Wetterau etabliert.

Die Getreideernte ist zu Ende - und es gibt zufriedene Gesicher. "Wir hatten mit einem unterdurchschnittlichem Ertrag gerechnet", sagt Matthias Wacker. Nach dem trockenen März und April habe der Regen im Mai und Juni scheinbar dann aber doch wieder vieles wiedergutgemacht. Außerdem sei es im Gegensatz zu 2018 und 2019 nicht schon im Frühling heiß gewesen, sodass kein Korn "verbrannt" sei und auch keine Notreife eingesetzt habe.

Wacker bewirtschaftet einen 180 Hektar großen Landwirtschaftsbetrieb in Schöneck-Kilianstädten und hatte lange um die Güte und die Menge seiner diesjährigen Getreideernte gebangt. "Für die Landwirte ist die Ernte nämlich immer ein spannender Zeitpunkt im Jahr, denn da werden die Brötchen für den kommenden Winter geerntet", erklärt der Landwirt. Die Menge und Qualität von Weizen, Gerste und Co. steht erst fest, wenn sie eingebracht ist und abgeliefert ist..

Einer dieser Abnehmer befindet sich seit Anfang Mai auf dem Gelände der ehemaligen Thylmann-Mühle in Schöneck-Kilianstädten. Die war im vergangenen Jahr verkauft worden, aber schon fünf Monate später ganz eingestellt worden. Zum Kummer der umliegenden Landwirte, denn die hätten dann zur Ablieferung ihrer Getreideernte große Wege in Kauf nehmen müssen und damit bedingt höhere Transportkosten und höheren Zeitaufwand.

Volle Silos - Verkauf im Winter

Deshalb wird wohl so mancher Landwirt aufgeatmet haben, als bekannt wurde, dass die Firma Sauer eine Annahmestelle in Kilianstädten betreiben würde. "In diesem Jahr liefere ich noch ein Teil meiner Getreideernte nach Hanau, weil ich nämlich schon im Januar meine Ablieferungsverträge geschlossen habe. Da gab es die Alternative mit dem Sauer Agrarhandel hier in Kilianstädten noch nicht", erklärt Wacker.

Viele Landwirte verkaufen ihre Getreideernte bereits im Winter, denn dann sind sie mit dem Preis auf der sicheren Seite und können besser kalkulieren. "Ja, das wissen wir auch und deshalb bieten wir unseren Kunden an, dass sie ihr Getreide bei uns abliefern, gegen Gebühr zwischenlagern und erst im Herbst oder Winter zu einem dann eventuell höheren Preis verkaufen. Natürlich bestenfalls dann auch an uns", verrät Frank Linkenbach, einer der beiden Geschäftsführer von Sauer.

Annehmen und weiterverkaufen

"Das Geschäft in Kilianstädten lief besser als erwartet. Der gute Zulauf zu der neuen Annahmestelle hat alle Erwartungen übertroffen", sagt Linkenbach. Die Silos seien voll. Darauf hatte er gehofft.

Auch der Silomeister in Kilianstädten, Edouard Herera stimmt seinem Chef zu: "Es war zwar manchmal anstrengend, weil auch in zwei Schichten bis nachts ein Uhr gearbeitet wurde. Aber dafür können wir jetzt etwas durchatmen bis der Mais als nächstes kommt." Es habe oftmals Diskussionen mit Landwirten um den Preis gegeben. Vielen musste erst der Unterschied zwischen einer Mühle, die das Getreide selbst weiterverarbeitet und einer reinen Abnahmestation erklärt werden.

Letztere sind nur Zwischenhändler, weil sie das Getreide nur aufkaufen, um es dann zu einem Käufer zu transportieren. Und dadurch entstünden dann die Preisunterschiede. Da die Ernte sicherlich auch wegen des guten Bodens in der Wetterau in diesem Jahr trotz Trockenheit zufriedenstellend ausgefallen ist, "ist auch die Diskussion um den Preis immer wieder schnell verstummt", weiß Herera.

Das sieht auch Wacker so: "Keiner muss sofort verkaufen", ist seine Meinung. Er habe einen Großteil seiner Getreideernte eingelagert und warte mit dem Verkauf bis zum Winter. "Jetzt geht es erst einmal um den Mais und die Zuckerrüben. Wichtig ist, dass es nun auch noch immer mal wieder regnet."

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