Die Kommunalwahl im März wird unter Corona-Bedingungen vonstatten gehen. Das Land hat unter anderem Reichelsheim nach den Erfahrungen bei der Bürgermeisterwahl gefragt. FOTO: DPA
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Die Kommunalwahl im März wird unter Corona-Bedingungen vonstatten gehen. Das Land hat unter anderem Reichelsheim nach den Erfahrungen bei der Bürgermeisterwahl gefragt. FOTO: DPA

Geschützt wählen

  • vonOliver Potengowski
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Am 14. März 2021 werden in Hessen Gemeindevertreter, Stadtverordnete und Kreistage neu gewählt. Um Empfehlungen für die Organisation der Kommunalwahl zu geben, hat die Landesregierung die 36 Kommunen, in denen am 1. November Bürgermeister gewählt wurden, nach Erfahrungen gefragt. Auch Reichelsheim und Limeshain.

Im Wetteraukreis sind Reichelsheim und Limeshain von der Landesregierung um Rückmeldung gebeten worden, wie die Bürgermeisterwahlen unter den Bedingungen der Pandemie verlaufen sind. Beide Kommunen ziehen ein positives Fazit. "Eigentlich überraschend war, dass es keine Schwierigkeiten gab", stellt Horst Wenisch, Büroleiter im Reichelsheimer Rathaus, fest.

Dafür hatten er und Bürgermeister Bertin Bischofsberger, der Wahlleiter war, weil er nicht für eine weitere Amtszeit kandidierte, entsprechende Vorbereitungen getroffen, ebenso wie Wahlleiter Jürgen Kunkel in Limeshain.

Plexiglas und Einzeltische

Bischofsberger berichtet, man habe am 1. November kleinere Wahllokale nicht geöffnet, die bei früheren Wahlen genutzt worden waren. Dadurch habe es etwa in Beienheim nur noch ein statt zuvor zwei Wahllokale gegeben. Und in Reichelsheim wurde nicht im Feuerwehrhaus, sondern in der Grundschule gewählt.

Die Reichelsheimer Stadtverwaltung hatte auch weitere Vorkehrungen getroffen, um die Ansteckungsgefahr in den Wahllokalen möglichst gering zu halten. Überall war ein Einbahnstraßenverkehr mit einzelnen Stationen - Kontrolle Wahlberechtigung, Übergabe Stimmzettel, Wahlkabine, Urne - eingerichtet. Dadurch, dass immer nur ein Wähler pro Station erlaubt war, wurde der Mindestabstand automatisch eingehalten. Auch an die Mitglieder des Wahlvorstands war gedacht: Sie saßen an Einzeltischen, waren durch Plexiglasscheiben geschützt und erhielten Masken.

Kleinere Wahllokale zu schließen, sei bei der Bürgermeisterwahl in Limeshain nicht nötig gewesen, erklärt der dortige Wahlleiter. Dafür seien immer nur zwei Personen gleichzeitig in die Wahllokale gelassen worden. Drinnen seien die Wähler durch eine andere Wegführung nur noch einmal in Kontakt zu den Wahlhelfern gekommen.

"Das kann man bei der Kommunalwahl im Frühjahr nicht machen", stellt Kunkel fest. "Da haben wir Riesen-Wahlzettel." Durch die langen Kandidatenlisten, Kumulieren und Panaschieren der Stimmen werde der Wahlvorgang länger dauern, wodurch Warteschlangen vor der Tür zu erwarten seien. Deshalb werde auch Limeshain am 14. März größere Wahllokale einrichten.

Eine große Erleichterung sei gewesen, "dass wir so viele Briefwähler hatten wie noch nie", erklärt Bischofsberger. Rund 1400 Bürger hatten ihre Stimme an das Reichelsheimer Rathaus geschickt oder dort vorab gewählt, statt in ein Wahllokal zu gehen. In der Regel gebe es in Reichelsheim weniger als 1000 Briefwähler.

In Limeshain ist die Veränderung noch deutlicher. Bisher seien 300 bis 400 Briefwähler üblich gewesen, sagt Kunkel. Bei der Bürgermeisterwahl waren es 845. In den drei Ortsteilen wurden jeweils deutlich weniger Stimmen direkt in den Wahllokalen abgegeben: in Rommelhausen 509, in Hainchen 291, in Himbach 397.

Kunkel berichtet, dass er diese Verschiebung vorausgesehen habe, weshalb er den Briefwahlvorstand eine Stunde früher zusammengerufen habe. Bischofsberger erläutert, dass er die Wahlhelfer zur Auszählung der vielen Briefwahlstimmen am 1. November auf zwei Räume aufgeteilt habe. Zudem war der Briefwahlvorstand aufgestockt worden.

Bischofsberger richtet einen Dank an die Wahlhelfer, von denen nur einer krankheitsbedingt abgesagt hatte. "Davor hatten wir am meisten Angst, dass durch die steigenden Krankheitszahlen der ein oder andere sagt: Unter den Bedingungen nehme ich das Ehrenamt nicht wahr."

Land stellt Masken und Desinfektion

Auch Kunkel sorgte sich, ob er alle Wahlhelfer würde einsetzen können. Die meisten seien älter als 60 Jahre, einige kränklich. Doch nur einer habe sich krankgemeldet, ein weiterer um Versetzung gebeten. Dabei hätte er durchaus Verständnis für Absagen aus der Risikogruppe gehabt.

Bischofsberger dankt auch dem Land, das FFP2-Masken und Desinfektionsmittel kostenlos zur Verfügung gestellt habe. Außerdem merkt er an, dass es in den Wahllokalen keine Diskussionen mit Wählern über die Maskenpflicht gegeben habe. Auch deshalb falle ihm nichts ein, was man bei der Kommunalwahl im März besser machen könne.

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