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Ernst Busemann mit einem Album voller Karten mit Bildern von und über Fürst Otto von Bismarck.

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Geschichten und Schätze

  • VonChristine Fauerbach
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Der Anblick von Brief- marken, Ansichtskarten, Liebig-Bildern, Grußkarten und Feldpostbriefen lassen das Sammlerherz von Ernst Busemann schneller schlagen. Vor mehr als drei Jahrzehnten begann seine Sammelleidenschaft, die ihm volle Alben bescherte und zu interessanten Begegnungen führte.

R egale voller Alben, ein Tisch voller Bücher und viele Kataloge sind das Ergebnis von Ernst Busemanns Sammelleidenschaft. Los ging es vor mehr als 30 Jahren mit dem Sammeln von Briefmarken. »Briefmarkensammeln will gelernt sein, sonst wird man über den Tisch gezogen. Der beste Einstieg ist erst einmal, von allem etwas zu sammeln. Ideal um sich einen Überblick über Sammelgebiete zu verschaffen sind Tauschtage.«

Mehr als 30 Jahre lang gesammelt hat der gebürtige Ostfriese Briefmarken aus Deutschland und deutschsprachigen Ländern. »Philatelie beginnt, wenn eine Briefmarke gestempelt und ›gelaufen‹ ist. Im zweiten Schritt werden dann Postwertzeichen gesammelt, die noch auf Briefumschlägen kleben«, sagt der Wahl-Massenheimer, der 16 Jahre lang Vorsitzender des Briefmarkensammler-Vereins Bad Vilbel war. »Die von uns vor Ausbruch der Corona-Pandemie organisierten Tauschtage hatten einen guten Namen in der gesamten Rhein-Main-Region.«

Dort, im Verein für Briefmarkenkunde Bad Homburg, auf den Großtauschtagen in Frankfurt-Eschersheim und infolge von Inseraten hat er viele Kontakte geknüpft und seine Sammlungen ausgebaut. »Auf ein Inserat von mir auf der Suche nach Briefmarkensammlungen meldete sich eine Bad Nauheimerin. Von ihr kaufte ich einen Sack voller Ansichtskarten und Briefmarken aus dem Nachlass ihres verstorbenen Mannes. Dazu gehörten auch Liebigbilder, die seit 1865 ein großer Renner sind und bis heute gesammelt werden.«

Liebigbilder sind Sammelbilder, die die Firma Liebig an die Käufer ihres Fleisch-Extrakts als kleines Extra mit ihren Produktpackungen herausgab. Benannt war der Fleischextrakt nach dem Chemiker Justus von Liebig (1803-1873). Da Fleischextrakt im 19. Jahrhundert relativ teuer war, wurden Liebigbilder vorwiegend vom städtischen Bürgertum gesammelt. »Mit den bunten Sammelbildchen, die den Dosen mit Fleischextrakt beigelegt wurden, köderte man die Kinder, mit Rezeptheftchen die Mütter.« Die Sammelbilder wurden schnell zu begehrten Tauschobjekten und erfreuten sich bald größerer Beliebtheit als das eigentliche Produkt. Innerhalb von 100 Jahren sind 1870 Serien mit etwa 11 500 Bildern in zwölf Sprachen ausgegeben worden. In Deutschland wurde die Abgabe 1940 eingestellt. Seit 1998 werden in Italien in kleiner Auflage wieder Liebigbilder ediert, pro Jahr bis zu drei Serien.

Postkarten aus fernen Ländern

Von 1948/49 bis in die 1960er Jahre hinein gab es Karl-May-Sammelalben von Onno Behrends Tee. Die Sammler konnten die Bilder über dem entsprechenden Text ins Album einkleben. Auf einem Großtauschtag im Eschersheimer Turm kaufte Busemann ein Album. »Mit dabei waren Ansichtskarten, die ein Soldat im Ersten Weltkrieg von der Front täglich seiner Verlobten Eva Döppenschmidt in die Schäfergasse nach Fechenheim bei Frankfurt schrieb.«

Andere Alben von Ernst Busemann sind voller »Gruß aus«-Karten. Diese durften nur auf der Vorderseite neben oder unter den Abbildungen der jeweiligen Stadt beschriftet werden. Die Rückseite der »Deutschen Reichspost-Postkarte«, dem Vorläufer der heutigen Postkarte, war für Briefmarke und Empfänger-Adresse reserviert.

Unter den Schätzen von Ernst Busemann befinden sich Alben mit »gelaufenen« Bismarck-Karten sowie Postkarten aus fernen Ländern, Wer genau hinsieht, dem erzählen die Exponate spannende Geschichten, die zum Nachforschen anregen. Dazu gehört ein Briefumschlag mit abgestempelten Marken, der am 31. Mai 1943 um 19 Uhr von der Firma Ernst Wenzel aufgegeben wurde. Der Firmensitz hat sich »An der Hauptwache 1« befunden, war am Versendetag aber bereits in den »Marbachweg 860« verlegt worden. Auf einem anderen Brief aus Düsseldorf, der am 21. November 1965 ins Erzgebirge geschickt wurde, ist die Briefmarke geschwärzt. »Ich habe meine Freude am Sammeln. Heute komme ich nicht mehr dazu, habe schon viel verkauft«, sagt der 84-Jährige. Überzeugt ist er, dass die Philatelie eine Zukunft hat. »Wie sie aussieht ist von vielen Faktoren abhängig. Seit Ende 1959 hat der materielle Wert für postfrische Marken abgenommen.«

Ernst Busemann studierte an der Frankfurter Goethe-Universität Evangelische Religion, Politik und Geschichte. 30 Jahre lang unterrichtete der Oberstudienrat diese Fächer neben Gemeinschafts- und Sozialkunde am Georg-Büchner-Gymnasium in Bad Vilbel. Politisch aktiv war der Sozialdemokrat in den 1960er Jahren im Gemeinderat von Massenheim, wo er sich für die Gestaltung der Grünanlagen, neue Baugebiete und den freiwilligen Anschluss des Ortes nach Bad Vilbel einsetzte. Danach war er eineinhalb Jahre lang Stadtverordneter. Große Verdienste erarbeitete er sich über 30 Jahre als Vorsitzender der AWO Massenheim und als Mitglied des Kirchenvorstands der evangelischen Gemeinde Massenheim. Er war 16 Jahre lang Vorsitzender des Briefmarkensammler-Vereins Bad Vilbel, gründete 2001 den Akzente-Verein und 2004 die Akzente-Stiftung. Die Stadt Bad Vilbel verlieh ihm als Dank für seine vielfältigen Leistungen 2018 die goldene Ehrennadel. cf

Die Firma Liebig gab bunte Sammelbilder heraus.

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