Beim Erzählen kommt Martin Guth ins Gestikulieren. Zu seinen Anekdoten gibt es auch Musik. Der Kabarettist wird von Max Pfreimer an der Gitarre begleitet. FOTOS: LH
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Beim Erzählen kommt Martin Guth ins Gestikulieren. Zu seinen Anekdoten gibt es auch Musik. Der Kabarettist wird von Max Pfreimer an der Gitarre begleitet. FOTOS: LH

Geschichten aus dem Leben

  • vonEdelgard Halaczinsky
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Erst schmunzeln, dann herzhaft mitlachen. Martin Guth erzählt Geschichten mitten aus dem Leben. Von Familienvater Jan, seiner Frau Heike und den Töchtern Hannah und Lina. Er plaudert von Situationen, die jeder sicher schon erlebt hat. Mit seinem Best-of-Programm eröffnete Guth jetzt die neue Reihe "Open Air Kultur an der Wasserburg".

Mit dem "Besten vom Guthen" von und mit Martin Guth und seinem Kompagnon Max Pfreimer an der Gitarre startete Rosbach am Freitagabend in seine Open-Air-Kultur an der Wasserburg. Rund 80 Gäste, die sich gleichmäßig über den von Mauern umgebenen Burgvorplatz verteilten, lauschten dem kurzweiligen Abendprogramm an der frischen Luft und hielten auch dann noch gern durch, als die Temperaturen spürbar nach unten gingen.

"In der jetzigen Zeit sind Aufträge dünn gesät", gab Guth angesichts der überschaubaren Gästezahl zu verstehen. In Corona-Zeiten war auch er von schwindenden Zuhörerzahlen betroffen, weshalb ihm der Besuch in Rosbach wohl besonders gutgetan hatte. Hier freute man sich auf ein unterhaltsames Kulturprogramm mit einem echten Profi und zwei Stunden Kabarett, Lesung und Comedy. "Kultur geht nur, wenn Leute kommen", resümierte Bürgermeister Steffen Maar, der samt Gattin und ebenso wie Blütenkönigin Marisa I. den Weg an die Wasserburg gefunden hatte.

Guth präsentierte ein äußerst kurzweiliges Programm mit Auszügen aus seinen drei Büchern, mit eigenen Songs und Stilblüten aus Zeitungen und Schüleraufsätzen. Wohltuend bewegte sich sein Humor durch die Geschichten von Familienvater Jan, seiner Frau Heike und den beiden Töchtern Hannah und Lina.

Immer wieder löste das Gehörte im Publikum eigene Erinnerungen an Situationen aus, die im Nachhinein auch einen Lacher verdient hätten. So etwa bei der Geschichte in einer Parfümerie, als die auf Jans Schultern sitzende Lina ganz dringend Pipi machen muss und den Papa damit wahrhaft ins Schwitzen bringt. Welcher Elternteil kennt das nicht? Je weiter Guth ins Erzählen kam, um so mehr schlich ein Schmunzeln durch die Reihen vor der Bühne und steuerte zielgerecht auf ein erlösendes, herzhaftes Lachen zu, wie es nur ein Profi herbeizaubern kann.

Nie boshaft oder spöttisch

Sei es das Buhlen um die Gunst der Bäckerei-Fachverkäuferin aus Butzbach, die Erlebnisse bei den - ach so verhassten - Bundesjugendspielen oder ein Besuch bei einem Kaffeefreund, dessen teure Kaffeebohnen Ausscheidungen einer bestimmten Affenart sind. Auch der ungelenke Versuch, bei Subway ein Butterbrot für die Liebste zu bestellen, wurde zum Besten gegeben. Warum braucht ein Mensch so viele aufgezwungene Fremdworte, wenn es doch auch anders ginge? Was in manchen Kreisen dazu zu gehören scheint, erzeugt bei den anderen nur verständnisloses Kopfschütteln, und das darf ja mal gesagt werden.

Für die Mainova war Francisco Rodriguez gekommen und genoss den Abend, der Dank einer 4500-Euro-Mainova-Spende für eine neue Kamera-Technik nun auch daheim auf dem Sofa angeschaut werden kann.

Aus vielen Situationen pickt Martin Guth die heitere Seite heraus, ohne dabei bissig oder spöttisch zu werden. Wie harmlos gibt er zum Besten, was er in seiner Umgebung so aufgeschnappt hat, und bringt Dinge ohne Boshaftigkeit so auf den Punkt, dass man ohne schlechtes Gewissen herzhaft mitlachen kann. Man lernte Jan und seine kleine Familie als liebenswerte Zeitgenossen kennen, die man einfach gern haben muss. Ihre großen oder kleineren Missgeschicke sind so menschlich und so nah am Publikum, dass man unbeschwert in diese kleine Welt eintauchen wollte. Das tat guth.

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